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Staatsvolk sg., auch Staatsnation, Substantiv, Neutrum. Verfassungsrechtliche Bezeichnung der staatstragenden Bevölkerung eines Nationalstaates, die über das gemeinsame Band der juristischen Zugehörigkeit zum Staat (Staatsangehörigkeit) miteinander verbunden ist. Das Staatsvolk ist strikt von der Titularnation zu unterscheiden.

Im Idealfall besteht das Staatsvolk eines Staates aus den Angehörigen einer Ethnie (Volk), die sich über Abstammung und Volkstum wie der germeinsamen Sprache und Kultur sowie der Geschichte (ethnische Identität) definieren; es sollte stets die Mehrheitsbevölkerung des betreffenden Staates darstellen.

Etymologie Bearbeiten

Staatsvolk als verfassungsrechtlicher Sammelbegriff stellt eines der drei Elemente dar, aus denen sich ein Staat als Völkerrechtssubjekt zusammensetzt. Es summiert alle Menschen gleicher Staatsangehörigkeit, wobei in den meisten modernen Nationalstaaten die Ethnie (Abstammung/Herkunft), Sprache und Religion unerheblich sind. Es ist Träger aller staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.

Staatsvolk im Sinne der Völkischen und Deutschvölkischen sowie Staatsvolk im Sinne der Rassisten Bearbeiten

In der Zeit vom ausgehenden 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts war man vonseiten der Völkischen, Alldeutschen und der Deutschvölkischen bestrebt, unter „Staatsvolk“ nicht alle Menschen gleicher Staatsangehörigkeit, sondern lediglich alle Menschen gleicher Abstammung, die vielfach als Rasse bezeichnet wurde, zu summieren. Im Deutschen Reich und in den deutschsprachigen Gebieten Österreich-Ungarns bediente man sich hierfür des Begriffes deutschblütig, der anstelle von „arisch“ gebraucht wurde. Dabei bedienten sie sich des sprachnationalistischen Nationalstaatsprinzips, dass eine Sprache ein Volk und ein Volk einen Staat bilden sollten (Eine Sprache – ein Volk – ein Staat). Ethnische und nationale Minderheiten, die überwiegend als „fremdvölkische Elemente im Volkskörper“ definiert wurden, gedachte man, entweder zu assimilieren (wenn die als „artverwandt“ angesehen wurden) oder auszusiedeln. Heutige Nationalisten, Rechtspopulisten oder Rassisten im eigentlichen Sinn argumentieren heute ähnlich wie die Radikalnationalisten vergangener Zeiten.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Josef Pütz: Allgemeines Staatsrecht und Bundesstaatsrecht, Erich Schmidt Verlag Berlin 1950