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Staatsnation sg., auch Willensnation, Substantiv, Femininum. Seit der Französischen Revolution von 1789 verfassungsrechtlicher Begriff. Das politisch-soziologische Konzept der Staatsnation löste die bisherige Vorstellung ab, dass die Nation als solches durch den jeweiligen Monarchen und regional durch den Adel repräsentiert wurde. (→ Adelsnation)

Das Konzept der Staatsnation galt als revolutionär, da es von der modernen Idee ausging, das die Nation eines Staates allein durch die Wohnbevölkerung gebildet würde, und zwar völlig unabhängig von Klassen- und Ständezugehörigkeit, Abstammung, Sprache, Kultur und Religion.
Diese Nationsdefinition setzt voraus, dass die Betreffenden den subjektiven Willen haben, dem Staat (und damit der Staatsnation) anzugehören. Als liberale Strömung löste sie das bisherige Abstammungsprinzip ab, das regional herrschte, und ermöglichte einem Menschen, seine Nationalität zu wechseln, indem die eine Staatsangehörigkeit aufgegeben und eine andere durch Heirat oder Einbürgerung erworben wurde. Dieser Wechsel musste jedoch auf einer völkerrechtlichen Grundlage beruhen.

Hierzu ein Auszug aus der finnischen Verfassung (Paragraf 4.1):

„Das finnische Staatsbürgerrecht hat jedermann, der von finnischen Eltern geboren wurde, ebenso eine ausländische Frau, die mit einem finnischen Staatsbürger verheiratet ist.“

In der modernen Staatsrechtslehre gilt heute jedes Staatsvolk eines souveränen Völkerrechtssubjektes als Staatsnation, von der die sogenannte Titularnation zu trennen ist. Diese kann mehrheitlich das Staatsvolk bilden, muss es aber nicht.
Konträr zur Sprach- und Kulturnation, die sich als überstaatliche Konzepte definieren, in dessen Auffassung Staatsgrenzen unerheblich sind, da die elementaren Kernpunkte dieser Konzepte sich auf gemeinsame Sprache und Kultur berufen, ist für die Staatsnation die Staatsgrenze bindend. Kurz: Ohne einen Staat gibt es auch keine Staatsnation.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten