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SA-Wehrmannschaften, Bezeichnung für einen 1939 aufgestellten Zweig der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) und gehörte damit zu den bewaffneten SA-Verbänden. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gehörten die SA-Wehrmannschaften mit ca. 400.000 Angehörigen dem Volkssturm an.

Geschichte Bearbeiten

Vorgeschichte Bearbeiten

Bewaffnete SA-Verbände gab es seit den 1920er Jahren, als sich Angehörige der Freikorps und anderer Wehrverbände der NSDAP anschlossen. Diese bildeten seit dem November 1921 die Sturmabteilung. Nach dem missglückten "Hitlerputsch" vom 8. und 9. November 1923 wurden die NSDAP und deren Formation SA verboten. Nach der Wiederzulassung der Partei im Februar 1925 wurde im November des gleichen Jahres auch die SA wieder neu aufgestellt. Doch im Gegensatz zu den Jahren zwischen 1921 und 1923 wurde sie nicht mehr bewaffnet.

Bewaffnete SA-Verbände nach 1933 Bearbeiten

Nach der "Machtergreifung" Adolf Hitlers im Januar 1933 wurden bereits am 22. Februar 1933 ca. 150.000 SA-Männer mit Handfeuerwaffen ausgerüstet und in den Rang von Hilfspolizisten erhoben. Diese erhielten eine Armbinde mit der Aufschrift "Hilfspolizei" und aus ihren Angehörigen wurde in Preußen die sogenannte SA-Feldpolizei Berlin-Brandenburg, welche im Oktober 1933 als SA-Feldjägerkorps reorganisiert wurde, und in den übrigen deutschen Ländern eine SA-Hilfspolizei gebildet. Die SA- und SS-Hilfspolizisten errichteten eigene Schutzhaftlager, die ohne rechtliche Legalität bestanden und die als Vorbild der späteren Konzentrationslager dienten. In diesen wurden ca. 100.000 politische Gegner festgesetzt, von denen in etwa 500 bis 600 ermordet wurden.

Der SA-Stabschef Ernst Röhm forderte eine zweite Revolution, in deren Folge die Ablösung der Reichswehr und die Errichtung eines so genannten Volksheeres, deren Kern die SA bilden sollte. Damit geriet Röhm in Gegensatz zu Adolf Hitler und der Reichswehrführung. Während Ernst Röhm eine eigene Gerichtsbarkeit für die SA verwehrt blieb, so konnte er jedoch Anfang 1934 durchsetzen, dass diese nun durch das Reichsinnenministerium finanziert wurde.

Entmachtung der SA Bearbeiten

Am 28. Februar 1934 setzte sich Adolf Hitler mit der Spitze der Reichswehr und der SA zusammen. Dabei erklärte Hitler, dass für ihn eine SA-Volksmiliz im Röhmschen Sinne nicht infrage käme. Für Hitler sei nur eine deutsche Wehrmacht als alleiniger Waffenträger der Nation denkbar.

Röhm fügte sich offiziell den Wünschen Hitlers. Er begann dennoch von Bayern aus, die SA massiv zu bewaffnen. Ernst Röhm besaß diese Möglichkeit, da er in den 1920er Jahren Verbindungsoffizier der Bayrischen Reichswehr und den Bürgerwehren gewesen war und dadurch über riesige Waffenvorräte verfügte. Auch begann Röhm die SA militärisch auszubilden lassen und hielt dafür zahlreiche Gelände- und Gefechtsübungen ab. Dieses war für Hitler und die Reichswehrführung ein sicheres Zeichen dafür, dass Röhm sich nicht von seinen ehrgeizigen Zielen abgewandt hatte.

Ende Juni 1934 beschloss Hitler, die SA mithilfe der SS zu entmachten und diese durch die Ermordung Röhms und wichtiger Funktionsträger in der SA-Führung wieder auf Kurs zu bringen. Als Röhm Ende Juni 1934 die SA in einen vierwöchigen Urlaub schickte und wichtige SA-Führer zu einer Konferenz nach Bad Wiessee eingeladen hatte, sah Hitler seine Stunde gekommen. Am 30. Juni wurden Röhm und im Wesentlichen die gesamte SA-Führungsspitze verhaftet und bis auf Röhm noch am gleichen Tag durch Erschießungskommandos der SS ermordet. Ernst Röhm selbst wurde am 1. Juli 1934 in Stadelheim durch den Führer der späteren SS-Totenkopfverbände, Theodor Eicke, und dessen Stellvertreter Michel Lippert erschossen. Infolge des sogenannten "Röhmputsches" wurden die bewaffneten SA-Einheiten aufgelöst. Bei der Entwaffnung der Gesamt-SA konnten durch Polizei und Reichswehr 177.000 Karabiner und 1.900 Maschinengewehre sichergestellt werden. Diese wurden ein Jahr später der Wehrmacht überlassen, da Hitler 1935 die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt und die Beschränkung der Streitkräfte von 100.000 Mann aufgehoben hatte.

Abstieg in die Bedeutungslosigkeit Bearbeiten

Nach den Ereignissen des Sommers 1934 wurde die SA entmachtet und spielte in der weiteren Geschichte des Dritten Reiches keine große politische Rolle mehr. Hatten 1934 der SA noch rund 4,5 Millionen angehört, sank die Zahl der SA-Mitglieder bis 1938 auf 1,2 Millionen herab. Nach 1934 konnte man nur noch Mitglied der SA werden, wenn der Betreffende zuvor der NSDAP beigetreten oder aus den Reihen der Hitlerjugend war. Ferner stand einem Angehörigen der Wehrmacht der Eintritt in die SA frei. Durch diesen Aufnahmefilter wurde nun die Größe der SA bewusst kontrolliert. Die neue Hauptaufgabe der SA war nun Spendenaktionen der NSDAP und Aufmärsche durchzuführen. Röhms Nachfolger Viktor Lutze konnte jedoch bei Hitler durchsetzen, dass mit der Neuaufstellung der SA-Wachstandarte "Feldherrnhalle" eine SA-Einheit bewaffnet blieb. Doch diese geriet schnell in den Fokus von Hermann Göring, der diese SA-Standarte schnell in die deutsche Luftwaffe einband.

Gründung der SA-Wehrmannschaften Bearbeiten

Am 19. Januar 1939 wurde durch einen Führerbefehl Adolfs Hitler verfügt, das die SA verstärkt die militärische Ausbildung aller deutschen Wehrpflichtigen vorzunehmen und in dieser Funktion die Monopolstellung innehabe. Im SA-Dienst traten nun Wehrsport und andere Formen der vor- und nachmilitärischen Ausbildung in den Vordergrund. Dafür wurden eigens sogenannte SA-Wehrsport-Gemeinschaften aufgestellt. Jedem Wehrpflichtigen wurde auferlegt, vor seiner Einberufung das SA-Sportabzeichen zu erwerben. Bis zum Kriegsausbruch im September durchliefen rund 1,5 Millionen Jugendliche diese Ausbildung in den Wehrsport-Gemeinschaften.

Am 1. September begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Ca. 60 % der einfachen SA-Männer und 80 % ihrer Führer wurden in die Wehrmacht einberufen. So wurden im Oktober des gleichen Jahres die SA-Wehrmannschaften aufgestellt, deren Ausbilder die in der Heimat verbliebenden älteren Jahrgänge waren. Diese SA-Wehrmannschaften versahen hilfspolizeiliche Dienste und führten Bewachungs- und Sicherungsmaßnahmen durch, welche Polizei und Streitkräfte entlastete und ihre Angehörigen waren überwiegend keine Mitglieder der SA. Die Angehörigen dieser SA-Wehrmannschaften wurden aus zurückgestellten Wehrpflichtigen gebildet, die hauptsächlich von ehemaligen Stahlhelm-Angehörigen ausgebildet wurden. Bis April 1940 durchliefen noch einmal 1,5 Millionen Wehrpflichtige in den SA-Wehrmannschaften, von denen die Mehrheit schon in der Hitlerjugend eine vormilitärische Ausbildung durch die SS bekommen hatten.

Kampfeinsätze während des Zweiten Weltkrieges Bearbeiten

Der Dienst in den SA-Wehrmannschaften war freiwillig und galt als völlig unpolitisch. So waren denn auch reine Kampfeinsätze der SA-Wehrmannschaften selten. Vor allem in der zweiten Kriegshälfte wurden diese verstärkt zu Einsätzen nach Bombenangriffen in Wohn- und Industriegebieten gerufen. Als sogenannte SA-Stürme z. b. V. oder als SA-Einsatzstürme wurden Angehörige der Wehrmannschaften bei Aufräum- und Bergungsarbeiten eingesetzt.

Doch im April 1941 waren Teile der SA-Wehrmannschaften in Österreich für sogenannte Bandenkampfeinsätze ins nördliche Jugoslawien abberufen worden, wo sie im Kampf gegen die slowenische Partisanen eingesetzt wurden und ihren Tätigkeitsbereich in der Steiermark, Kärnten und der Oberkrain hatten.

In Berlin wurden ab 1943 begonnen, die SA-Wehrmannschaften zu kasernieren, um diese im Einsatzfall vollständig zur Verfügung zu haben.

Ab 1944 wurde die Sturmabteilung aktiv in die Landesverteidigung des Reiches eingebunden und galt offiziell als Hilfstruppe der Wehrmacht. Im Oktober des gleichen Jahres wurden die SA und die SA-Wehrmannschaften mit Zivilisten zum Deutschen Volkssturm zusammengefasst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die SA-Wehrmannschaften zusammen mit der SA verboten. In den anschließenden Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurden die SA-Wehrmannschaften als integraler Teil der Gesamt-SA als nicht verbrecherisch eingestuft.

Literatur Bearbeiten

  • Peter Longerich: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA, Verlag C. H, Beck München 1989, ISBN 3-406-33624-8
  • Christian Zentner, Friedemann Bedürftig (Hrsg.): Das Große Lexikon des Dritten Reiches. Südwest Verlag, München 1985, ISBN 3-517-00834-6.
  • David Littlejohn: The SA 1935—45: Hitler's Stormtroopers, Osprey Publishing 1990, ISBN 978-0-85045-944-9


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