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SA-Wehrmannschaften
Flag of the NSDAP (1920–1945)
Motto Alles für Deutschland
Gründungsdatum 19. Januar 1939
Truppenstärke etwa 400 000
Kommandosprache Deutsch
Weitere Informationen

SA-Wehrmannschaften pl., politisch, paramilitärisch. Offizielle Bezeichnung der nach dem 19. Januar 1939 durch Führerbefehl Adolf Hitlers (1889–1945) aufgestellten Wehrverbände, die ausbildungstechnisch und organisatorisch der Allgemeinen-SA unterstellt wurden.

Für Mitglieder der NSDAP im wehrpflichtigen Alter war eine Dienstzeitverpflichtung zur Ableistung des sogenannten SA-Wehrdienstes vorgeschrieben, der in den kasernierten SA-Wehrmannschaften abzuleisten war:

[…] das der Dienst in den Wehrmannschaften nicht freiwillig ist, sondern dass hierzu gesetzlicher Zwang besteht. —   Oberste SA-Führung (Hrsg.) in: „Der SA-Führer“, April 1939

[…] Die Zugehörigkeit zu den Wehrmannschaften zu den Wehrmannschaften ist für Wehrpflichtige d. B. Pflicht. —   Der Stabschef SA in: „Richtlinien für die vor- und nachmilitärische Wehrerziehung“, veröffentlicht am 27. Mai 1939

Die SA-Wehrmannschaften waren von Anfang an vorgesehen, im II. Weltkrieg (1939–1945) in Bereichen der Heimatverteidigung eingesetzt zu werden. Gegen Ende des Krieges umfassten diese Wehrmannschaften rund 400 000 Angehörige, die ab Oktober/November 1944 im Deutschen Volkssturm eingebunden wurden. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht galt der SA-Dienst allgemein als freiwillig und apolitisch.[1]

SA-Wehrsportgemeinschaften Bearbeiten

SA-Wehrsportgemeinschaften, auch SA-Wehrsport-Gemeinschaften, war der Name jener Institutionen, die die wehrpflichtigen Hitlerjungen auf ihren Dienst in den SA-Wehrmannschaften vorbereiten sollten. Dort wurde die in der HJ vorgenommene vormilitärische Ausbildung intensiviert. Darüber hinaus waren ehemalige Wehrmachtsangehörige verpflichtet, diesen Wehrsportgemeinschaften beizutreten, um dort ihre militärischen Kenntnisse zu vertiefen oder aufzufrischen, sodass sie jederzeit (und ohne zeitaufwendige Ableistung von Reserveübungen) wieder für den aktiven Wehrdienst reaktiviert werden konnten. Daher trat nun verstärkt im SA-Dienst Wehrsport und andere Formen der vor- und nachmilitärischen Ausbildung in den Vordergrund.

Bis zum 1. September 1939 durchliefen etwa eineinhalb Millionen Wehrpflichtige die militärische Vorbereitungszeit in den Wehrsportgemeinschaften.[1]

SA-Wehrdienst Bearbeiten

Grundsätzliches Bearbeiten

SA-Wehrdienst, auch SA-Wehrmannschaftsdienstpflicht, war ab Oktober 1939 die offizielle Bezeichnung für die Ausbildung und Einsätze der SA-Wehrmannschaften. Dort fand die vor- und nachmilitärischen Schulungen der Hitlerjungen und ehemaligen Soldaten statt, sofern sich nicht einer „Sonderausbildung“ in der Allgemeinen-SS, dem Nationalsozialistischen Fliegerkorps oder im Nationalsozialistischen Kraftfahr-Korps zugeteilt waren. Im Wehrdienst sollte die körperliche Leistungsfähigkeit und die in der Hitlerjugend, der Deutschen Wehrmacht oder der SS-Verfügungstruppe (Waffen-SS) stetig gefördert und die Geländegewandtheit und die Schießerfahrung ausgebaut oder erhalten werden.

Zusammenarbeit mit der Wehrmacht Bearbeiten

Organisatorisch galten die SA-Wehrmannschaften, und mit ihnen die Wehrsportgemeinschaften, als Gliederung der Gesamt-SA und der dort geleistete Dienst als Ableistung des SA-Dienstes. Doch durch die enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Wehrmacht sollte erreicht werden, dass der SA-Wehrmann eine militärische Ausbildung im Verbund mit der Ideologie der NSDAP erfuhr:

[…] Indem die SA. nun Trägerin der vor- und nachmilitärischen Erziehung wird, verlieren ihren alten weltanschaulichen und sozialistischen Aufgaben nicht an Gültigkeit. In den Wehrmannschaften der SA. werden deutlicher, stärker und umfassender als bisheriges wehrbereites Soldatentum und politisches Kämpfertum einander durchdringen und die innere und äußere für den Bestand von Bewegung und Wehrmacht wird eine eine neue Bürgschaft für den Bestand des nationalsozialistischen Reiches sein. —   Kurt Reich in: „Die SA.“, veröffentlicht in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 26. Januar 1939

Vormilitärische Ausbildung Bearbeiten

Jeder Deutsche ab dem vollendeten 17. Lebensjahres besaß seit Ende Januar 1939 die „moralische Pflicht“, das SA-Wehrabzeichen zu erwerben und dieses jährlich zu erneuern, um so seine körperliche Gesundheit und Wehrbereitschaft zu dokumentieren. Daher musste in der HJ jeder Hitlerjunge ab dem vollendeten 16. Lebensjahres auf den Erwerb des ehemaligen „SA-Sportabzeichens“ vorbereitet werden, dessen Ausführungsbestimmungen vom Stabschef der SA gemäß hitlerischen Führerbefehls festgelegt wurden.
Im Rahmen dieser „Wehrerziehung“ hatte die vormilitärische Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus zu erfolgen, was bedeutete, dass die Teilnehmer politisch-ideologisch indoktriniert wurden.

Nachmilitärische Ausbildung Bearbeiten

Der Führerbefehl vom 19. Januar 1939 besagte in seinen Ausführungen, dass in den SA-Wehrmannschaften die „aus dem aktiven Wehrdienst ehrenvoll ausscheidenden und dienstfähigen Soldaten“ zusammengeschlossen werden würden, die um „Wehrpflichtige des Beurlaubenstandes“ ergänzt würden. Daher sei der SA-Wehrdienst gleichberechtigt mit der Jugenddienstpflicht, der Arbeitspflicht und der Wehrpflicht. Daher sollte der SA-Wehrdienst auch alle männlichen deutschen Staatsangehörigen umfassen.

Der SA-Wehrdienst müsse die bisherigen Erfolge, welche HJ, der vormilitärische SA-Wehrdienst, der Dienst im Reichsarbeitsdienst und in der Wehrmacht erbracht hätten, beim SA-Wehrmann sicherstellen. Dieser sollte nicht die Fähigkeit verlieren, im Feld „geländegängig“ und allzeit „wehrbereit“ zu sein. Damit gedachte das NS-Regime, jene Zustände zu verhindern, die das Deutsche Reich zwischen 1870 und 1914 geprägt hatten, als die Reservisten des Heeres und der Marine das in ihren Einheiten militärisch gelernte schnell vergaßen und im Kriegsfall durch kostspielige Neuausbildung wieder reaktiviert werden mussten.

Uniformierung Bearbeiten

SA-Wehrmannschafts-Dienstanzug, offzielle Bezeichnung der Dienstbekleidung, wie sie in den SA-Wehrmannschaften getragen wurde. Dieser Dienstanzug bestand aus einem graubraunen Tuchrock mit offenen Kragen, der im Stil der Waffen-SS geschnitten war. Zu diesem wurden zwei Schulterklappen ohne Abzeichen getragen, deren Paspelierung an den Rändern auf die Waffengattung hinwies: Weiß für die Verwendung im Heer, dunkelblau für die entsprechende Verwendung in der Kriegsmarine und gelb für die Luftwaffe. Alternativ konnte auch eine Feldbluse im Stil der Waffen-SS verwendet werden, der über einen geschlossenen Kragen verfügte. Am linken Oberarm wurde die Hakenkreuzarmbinde der SA getragen. Auch wurden in den Wehrmannschaften die Dienstgradspiegel der SA verwendet, der Einheitsspiegel auf der rechten Kragenseite konnte leer bleiben oder Einheitsbezeichnungen im SA-Stil tragen.
Zum Rock konnten graubraune Winterhosen und knöchelhohe schwarze Stiefeletten oder gleichfarbene Stiefelhosen mit schwarzen Schaftstiefel getragen werden. Komplettiert wurde der Dienstanzug mit der sogenannten SA-Lagermütze im Schiffchenschnitt, die auf der Vorderseite die Kokarde mit dem SA-Emblem und an der Seite ein schwarzes Dreieck mit dem Hoheitszeichen der NSDAP angebracht war. Farbe der Mütze war ebenfalls graubraun. Zum Dienstanzug wurde auch ein braunes Koppel mit SA-Kastenschloss getragen. Ein Schulterriemen wurde nicht mehr verwendet.[2][3]

Im Kampfeinsatz wurde der deutsche Stahlhelm Modell 1942 verwendet, der über eine matte graubraune Lackierung verfügte. Aber auch die in der Wehrmacht übliche Feldmütze wurde in den SA-Wehrmannschaften verwendet, die aus einem graubraunen Tuch gefertigt war. Die Wehrmannschaftsgruppe Steiermark verwendete anstelle der Hakenkreuzarmbinde auch eine Armbinde in den Landesfarben (weiß-grün) mit dem steirischen Panther in Schwarz in einem weißen Spiegel.[3]

Chronik Bearbeiten

1939–1941 Bearbeiten

Wie bereits erwähnt erfolgte am 19. Januar 1939 ein Führerbefehl Adolf Hitlers, mit dem dieser festlegte, dass die Allgemeine-SA nunmehr verstärkt in die vor- und nachmilitärische Ausbildung aller Wehrpflichtigen zuständig sei. Damit erhielt die SA nach dem sogenannten Röhmputsch des Sommers 1934 wieder eine Monopolstellung innerhalb der NS-Kampfverbände. Doch enthielt dieser Befehl auch Einschränkungen:

In Erweiterung meiner Erlasse vom 15. Februar 1935 und 18. März 1937 über den Erwerb des SA-Sportabzeichens und die jährlichen Wiederholungsübungen erhebe ich das SA-Sportabzeichen zum SA-Wehrabzeichen und mache es zur Grundlage der vor- und nachmilitärischen Wehrerziehung. Zum Träger dieser Ausbildung bestimme ich die SA. […] Die aus dem aktiven Wehrdienst ehrenvoll ausscheidenden und dienstfähigen Soldaten sind zur Erhaltung ihrer geistigen und körperlichen Kräfte in Wehrmannschaften einzureihen und der SA anzugliedern, sofern sie nicht anderen Gliederungen der Partei (SS, NSKK, NSFK) zur Sonderausbildung zugewiesen werden und in diesen ihre Wehrertüchtigung auf der Grundlage des SA-Wehrabzeichens erfahren. Den Erfordernissen der Wehrmacht ist in Gliederung und Ausbildung Rechnung zu tragen. […] —   Adolf Hitler in: „Erlass vom 19. Januar 1939 über die vor- und nachmilitärische Wehrerziehung durch die SA“

Für diesen Zweck wurden vonseiten der Allgemeinen-SA sogenannte SA-Wehrsportgemeinschaften aufgestellt, in denen bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges rund eineinhalb Million „Volksgenossen“ vorbereitet wurden. Hitler kam mit diesem Führerbefehl seinem Ziel näher, dass jeder Volksgenosse vom Kindes- bis zum hohen Mannesalter über die Angehörigkeit zum Deutschen Jungvolk über die Hitlerjugend und dem Reichsarbeitsdienst sowie dem Wehrdienst in der Wehrmacht im paramilitärischen NS-System verbunden blieb, da er nach dem Wehrdienst wieder in die Gliederungen der Partei zurückkehrte.

Der Knabe, er wird eintreten in das Jungvolk, und der Pimpf, er wird kommen zur Hitlerjugend und der Junge der Hitlerjugend, er wird einrücken in die SA, in die SS und die anderen Verbände, und die SA-Männer und die SS-Männer werden eines Tages einrücken zum Arbeitsdienst und von dort zur Armee, und der Soldat des Volkes wird zurückkehren wieder in die Organisation der Bewegung, der Partei, in SA und SS, und niemals mehr wird unser Volk dann so verkommen, wie es leider einst verkommen war. —   Adolf Hitler in seiner Rede auf dem NSDAP-Reichsparteitag 1935 in Nürnberg.

Am 1. September 1939, fast acht Monate nach dem Führerbefehl über die Aufstellung der SA-Wehrsportgemeinschaften begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der II. Weltkrieg. Dieser Krieg hatte einen wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklungsgeschichte der SA-Wehrsportgemeinschaften: Etwa sechzig Prozent der Angehörigen der Allgemeinen-SA und etwa achtzig Prozent ihrer Führer wurden nun zur Wehrmacht eingezogen, und damit wurden im Oktober 1939 alle weiteren Ausbildungspläne der Wehrsportgemeinschaften auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Im Weichselkorridor entstanden kurz nach Kriegsbeginn unter den dortigen Grenzland- und Volksdeutschen kurzlebe Freikorps, die von SA-Führern befehligt und wie leichte Infanterieregimenter geführt wurden.
Im Oktober 1939 erfolgte die reguläre Aufstellung der SA-Wehrmannschaften infolge der Reorganisation der bisherigen Wehrsportgemeinschaften. Deren militärischen Ausbilder wurden die an der sogenannten Heimatfront verbliebenen älteren Jahrgänge der Allgemeinen-SA. Die Wehrmannschaften wurden organisatorisch den drei Wehrmachtsteilen (Heer, Kriegsmarine, Luftwaffe) sowie dem Stab der Obersten SA-Führung zugeordnet. Als Kombattanten des Weltkrieges übernahmen sie nun verstärkt Sicherungsaufgaben und hilfspolizeiliche Tätigkeiten, wodurch bei Polizei und Wehrmacht weitere Kräfte für den Fronteinsatz abgezogen werden konnten.

Das Gros der SA-Wehrmannschaften gehörte nicht der SA an. Vielmehr wurde dieses zumeist aus zurückgestellten Wehrpflichtigen gebildet, deren militärische Ausbildung von ehemaligen Angehörigen des Stahlhelmbundes vorgenommen wurde. Und bis April 1940 durchliefen etwa noch einmal eineinhalb Millionen die vormilitärische Ausbildung in den Wehrmannschaften, von denen die Mehrheit bereits in der HJ eine solche erfahren hatte.

Reine Kampfeinsätze der SA-Wehrmannschaften waren bis 1941 sehr selten. Doch vor allem in der zweiten Kriegshälfte wurden sie verstärkt zu Einsätzen in Wohn- und Industriegebieten gerufen: Dort agierten sie nach Bombenangriffen als SA-Stürme zur besonderen Verfügung oder als sogenannte SA-Einsatzstürme und wurden bei Aufräumungs- und Bergungsarbeiten eingesetzt.

1941–1945 Bearbeiten

Im April 1941 wurden in der sogenannten „Ostmark“ Teile der dortigen SA-Wehrmannschaften für sogenannte Bandenkampfeinsätze im nördlichen Jugoslawien abberufen, wo sie im Kampf gegen slowenische Partisanen eingesetzt wurden, nachdem diese Terrorakte in der Steiermark und Kärnten sowie in der Oberkrain durchgeführt hatten. In der Reichshauptstadt Berlin wurde begonnen, die SA-Wehrmannschaften ab 1943 zu kasernieren, um diese im Ernstfall vollständig zur Verfügung zu haben.

Ab Sommer 1944 wurden die Gesamt-SA und die SA-Wehrmannschaften verstärkt zu sogenannten Wehr- und Einsatzstürmen der NSDAP herangezogen und aktiv in die Landesverteidigung einbezogen. Doch offiziell waren diese Stürme nicht, da deren Aufstellung nicht mit der Reichsleitung der NSDAP abgesprochen war. Doch viele der lokalen Gauleiter der Partei waren auch Reichsstatthalter, denen bereits 1939 die Funktion eines „Reichsverteidiungskommissars“ verliehen worden war. Im Oktober gleichen Jahres wurden die Allgemeine-SA und die SA-Wehrmannschaften zusammen mit Zivilisten und Hitlerjungen zum Deutschen Volkssturm zusammengefasst, der schlecht ausgebildet und bewaffnet war. Dieser Volkssturm war de facto letzte Aufgebot hitlerischer Machtpolitik, die gänzlich gescheitert war.

1945–1946 Bearbeiten

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurden die SA-Wehrmannschaften entwaffnet und zusammen mit der NSDAP und deren Gliederungen (SA, SS, HJ) verboten. Als integraler Teil der Gesamt-SA wurden sie in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen als nicht verbrecherisch eingestuft.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 Das große Lexikon des Dritten Reiches, S. 570
  2. Francis Cattella: Le N.S.D.A.P – Uniformologie & Organigramme, S. 68
  3. 3,0 3,1 David Littlejohn: The SA 1921–45. Hitler's Stormtroopers, S. 34, Abb. H