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Bundesarchiv Bild 101III-Zschaeckel-195-21, Otto Kumm.jpg

Otto Kumm im Rang eines SS-Obersturmbannführers

Otto Kumm (* 1. Oktober 1909 in Hamburg; † 23. März 2004 in Offenburg) war ein deutscher Offizier der Waffen-SS. Dort erreichte er den Dienstgrad eines Generalleutnants.

Leben Bearbeiten

Frühzeit Bearbeiten

Otto Kumm wurde 1909 in Hamburg als fünftes und jüngstes Kind des Kaufmanns Eduard Kumm und dessen Ehefrau Frieda, geb. Block geboren. In der Zeit zwischen dem 1. April 1916 und dem 31. März 1925 besuchte er die Oberrealschule in Hamburg-Hamm. Nach dem Erreichen der Obersekundarreife begann Kumm eine Ausbildung beim Hamburger Abendblatt, wo er zwischen dem 1. April 1925 und dem 31. März 1929 zum Schriftsetzer ausgebildet wurde und die er als Bester abschloss. Am 1. April 1925 trat er einem Pfadfinderkorps bei, dem er genau ein Jahr angehörte.

Kontakte zu "völkischen Kreisen" und Beitritt zur NSDAP Bearbeiten

Am 1. April 1926 wurde Kumm in Hamburg Schriftsetzergehilfe und trat am gleichem Tag dem "Wehrwolf", einer völkischen Organisation als Mitglied bei. Im März 1930 kündigte er seine Stelle und ging von April bis Oktober 1930 auf Wanderschaft, wo Kumm sich bei verschiedenen Betrieben verdingte. Im Oktober 1930 wurde Kumm als Schriftsetzergehilfe wieder beim Hamburger Abendblatt eingestellt, wo er bis zum November 1933 verblieb.

Otto Kumm stellte am 1. Dezember 1930 seinen Aufnahmeantrag in die NSDAP. Er wurde mit Mitgliedsnummer 421.230 aufgenommen und trat bereits am 1. Februar 1931 in die SA ein.[1] Dort gehörte er dem Hamburger SA-Sturm 25 an.

Übertritt zur SS Bearbeiten

Kumm war Teilnehmer des SA-Treffen in Braunschweig (18./19. Oktober 1931) und bat im Anschluss daran um seine Entlassung aus der SA, da er zur SS überzuwechseln wollte. So wurde er schließlich am 30. November 1931 aus der SA offiziell entlassen und Kumm trat am 19. Dezember des gleichen Jahres zur SS (SS-Nr. 18.727) über[1] und wurde dort in einer Direktbeförderung durch Heinrich Himmler zum SS-Scharführer befördert. In der SS wurde Kumm zuerst im Hamburger SS-Sturm 1/I/28[2] eingesetzt, dem er zwischen dem 19. Dezember 1931 und dem 1. April 1932 angehörte. Zwischen dem 1. April 1932 und dem 15. Oktober 1933 war Kumm Angehöriger des SS-Sturms 5/I/28, wo er am 1. Mai 1933 zum SS-Truppführer befördert wurde. Seine nächste Beförderung zum SS-Obertruppführer erhielt Kumm bereits am 9. November des gleichen Jahres, als er nun als sogenannter "hauptamtlicher SS-Führer" in die SS aufgenommen wurde. So kündigte Kumm seine Stelle beim Hamburger Abendblatt, nach dem er sich zuvor sechs Monate beurlauben hatte lassen.

Aufbau der SS-Verfügungstruppe Bearbeiten

Nach dem Kumm nun fest in die Organisationsstruktur der SS übernommen wurde, wurde er weiterhin im SS-Sturm 5/I/28 eingesetzt. Diesem gehörte er bis zum 15. Oktober 1933 an.

Am 10. Februar 1934 wurde Kumm von Himmler beauftragt, die Führung des SS-Sturmbannes III/28 in Hamburg zu übernehmen und er wurde dort am 15. Februar 1934 zum SS-Sturmführer befördert. Bereits am 12. August des gleichen Jahres wurde Kumm zum SS-Obersturmführer befördert und zur "Politischen Bereitschaft Hamburg" versetzt. Dort wurde er als Kommandant des 3. Sturms eingesetzt. Am 1. Oktober 1934 wurde Kumm jedoch wieder in die Allgemeine SS versetzt und mit der Führung der 39. SS-Standarte (Köslin) beauftragt. Doch bereits am 31. Oktober des gleichen Jahres wurde er in entstehende SS-Verfügungstruppe zurückversetzt. Dort wurde Kumm in Hamburg als Zugführer im 3. Sturm der neuen SS-Standarte 2 "Germania" eingesetzt. Zwischen dem 11. Februar und 17. Mai 1935 wurde er mit der Führung des 4. (MG-)Sturms der SS-Standarte "Germania" eingesetzt. Otto Kumm wurde am 17. Mai 1935 aus der Allgemeinen SS entlassen und dauerhaft der SS-Verfügungstruppe als Offizier zugewiesen.

Spätere Karriere in der Waffen-SS Bearbeiten

Mit seiner Übernahme in den aktiven Dienst in SS-Verfügungstruppe wurde Kumm das Kommando über den 4. (MG-)Sturm in der "Germania" übertragen und er nahm zwischen dem 1. und 31. Juli 1935 an einem Kompanieführer-Lehrgang an der Infanterieschule Döberitz teil. Bereits in der Zeit zwischen Februar und März 1936 war Kumm Lehrgangsteilnehmer eines sechswöchigen Offizierlehrgangs an der SS-Reit- und Fahrschule in Forst. Am 13. September 1936 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert und zwischen dem 10. Dezember 1936 und dem 1. Mai 1937 war Kommandant des 6. Sturms in der SS-Standarte 1 "Deutschland". Dort durchlief Otto Kumm bis zum Mai 1938 mehrere Posten.

Am 29. Januar 1938 heiratet Kumm seine langjährige Verlobte Ilse Husfeld und wird am 20. März zur neuaufzustellenden SS-Standarte 3 "Der Führer" nach Klagenfurt versetzt und mit der Bildung und Führung des 10. Sturms beauftragt. Diesem gehörte er vom 1. Mai bis zum 1. November 1938 an. Anschließend übernahm Kumm das Kommando über den 12. Sturm.

Mit seiner Einheit nahm Kumm am deutschen Einmarsch in Polen teil (1. September 1939). Zwischen dem 10. April und dem 1. Mai 1940 war er Teilnehmer eines Bataillonsführer-Lehrganges in Königsbrück.

Nach der schweren Verwundung Hilmar Wäckerles übernahm Otto Kumm zwischen dem 13. Mai und 4. Juni 1940 das stellvertretende Kommando über den III. Sturmbann. Am 4. Juni 1940 gab Kumm sein Kommando über den 12. Sturm ab und übernahm das Kommando über den III. Sturmbann der SS-Standarte "Der Führer", da Wäckerle am 2. Juni 1940 seinen Verletzungen erlegen war. Am 1. September 1940 wurde Kumm zum SS-Obersturmbannführer der Waffen-SS befördert.

In der Zeit zwischen dem 4. Juni 1940 und dem 20. April 1941 wurde dieser mit der SS-Division "Reich" (mot.) an verschiedenen Fronten eingesetzt. So war Kumm Teil des Westfeldzuges und am Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande, dem Balkan (bis Belgrad) und in die Sowjetunion (bis Raum Mogilew) beteiligt. Am 8. Juni 1940 wurde Kumm verwundet und am 1. September 1940 erfolgte seine Beförderung zum SS-Sturmbannführer der Waffen-SS.

Am 20. April 1941 übernahm Kumm das Kommando über das SS-Regiment (mot.) "Der Führer" und löste damit Georg Keppler ab. Der Divisionskommandant Wilhelm Bittrich schlug ihn am gleichen Tag für die Verleihung des Ritterkreuzes vor. Am 1. Oktober 1941 erhielt Kumm die Beförderung zum SS-Obersturmbannführer der Waffen-SS. Das SS-Regiment "Der Führer" unter Kumm sollte ab Januar 1942 in der Schlacht von Rschew eine dünne Barriere, die eine Verbindung mit benachbarten Heeresverbänden sicherte, halten. Von den 2.000 SS-Soldaten, die Kumm ursprünglich unterstellt waren, überlebten nur 35.[3]

Bundesarchiv Bild 101III-Zschaeckel-197-32, Russland, Waffen-SS-Männer mit Ritterkreuz.jpg

v.l.n.r. Sylvester Stadler, Hans Weiß, Christian Tychsen, Otto Kumm, Vinzenz Kaiser und Karl-Heinz Worthmann in der Sowjetunion (April 1943)

Nach diversen Kampfeinsätzen als Regimentskommandant bildete Kumm im März 1943 die "SS-Kampfgruppe Kumm" und nahm an den Kämpfen um Charkow teil. Im Anschluss daran gab er das Kommando über das Regiment "Das Führer" an Sylvester Stadler ab und Kumm wurde nach Berlin berufen, wo er am 20. April 1943 zum SS-Standartenführer der Waffen-SS befördert und durch Walter Krüger das vorläufige Besitzzeugnis für das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgehändigt bekam.

Einsätze in Südosteuropa Bearbeiten

Zwischen dem 1. Mai und 8. Juli 1943 befand sich Kumm auf dem Truppenübungsplatz Milowitz bei Prag und wurde dort als Chef des Stabes des in Aufstellung befindlichen V. SS-Gebirgs-Korps unter Artur Phleps eingesetzt. Während eines Kurzurlaubes händigte ihm Adolf Hitler persönlich am 20. Mai des gleichen Jahres im Führerhauptquartier das Eichenlaub zum Ritterkreuz aus.

Ab dem 8. Juli 1943 nahm Kumm als Chef des Stabes bis zum 17. Januar 1944 an den verschiedenen Einsätzen der späteren 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division "Prinz Eugen" teil, die an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war. Kumm nahm in der Zeit zwischen Dezember 1943 und Januar 1944 an zahlreichen "Bandenkampfunternehmen", den Aktionen "Kugelblitz", "Schneesturm", "Napfkuchen" und "Waldrausch", in Bosnien teil, die gegen die jugoslawische Volksbefreiungsarmee unter Josip Broz Tito geführt wurden.

Vom 30. Januar 1944 bis zum 20. Januar 1945 übernahm Kumm das Kommando über die Gebirgs-Division "Prinz Eugen", wo er am 28. April 1944 mit Wirkung zum 30. Januar 1944 zum SS-Oberführer der Waffen-SS ernannt wurde. Zwischen dem 5. Februar und dem 28. März 1944 hatte Kumm die Befehlsgewalt über die sogenannten "Sühnemaßnahmen" an der Zivilbevölkerung in Otok bei Sinj (in der Nähe von Split), die vom SS-Sturmbannführer Bernhard Dietsche durchgeführt werden. Nach deren Abschluss stellt ihm Phleps am 17. Juni 1944 eine ausgezeichnete Beurteilung aus, die Kumm als eine "ausgesprochene soldatische Persönlichkeit" bescheinigt.

Kriegsende Bearbeiten

Am 21. November 1944 erhielt Kumm mit Wirkung zum 9. November seine Beförderung zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. Als solcher wurde er am 20. Januar 1945 aus der "Prinz Eugen" abgezogen und als Divisionskommandant bei "Das Reich" eingesetzt. Sein Nachfolger in der "Prinz Eugen" wurde SS-Oberführer August Schmidhuber. In der SS-Division "Das Reich" verblieb Kumm nur bis zum 6. Februar 1945 und wurde dann zur 1. SS-Panzerdivision "Adolf Hitler" versetzt, wo er am 15. Februar die Befehlsgewalt übernahm. Vom 6. bis zum 16. März 1945 nahm Otto Kumm als Kommandeur der LSSAH an der "Operation Frühlingserwachen" teil, der letzten größeren deutschen Offensive des Zweiten Weltkriegs im Bereich des Plattensees, welche u.a. die dortigen Ölquellen und Treibstoffreserven für die deutsche Kriegswirtschaft sichern sollte. Trotz anfänglicher Geländegewinne blieb die Operation erfolglos. Die 6. SS-Panzerarmee unter Sepp Dietrich und die LSSAH unter Otto Kumm mussten sich in Richtung Wien zurückziehen.

Nachkriegszeit Bearbeiten

Am 8. Mai 1945 kapitulierte Kumm im Raum Steyr und begab sich in US-Kriegsgefangenschaft. Er wurde in das Internierungslager Dachau der US-Armee überstellt. Am 14. Oktober 1947 entzieht sich Kumm seiner Auslieferung an Jugoslawien durch Flucht.

Die erste Nachkriegszeit bestritt Kumm als Kunstmaler. Im Mai 1950 wurde er Initiator und Mitbegründer der "HIAG" in Hamburg, aus dem etwas später der Bundesverband hervorgeht. In dieser Organisation der ehemaligen SS-Soldaten wurde Kumm Landessprecher für Hamburg und gründete die Zeitung "Der Ausweg" als deren Sprachrohr, für die er als Herausgeber fungierte.

1951 erhielt Kumm vom damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher eine Einladung, zu einem gemeinsamen Gespräch mit ihm sowie Herbert Wehner und Annemarie Renger. In der Zeit zwischen 1952 und 1975 arbeitete Kumm in der Druckerei des Burda-Verlages in Offenbach als Schriftsetzer und Technischer Leiter. Am 28. Februar 1972 war er Teilnehmer auf der Beerdigung Paul Haussers und hielt in Ludwigsburg die Trauerrede.

1975 ging Kumm in den Ruhestand und war zwischen 1979 und 1992 Ehrenvorsitzender der HIAG. 1979 wurde er ebenfalls im "Kameradschaftsverband der Soldaten des I. SS-Panzerkorps der ehemaligen Waffen-SS e. V." im "Verband Deutscher Soldaten e. V."

In den Jahren 1978 und 1983 schrieb Kumm zwei Bücher über die Geschichte der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division "Prinz Eugen", die den Titel Vorwärts Prinz Eugen! Geschichte der 7. SS-Freiwilligendivision 'Prinz Eugen' und 7. SS-Gebirgsdivision 'Prinz Eugen' im Bild trugen und in denen die Kriegsverbrechen und Greueltaten der Division bewusst ausgeklammert wurden.

1992 kam der Bundesverband der HIAG einem Verbot durch Selbstauflösung zuvor. Doch dessen Landesverbände blieben weiterhin bestehen. So war Kumm bis zu seinem Tod am 23. März 2004 weiterhin Mitglied der "Truppenkameradschaft der ehemaligen Soldaten der Division 'Das Reich', in dem er mehrere Jahre den Vorsitz innehatte.

Auszeichnungen Bearbeiten

Schriften Bearbeiten

  • Otto Kumm: Vorwärts Prinz Eugen! Geschichte der 7.SS-Freiwilligen Gebirgs Division "Prinz Eugen", Munin-Verlag, Osnabrück 1978.
  • Otto Kumm: 7. SS-Gebirgs-Division "Prinz Eugen" im Bild. Munin-Verlag, Osnabrück 1983.

Fußnoten Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 "Der SA- und der SS-Eintritt Kumms wird unterschiedlich angegeben. So wird in Dokumenten seiner SS-Personalakte der SA-Eintritt mit den Daten September 1930, Dezember 1930 und 1. Februar 1932 verzeichnet. Im handschriftlichen Lebenslauf zum Fragebogen des Rasse- und Siedlungshauptamtes gab Kumm an, der SA zwischen Februar und November 1931 angehört zu haben. Auch der SS-Eintritt Kumms ist in seinen SS-Unterlagen widersprüchlich angegeben. So werden in seiner SS-Personalakte zum einen der 1. Dezember und zum anderen der 19. Dezember 1931 aufgeführt. In seiner SS-Stammrolle und in der SS-Stammkarte wird der 19. Dezember 1931 verzeichnet, während Kumm selbst den 1. Dezember als Eintrittsdatum angab. Vermutlich wurde Kumm am 19. Dezember 1931 rückwirkend zum 1. Dezember in die SS aufgenommen." (Quelle: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei, Band 2, S. 649)
  2. 5/I/28 = 5. Sturm im ersten Sturmbann der SS-Standarte 28
  3. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. In: DER SPIEGEL 6/1967
  4. Es herrschen über das Verleihungsdatum widersprüchliche Daten. So werden auch der 29. November 1941 und in Kumms SS-Personalakte der 24. Dezember 1941 als Verleihungsdatum angegeben. Die bei Yerger im Kapitel 'Otto Kumm' abgebildete Verleihungsurkunde weist jedoch den 3. Dezember 1941 aus. (Quelle: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei, Band 2, S. 650
  5. Kumm wurde das 221. Eichenlaub verliehen.
  6. Die SS-Dienstauszeichnung in Silber wurde für eine 12-jährige Mitgliedschaft bzw. Dienstzeit bei der SS verliehen.
  7. Kumm wurde als 138. Soldat mit ihnen ausgezeichnet.

Literatur Bearbeiten

  • Otto Kumm. In: Andreas Schulz, Günter Wegmann, Dieter Zinke: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei. Band 2, Biblio Verlag, 2005, ISBN 3-7648-2592-8, S. 649–655.


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