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Brockhaus 1894 Deutsche Mundarten

Der niederdeutsche Raum innerhalb der festlandgermanischen Sprachen um 1894. In dieser Karte werden die niederländischen Dialekte den deutschen zugewiesen.

Niederdeutsches Sprachgebiet, auch niederdeutscher Sprachraum oder Niederdeutschland (umgangssprachlich), sprachwissenschaftlicher Oberbegriff jener Regionen Deutschlands, die sich nördlich der Benrather oder maken/machen-Linie befinden und sich überwiegend durch das Fehlen der Zweiten Lautverschiebung auszeichnen. Es setzt sich organisch in die Niederlande und in Belgien fort, wo es sich auf das niederfränkische und niedersächsische Dialektgebiet beschränkt. Letzte Ausläufer lassen sich sich mit dem Westhoek-Flämischen in Französisch-Flandern finden.

Das Übergangsgebiet zwischen dem Nieder- und dem Mitteldeutschen in den Niederlanden und Belgien zeichnet sich durch die Übernahme ripuarischer Spracheigenschaften aus, die in Folge der Kölner Expansion erfolgten. (→ Uerdinger Linie)

Im eigentlichen Sinne wird in der Germanistik unter dem Begriff niederdeutsches Sprachgebiet nur noch der Geltungsbereich des Plattdeutschen (West- und Ostniederdeutsch) und des Niederrheinischen (Niederfränkisch) verstanden.

Infolge des II. Weltkrieges (1939–1945) ging ein Großteil des niederdeutschen Sprachgebietes in den ehemaligen deutschen Ostgebieten verloren.

Gliederung (historisch) Bearbeiten

Niederfränkisch[1]
  • Südostniederländisch
Niedersächsisch
  • Westniederdeutsch
Ostniederdeutsch (Kolonial-Niedersächsisch)

Siehe auch Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. Die Zugehörigkeit des Niederländischen zum niederdeutschen Sprachgebiet aufgrund seines überwiegend niederfränkischen Charakters gilt heute allgemein als obsolet und war zwischen den 1960er und den 2000er Jahren innerhalb der Sprachwissenschaft umstritten. Heute wird in der Germanistik nur noch das Niederrheinische miteinbezogen. Dieses gilt als deutscher Dialekt, indes die anderen niederfränkischen Dialekte jenseits der deutsch-niederländischen Grenze sich als niederländische Dialekte begreifen.
  2. Stellt ein Übergangsgebiet zum Ripuarischenen dar, südlich der ik/ich-Linie, nördlich der maken/machen-Linie.
  3. Das Venloer Platt wird heute aus geografisch-politischen Gründen dem Limburgischen zugerechnet. Im eigentlichen Sinn stellt es einen Übergangsdialekt des brabantisch-geldrisch-kleverländischen Dialektgebietes dar.
  4. In der älteren Literatur zum Niederfränkischen gerechnet, da sich dieser Dialekt westlich der Einheitsplurallinie befindet. Heute aufgrund der geografischen Lage (nördlich der elopen/gelopen-Linie) zum Niedersächsischen gerechnet.
  5. Stellt ein Übergangsgebiet zum Thüringisch-Obersächsischen dar, südlich der maken/machen-Linie, nördlich der ik/ich-Linie.