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Nationalstaatsprinzip, politisches Schlagwort aus dem 19. Jahrhundert. Nach diesem sollten Über- sowie Unternationalstaaten vermieden werden. Vielmehr sollten bei Nationalstaaten die staatlichen als auch die sprachlichen Grenzen weitestgehend übereinstimmen.[1] Das hieß, dass sich die territoriale Grenze eines Nationalstaates nach der Sprachgrenze zu richten habe. Hinzu kam noch das Willensprinzip, das heißt, der Wille der betroffenen Bevölkerung, eine Nation zu sein.

Das Nationalstaatsprinzip in der Zeit des Nationalsozialismus Bearbeiten

Mit der Vereinigung des Dritten Reiches und der damaligen Republik Österreich auf der einen sowie die Eingliederung der Sudentendeutschen auf der anderen Seite, wurde das Nationalstaatsprinzip auf des deutschen Volkes völkerrechtlich vollzogen. Deutsche, Deutsch-Österreicher und Sudetendeutsche waren gewillt in einem einheitlichen Staat zu leben. Die politische Einheit zwischen der deutschen Republik und der Republik Deutsch-Österreich war schon im November 1918 von der jeweiligen politischen Schicht beschlossen worden und diese Entscheidung wurde auch durchweg auch von der Bevölkerung und den meisten Parteien getragen.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in das Nachbarland (13. März 1938), fanden Abstimmungen in beiden Ländern statt. Im sogenannten Altreich stimmten am 10. April 99,08  % der Bevölkerung für den Beitritt Österreichs zum deutschen Staat. In Österreich stimmten 99,73  % der Deutsch-Österreicher für diese. Die Wahlbeteiligung in beiden Ländern lag bei rund 99 %.

Ende September 1938 fand in München eine Konferenz statt, an deren Ende die Angliederung der geschlossenen deutschsprachigen Gebiete an das Dritte Reich beschlossen wurde. (Siehe auch Münchner Abkommen.) In der Zeit zwischen dem 1. und 10. Oktober wurden diese als Sudetenland bezeichnete Gebiete der deutschen Verwaltung unterstellt. Um der ganzen Sache eine völkerrechtliche Qualität zu geben, wurde in den entsprechenden Gebieten eine Volksabstimmung angesetzt. Die deutsche Propagandaindustrie wurde darauf angesetzt, ab dem 1. Dezember 1938 die deutschsprachigen Einwohner auf diese einzustimmen. Gleichermaßen waren auch die fast 194.000 tschechischsprachigen Bewohner, soweit sie nun im Oktober 1938 die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen oder diese beantragt hatten, aufgefordert, an der Abstimmung teilzunehmen. Die Abstimmung fand am 4. Dezember 1938 zusammen mit den Reichstagswahlen statt und es stimmte wiederum weit über 90 % der betroffenen Bevölkerung für den politischen Anschluss an das Dritte Reich. Es war die letzte völkerrechtliche Gebietserweiterung des deutschen Staates. Die Erklärung des Danziger Senates vom 1. September 1939, die den Freistaat Danzig mit sofortiger Wirkung zum Bestandteil des Großdeutschen Reiches machte, war bereits völkerrechtswidrig und daher unwirksam. Obgleich diese Erklärung und das darauf fußende Gesetz über die Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich dem Nationalstaatsprinzip entsprachen, wurde eine Abstimmung darüber bei der Bevölkerung nicht vollzogen. Damit konnte die Danziger Bevölkerung ihren Willen nicht völkerrechtlich bekunden, dass dieses Gesetz von ihr getragen wurde. Auch fand die Erklärung des Anschlusses während des entflammten Krieges zwischen dem Großdeutschen Reich und Polen statt. Somit gilt die am 31. August 1939 erreichte Ausdehnung des Ersteren rechtlich als Vollendung des deutschen Nationalstaatsprinzips.

Dennoch wurden zwischen 1938 und 1942 weitere Teile des deutschen Sprachgebietes dem Großdeutschen Reich angegliedert. So stand beispielsweise 1943 fast das gesamte deutsche Sprachgebiet unter der Kontrolle des Großdeutschen Reiches. Doch bei diesen völlig völkerrechtswidrigen Eingliederungen stand die betroffene deutschsprachige Bevölkerung diesem "Anschluss" auch mehrheitlich ablehnend gegenüber.

Das Nationalstaatsprinzip heute Bearbeiten

Als Ende der 1980er Jahre die Bundesrepublik Jugoslawien auseinanderfiel, wollten alle dort lebenden Nationen ihren Nationalstaat nach dem "Nationalstaatsprinzip". Erschwert wurden diese im Grunde legitimen Forderungen durch die Tatsache, dass die Nationen dort teilweise in Gemenglage lebten und sprachlich eng miteinander verwandt waren. So trennt bis auf Slowenen und Makedonier die jeweilige Religion die einstigen Jugoslawen. Von den Sprechern des Serbokroatischen wurden die Katholiken als "Kroaten", die Orthodoxen als "Serben" und die Muslime als "Bosniaken" oder sogenannte "ethnische Muslime" vereinnahmt. Um das Nationalstaatsprinzip dort durchzuführen, wurde in Jugoslawien ein blutiger Bürgerkrieg geführt. Aber auch in der arabischsprachigen Welt gibt es Organisationen, die die arabischsprachigen Völker in einen einheitlichen Staat organisieren wollen. Dass gleiche gilt in den Nachfolgerepubliken der einstigen Sowjetunion.

Siehe auch Bearbeiten

Fußnote Bearbeiten

  1. Das bis heute aktuelle Schlagwort zukünftiger Nationalstaaten ist: "Eine Sprache — ein Volk — ein Staat". Erstmalig im 19. Jahrhundert bei Italienern und Deutschen verwendet.

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