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Disambig-dark.svg Dieser Artikel behandelt die Entstehungsgeschichte des reichsdeutschen Nationalsozialismus und dessen ideologisch-politische Grundstruktur. Für seine aktive Anwendung bzw. Umsetzung und deren Folgen siehe die Artikel: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und (im weitesten Rahmen) nationalsozialistische Gewaltherrschaft.

Nationalsozialismus [naʦi̯oˈnaːlzoʦi̯aˌlɪsmʊs] sg., auch nationaler Sozialismus, (reichs)deutscher Nationalsozialismus, Substantiv, Maskulinum, ideologisch, politisch. Sammel- und Oberbegriff diverser ideologisch-politischer Strömungen, die einen nationalen, deutschen Sozialismus propagierten und die vor allem in Bayern ihren Anfang nahmen.
Um den deutschen Nationalsozialismus von der wesensverwandten Ideologie in Österreich unterscheiden zu können, wird vielmals auch vom Nationalsozialismus in Deutschland gesprochen. Dieser hatte seine Wurzeln in Österreich-Ungarn, genauer in der Österreichischen Reichshälfte („Deutschösterreich“), wo die österreichische Variante vor allem in den dortigen Grenzgebieten (Deutschböhmen, Böhmerwaldgau, Kärnten, Steiermark, Südtirol) ihre Schwerpunkte besaß. Vor allem über das spätere Sudetenland gelangte der Nationalsozialismus ins Deutsche Reich.

In Zeiten nationaler Krisen (1923 Hyperinflation, Ruhrbesetzung) hatten radikale Parteien wie der KPD und die NSDAP große Mitgliedergewinne zu verzeichnen. Während der Goldenen 20er-Jahre jedoch, als es der deutschen Wirtschaft und den meisten Deutschen gut ging, verlor vor allem rechte Parteien wie die NSDAP ihre bisherigen Wählerschichten, indes sie aber noch eine Vielzahl an Mitglieder gewinnen konnten.
Dieses änderte sich wieder mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise von 1929, die noch bis weit in die Mitte der 1930er Jahre hineinwirken sollte: Auf deren Zenit waren im Deutschen Reich rund sechs Millionen Menschen arbeitslos und unter den Betroffenen war sowohl die radikale Rechte wie die radikale Linke.

Heute steht der Begriff „Nationalsozialismus“ synonym für die zwischen 1933 und 1945 bestehende Gewalt- und Terrorherrschaft, die Europa in einen Weltkrieg stürzte.

Politische Ausrichtung Bearbeiten

1919–1921 Bearbeiten

Der ursprüngliche Nationalsozialismus in Deutschland sah sich als organischer Teil der völkischen Linken und wurde von der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) vertreten. Die nationalsozialistische Ideologie war zu jener Zeit noch stark von der in der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP) vertretenden Weltanschauung geprägt, die sich seit 1918 als „national-sozialistisch“ definierte. Zuvor trug auch jene Partei den Namen Deutsche Arbeiterpartei.

Die reichsdeutsche DAP definierte sich dem Zeitgeist entsprechend als national-sozialrevolutionär und antikapitalistisch sowie als deutschvölkisch-antisemitisch.

Mit dem Parteieintritt Adolf Hitlers (1889–1945) drängte sich ab 1920 dessen Parteiflügel ideologisch immer mehr in den Hintergrund, der sich zunehmend aus ehemaligen Frontsoldaten und Freikorpsmännern zusammensetzte („Hitler-Gruppe in der DAP“). Die Hitlergruppe definierte Sozialismus im frontsozialistischen Sinn, dass nämlich eine zu errichtende klassenlose Volksgemeinschaft nur durch Soldaten geführt werden könne. Der linke Parteiflügel unter Anton Drexler (1884–1942) und Karl Harrer (1890–1926) besaß mehr Gemeinsamkeiten mit den Nationalbolschewisten, die immer mehr in den Hintergrund traten.

Seit Dezember 1919 waren das Hakenkreuz und die schwarz-weiß-rot gehaltene Hakenkreuzfahne politische Symbole des deutschen Nationalsozialismus, die im August 1920 auch von den übrigen deutschsprachigen Nationalsozialisten übernommen werden. Im Februar 1920 kam es zur Einführung des 25-Punkte-Programms der NSDAP, das durch zahlreiche antisemitisch-völkische und sozialistische Positionen geprägt ist: Zurückdrängung der Juden aus Politik, Kultur und Gesellschaft, Wiedergewinnung der deutschen Kolonien, Brechung der Zinsknechtschaft und Sozialisierung von Staat und Gesellschaft.

1921–1926 Bearbeiten

Im Juli 1921 konnte Hitler durchsetzen, dass er zum Führer der NSDAP gewählt wurde und dass er diktatorische Befugnisse erhielt. Zudem sollte die Partei streng nach dem Führer- und Gefolgschaftsprinzip gegliedert werden. Dennoch blieben de facto bis 1926 basisdemokratische Tendenzen bestehen, da sich Hitlers Einflussbereich nur auf Süddeutschland, vor allem Bayern, konzentrierte. Die deutschen Reichsgebiete nördlich der Mainlinie unterstanden vor allem dem linken NSDAP-Flügel, der sich hauptsächlich aus ehemaligen Nationalbolschewiken und Deutschsozialisten rekrutierte. Vor 1922, dem Beitrittsjahr der DSP zur NSDAP, hatte die Hitlerpartei in Norddeutschland einen äußerst schweren Stand, da sie in vielen norddeutschen Ländern verboten war.

Nach einem gescheiterten Putschversuch (8./9. November 1923) wurde die NSDAP reichsweit verboten. Der deutsche Nationalsozialismus agierte nun in zahlreichen Ersatzorganisationen, die zum Teil untereinander feindlich gegenüberstanden, da Hitler während seiner Haftzeit auf alle Führungsansprüche verzichtet und die Führung der Nationalsozialisten regionalen Parteiführern überlassen hatte.
So agierte der Nationalsozialismus als politische Ideologie in Form des Völkischen Blocks, der Großdeutschen Volksgemeinschaft oder in der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung fort. Vor allem standen sich der deutschvölkisch-antisemitische Flügel unter Alfred Rosenberg (1893–1946) und Julius Streicher (1885–1946) und der deutschnational-rechtsnationale Flügel unter Erich Ludendorff (1865–1927) feindlich gegenüber. Als dritte Kraft innerhalb des Nationalsozialismus agierte die von Gregor Strasser (1892–1934), Otto Strasser (1897–1974) und Joseph Goebbels (1897–1945) initiierte Arbeitsgemeinschaft Nordwest, der sich auch Ernst Röhm (1887–1934) mehr oder weniger zugehörig fühlte. Der innerparteiliche Kampf um die ideologische Vorherrschaft sollte bis 1926 andauern.

Ab Ende Februar 1925 erfolgte der Neuaufbau der NSDAP als politische Partei, der sich bis zum Jahresende 1925 alle Ersatzorganisationen anschlossen. Gleichzeitig kam es auch zur Wiederaufstellung der Sturmabteilung, die 1921 begründet und 1923 verboten worden war, und zur Aufstellung einer hitlerischen Leibgarde in Form der SS und zur Aufstellung eines Jugendverbandes. Auch wurde der Aufbau einer „Frauen-SA“ in Betracht gezogen.

Kernpunkte der nationalsozialistischen Politik waren nun die Revision des Versailler Vertrages, Aufhebung des österreichischen Anschlussverbotes und Schaffung Großdeutschlands, Kampf gegen den Marxismus (insbesondere Sozialdemokratie und Kommunismus) und Beseitigung der bürgerlichen Parteien. Gleichschaltung des Staates und der Gesellschaft mit dem Nationalsozialismus, Zurückdrängung des jüdischen Einflusses.

1926–1934 Bearbeiten

1926 kam es innerhalb des deutschen Nationalsozialismus zur sogenannten Bamberger Führertagung, auf der der linke Parteiflügel wieder auf den hitlerischen Kurs gebracht und auf den Führer der NSDAP ausgerichtet wurde.

Ab 1926 wurde der deutsche Nationalsozialismus maßgebliche Ideologie auslands- und volksdeutscher Nationalsozialisten, der ihm vorhergehende Ideologien nun ablöste. So entstand auch in Österreich unter der Auflösung der DNSAP eine Hitlerbewegung.

Die Ideologie der NSDAP war nun ein Mix verschiedener Weltanschauungen, die durch den Kontakt der Nationalsozialisten mit deutschvölkischer Organisationen bzw. mit deren Einbindung in die NSDAP hervorgegangen war. Hauptbestandteile dieser Ideologie waren nun Rassismus und Sozialdarwinismus, zu denen nationalistischer Imperialismus und Judenhass traten. Die Deutschen selbst wurden überhöht dargestellt, als sogenannte Deutschblütige galten sie als Hauptvertreter der arischen Rasse, die berechtigt seien, über minderwertige Rassen zu herrschen und diese gegebenenfalls auch auszulöschen.
Die Sozialisierung wurde, gleich der alldeutschen Los-von-Rom-Bewegung, das heißt, der „völkische Kampf gegen die römisch-katholische Kirche“, aufgegeben. Jedem Deutschen wurde das Recht auf Privateigentum zugestanden und diesem freigestellt, ob sie in den christlichen Kirchen verblieben oder austraten. (→ Gottgläubigkeit)

Nach der Aufhebung seines politischen Redeverbotes (1927) agierte Adolf Hitler zunehmend aggressiver und judenfeindlicher. Der Nationalsozialismus, so wie er ihn verstand, war geprägt durch die völkische Rassenkunde, die er als Doktrin festschrieb. Hitler schloss sich zudem bürgerlichen Verständnis auf Privateigentum an und sah im Ziel des Nationalsozialismus das bestehende parlamentarisch-demokratische Regierungssystem durch ein totalitär-antidemokratisches Führerprinzip zu ersetzen. Der Staat als solcher müsse, so Hitler propagierte Auffassung, eine „germanische Demokratie“, in Form eines Führerstaates, werden. Denn es sei germanische Tradition, dass in Notzeiten ein starker Führer gewählt würde, der uneingeschränkt über den jeweiligen Volksstamm herrsche. Zudem übernahm er deutschvölkische Positionen, die in der Volksgemeinschaft eine Blutsgemeinschaft sahen, die Fremdvölkische wie Juden und Zigeuner ausschloss.

Ab 1929/30 radikalisierte sich der reichsdeutsche Nationalsozialismus zunehmend, als die SA (und im kleineren Rahmen auch die SS) nun zahlreiche Arbeitslose und sozial gefährdeter Mittelständler aufnahm, zu denen noch von der Demokratie enttäuschte Ex-Soldaten und Freikorpsmänner traten.
Bis etwa 1932 war das politische Leben im Reich durch gewaltsame Straßenkämpfe zwischen der sogenannten Braunen Front und der Roten Front geprägt, die aus paramilitärischen Nationalsozialisten und Kommunisten gebildet wurden. Diese Verbände waren zeitweise einem Uniformverbot unterworfen, was deren Mitglieder aber nicht hinderte, sich weiterhin gegenseitig zu überfallen. Als Feinde des deutschen Volkes wurden nun die Juden und der angeblich von ihnen dominierte Marxismus deklariert.

Am 30. Januar 1933 wurde der Führer der NSDAP, Adolf Hitler, vom Reichspräsidenten zum Reichskanzler einer deutschnational-nationalsozialistischen Koalitionsregierung ernannt, in der die Deutschnationalen um Alfred Hugenberg (1865–1951) die Mehrheit der Minister stellten. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Reichskanzlers war, für den März Neuwahlen anzusetzen.

Der kurz darauf erfolgende Brand des Berliner Reichstages im Februar 1933, dessen Brandursache bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte, der aber von den Nationalsozialisten propagandistisch ausgebeutet und den Kommunisten zur Last gelegt wurde, hatte die Einführung zahlreicher Notstandsgesetze zur Folge. Die Regierung Hitler begann, politische Gegner durch Angehörige der SA und der SS, die zum Teil als Hilfspolizisten verpflichtet worden waren, zu verhaften und in provisorische Sammellager zu konzentrieren, aus denen nur wenig später die ersten Konzentrationslager hervorgehen sollten.

1933/34 brachte zum einen den Umbau des Staates und der Gesellschaft, indem die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zur Staatspartei bestimmt wurde. Die konkurrierenden Parteien wurden entweder verboten oder zur Selbstauflösung gezwungen. Zum anderen wurden die bisherigen Länder de facto aufgehoben und verwaltungstechnisch durch die Gaue der NSDAP ersetzt. Am 2. August 1934 verstarb im Alter von siebenundachtzig Jahren der bisherige Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847–1934) und Adolf Hitler wurde nun als sogenannter Führer und Reichskanzler Staats- und Regierungschef in Personalunion.

1934–1945 Bearbeiten

Der deutsche Nationalsozialismus war als eigenständige Ideologie beseitigt worden, denn die nationalsozialistische Machtergreifung wurde allgemein als Lösung aller offener nationalen und sozialen Fragen verstanden.

Anfang September 1939 brach der II. Weltkrieg (1939–1945) aus, der allgemein als nationalsozialistischer Endkampf gegen den Kommunismus und die „jüdische Rasse“ angesehen wurde. Letztendlich gingen die Nationalsozialisten davon aus, dass sie die kriegerische Auseinandersetzung gewinnen und den Kommunismus wie die Juden auslöschen würden. Denn in ihrer kruden Vorstellung wurde der Völkermord an den europäischen Juden mit der „Vernichtung des Bolschewismus“ gleichgesetzt.

1942 ernannte der inzwischen ohnehin bedeutungslose Reichstag Hitler zum obersten Gerichtsherrn, was bedeutete, dass sich der Reichstag, an dem Hitler formaljuristisch noch gebunden war, selbst entmachtete. Hitler konnte nun ohne Kontrolle und Zustimmung des deutschen Parlamentes Gesetze erlassen und ändern sowie jedes von den Gerichten getroffene Urteil annullieren und jede missliebige Person persönlich zum Tode verurteilen.
Dennoch gab sich der späte hitlerische Nationalsozialismus in Teilen sozialistisch. So wird Hitler noch 1944 sagen, dass wahrer Sozialismus das höchste Volkstum sei, doch war der Begriff zu dieser Zeit bereits eine leere Worthülle, die keinen ideologischen Inhalt mehr aufwies, die mit nichts mehr unterlegt war, sondern die allein durch den Willen des Führers und Reichskanzlers geprägt gewesen ist. Den ab 1942 herrschenden Nationalsozialismus definierte Martin Bormann (1900–1945), Leiter der Kanzlei des Führers, gegenüber seinem ältesten Sohn, Martin Bormann jr. (1930–2013) äußerst treffend, als dieser ihn fragte, was Nationalsozialismus sei:

„Nationalsozialismus ist der Wille des Führers!“

1944 war es offensichtlich, dass der reichsdeutsche Nationalsozialismus als Staatsdoktrin gescheitert war. Seinen Rückhalt in der Bevölkerung, aber auch bei den meisten Parteifunktionären, verlor er durch die hitlerischen Niederlagen, die sich inzwischen an allen Fronten abzeichneten. So erfolgte am 20. Juli 1944 ein erneutes Attentat auf Hitler, das dieses Mal jedoch von Teilen des Militärs initiiert wurde. Hitler überlebte dieses jedoch, aber mit dessen Selbstmord im April 1945 endete auch der politische Nationalsozialismus in Deutschland.

1945–heute Bearbeiten

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, die das De-facto-Ende des II. Weltkrieges bedeutete, wies der Nationalsozialismus in Deutschland innerhalb der Bevölkerungsmehrheit keinen Rückhalt mehr auf. Nur ein kleiner radikaler Bevölkerungsanteil, zumeist aus alten Nationalsozialisten bestehend, die der NSDAP schon 1922/23 angehört hatten und dieser 1925 wieder beigetreten waren bzw. aus Nationalsozialisten, die der Partei zwischen 1925 und 1928 beigetreten waren, hielten noch treu an diesem fest.

Bereits im Oktober 1949 entstand in der Bundesrepublik Deutschland mit der Sozialistischen Reichspartei Deutschlands eine politische Partei, die sich offen als Nachfolgepartei der NSDAP definierte und sich an deren linken Parteiflügel orientierte. Die SRPD wurde bereits 1952 vom deutschen Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe als grundgesetzwidrig verboten und aufgelöst.
Deutschnationale, Rechtsnationalisten und linke Nationalsozialisten schlossen sich 1950 mit anderen zur Deutschen Reichspartei zusammen, aus der 1964 die Nationaldemokratische Partei Deutschlands hervorgehen sollte. Auch ehemalige NSDAP-Linke Otto Strasser (1887–1974) gründete 1956 mit seiner Deutsch-Sozialen Union eine Partei, die sich einem nationalen, deutschen Sozialismus verschrieben hatte, der sich offen am Frontsozialismus des Strasserkreises orientierte und nationalbolschewistische Züge trug.

Heute ist es bei Neonazis allgemein üblich, dass sich zwar vom deutschvölkischen Flügel der NSDAP, das heißt, vom „rechten Nationalsozialismus“, distanzieren und sich vielmehr mit dem sozialrevolutionären linken Parteiflügel identifizieren. In Ernst Röhm (1887–1934) und in dessen von ihm geführte SA sowie in den Strasserbrüdern sehen sie heute ihre ideologischen Vorbilder. Gemäß der hitlerischen Anweisung, dass das 1920 geschaffene Parteiprogramm der NSDAP „immer während“ sei, beziehen sie sich politisch stets auf dieses.

Chronik Bearbeiten

1919–1923 Bearbeiten

Ursprung, Gründung der DAP Bearbeiten

Der deutsche Nationalsozialismus leitet sich per Tradition vom Nationalsozialismus in Österreich ab.
Am 5. Januar 1919 schlossen sich in München überzeugte Alldeutsche, die zum Teil auch Mitglieder der deutschvölkischen Thulegesellschaft waren, zu einer Deutschen Arbeiterpartei (DAP) zusammen. Heute gilt die Partei als klassische Vertreterin der radikalen Rechten, doch zur Zeit ihrer Gründung rechnete sich sich selbst der völkischen Linken zu, deren Hauptaufgabe war, das deutsche Proletariat wieder national, Staat und Gesellschaft sozial zu machen. Die frühe DAP vertrat politisch einen revolutionär-außerparlamentarischen Kurs, als ihr im September 1919 ein V-Mann der Reichswehr beitrat, der dort schnell Karriere machen sollte: Adolf Hitler.

Gründung der NSDAP, die NSDAP als Teil der deutschvölkischen Bewegung Bearbeiten

Innerhalb von knapp zwei Jahren stieg Hitler vom Propaganda- zum Parteichef auf. So führte er am 24. Februar 1920 die von ihm im Dezember 1919 maßgeblich mitgestaltete Hakenkreuzfahne und das 25 Punkte umfassende Parteiprogramm ein. Auch bezeichnete sich die DAP erstmals als national-sozialistische Deutsche-Arbeiterpartei (NSDAP).
Der um Hitler versammelte Kreis orientierte sich am Frontsozialismus, der im Laufe des I. Weltkrieges (1914–1918) in den Schützengräben entstanden war und der sich um eine völkische Aussöhnung von Nationalismus und Sozialismus bemühte. Ziel war die Erreichung einer klassenlosen Gesellschaft.

Die NSDAP sah sich als organischer Teil der völkischen, insbesondere der deutschvölkischen und antisemitischen Bewegung, von denen sie sich das Hakenkreuz als politisches Symbol entliehen hatte. Zunehmend enge Kontakte bestanden zu der in Österreich und der Tschechoslowakei tätigen DNSAP. Das mögliche Zusammengehen mit der Deutschsozialistischen Partei (DSP) war innerhalb der NSDAP umstritten.

Am 7. und 8. August 1920 fand der von Walter Riehl (1881–1955) veranstaltete Deutsche Tag in Salzburg statt, bei dem unter anderem über mögliche Vereinigungsmöglichkeiten aller deutschsprachigen National- und Deutschsozialisten gesprochen wurde. Es war unter anderem ein Erfolg Hitlers, dass dort von diesen die Hakenkreuzfahne und die gleich gestaltete Hakenkreuzarmbinde als gemeinsame nationalsozialistische Kennzeichen übernommen wurden.

Führerprinzip, Hitlerputsch Bearbeiten

Im März und im Frühsommer 1921 fanden in Zeitz und Augsburg Vereinigungsgespräche zwischen Vertretern der NSDAP, DNSAP und der DSP statt. Vor allem Hitler lehnte die Vereinigungsversuche vehement ab, da er der Auffassung war, dass dadurch der Führungsanspruch der NSDAP verloren ginge. Vielmehr hätten sich die übrigen Parteien kompromisslos der NSDAP anzuschließen. Hitler begehrte nun den Parteivorsitz innerhalb der NSDAP und um seiner Forderung nötiges Gewicht zu verleihen, trat er aus der Partei aus und stellte ultimative Forderungen für seinen möglichen Wiedereintritt.

Im Juli 1921 wurde Hitler in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum Führer der NSDAP gewählt, der nach und nach diktatorische Vollmachten erhielt und die Partei wurde bis 1922 streng nach dem militärischen Führer- und Gefolgschaftsprinzip ausgerichtet, wobei sich Hitler sowohl am Frontsozialismus als auch am italienischen Faschismus orientierte.

Den wesensverwandten Faschisten gelang unter deren Duce Benito Mussolini (1883–1945) der Staatsstreich in Italien („Marsch auf Rom“), was der Nationalsozialismus unter Hitler ebenfalls wagen wollte: Am 8./9. November 1923 initiierten die Nationalsozialisten von Bayern aus den „Marsch auf Berlin“, der sich allerdings nur auf Bayern beschränkte und als erfolgloser Hitlerputsch in die Geschichte eingehen sollte. Die Putschisten wurden an der Feldherrnhalle in München von Verbänden der Landespolizei und der Reichswehr aufgehalten und der Putsch als solcher blutig niedergeschlagen.

1924–1925 Bearbeiten

Verbotszeit, Ersatzorganisationen Bearbeiten

Nach dem gescheiterten Putsch wurden die NSDAP und deren paramilitärischer Zweig, die Sturmabteilung (SA), verboten und aufgelöst. Hitler selbst wurde 1924 zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt und gab aus diesem Grund für die Dauer seiner Haftzeit seinen Führungsanspruch auf.
Um den Nationalsozialismus jedoch politisch aktiv zu halten, wurden zahlreiche Ersatzorganisationen gegründet, die sich offen oder nicht offen zur ehemaligen NSDAP bekannten und die untereinander zum Teil verfeindet waren. Vor allem in Norddeutschland agierten echte Sozialisten und ehemalige Nationalbolschewiken in den Ersatzorganisationen, derweil in Süddeutschland vor allem die Deutschvölkischen und Antisemiten agierten.

Die bekanntesten Ersatzorganisationen der NSDAP waren

  1. die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung Großdeutschlands (NSFBD) unter der politischen Führung Erich Ludendorffs (1865–1937) und der Strasserbrüder Gregor (1892–1934) und Otto Strasser (1897–1974),
  2. die Großdeutsche Volksgemeinschaft (GVG) unter der Führung von Alfred Rosenberg (1893–1946) und Hans Jacob (1884–1949) sowie
  3. der Völkische Block (VB) unter der Führung von lokalen NS-Funktionären.

Die Mitglieder der NSFBD waren fast ausschließlich ehemalige Sozialisten, Deutschsozialisten und Nationalbolschewiken, die für sozialrevolutionäre Positionen und für den Ausgleich mit der politischen Linken eintraten. Die GVG bestand aus Deutschvölkischen und Alldeutschen sowie aus Nordisten und Antisemiten, die sich zur Rassenlehre bekannten und sich weiterhin für den revolutionär-außerparlamentarischen Kurs Hitlers einsetzten. Hauptfeind der GVG waren der Marxismus und das Judentum. Der VB setzte sich aus diversen Splittergruppen zusammen und ging noch 1924 zusammen mit der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) in NSFBD auf.

Die Angehörigen der verbotenen SA schlossen sich zahlreichen Sportvereinen an und wurden organisatorisch von Ernst Röhm in der SA-Ersatzorganisation Frontbann zusammengeführt und ausgebaut. Innerhalb von etwa eineinhalb Jahren stieg die Mitgliederzahl der verbotenen SA von rund zweitausend (November 1923) auf etwa dreißigtausend (Februar 1925) an.

1925–1933 Bearbeiten

Wiederaufbau der NSDAP, Richtungsstreit Bearbeiten

Hitler wurde im Dezember 1924 vorzeitig aus der Haft entlassen und er begann Vorbereitungen zu treffen, um die NSDAP neu zu gründen. Bereits im Februar war es so weit und er konnte am 24. Februar 1924 den Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterverein als Träger der NSDAP im Vereinsregister München eintragen lassen. Drei Tage später verkündete er auf einer Veranstaltung im Bürgerbräukeller den Wiederaufbau der NSDAP, die sich nun streng an dem sogenannten Legalitätsprinzip halten wolle.

Zwischen Februar 1925 und Februar 1926 war die neu gegründete NSDAP durch Richtungskämpfe zwischen den linken und rechten Nationalsozialisten geprägt: Erstere, der sogenannte Strasserkreis, agierte in Norddeutschland und wurde, wie bereits erwähnt, aus ehemaligen Deutschsozialisten, Sozialisten und Nationalbolschewiken gebildet, die sich für einen politischen Ausgleich mit der Sozialdemokratie und dem Kommunismus einsetzten, da sie sich mehrheitlich als „deutsche Sozialisten“ empfanden. Letztere setzten sich in Süddeutschland aus den Antisemiten, Deutschvölkischen und Alldeutschen um Hitler zusammen, die eine totalitär-antidemokratische Parteirichtung forderten. Am 14. Februar 1926 fand in Bamberg eine von Hitler einberufene Führertagung der NSDAP-Gauleiter statt, auf der der linke Flügel entmachtet und wieder auf hitlerischen Kurs gebracht wurde.

Ab Juli 1926 galt der Wiederaufbau der Partei als abgeschlossen und im November gleichen Jahres wurden die NS-Kampfverbände SA, SS und HJ der Obersten SA-Führung unterstellt. Als 1927 das politische Redeverbot Hitlers endete, leitete dieser die Kampfzeit der Bewegung ein, als es darum ging, in den verschiedenen Wahlen Landtags- und Reichstagsmandate zu erringen. Ab 1928/29 verschärften sich zudem dem politischen Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner, sodass die Jahre 1930 bis 1932/33 von blutigen Straßenkämpfen und politischen Morden zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten geprägt waren.

Zwischen 1928 und 1932 gelangten aufgrund der Wahlerfolge der NSDAP zahlreiche Nationalsozialisten in die Parlamente, so zum Beispiel bei der Reichstagswahl im Juli 1932, wo die Hitlerpartei zur stärksten Fraktion aufstieg. Doch bereits bei den Neuwahlen zum Reichstag vom November 1932 verloren die Nationalsozialisten erhebliche Wählerstimmen und wiesen 4,1 Prozent weniger als bei der letzten Reichstagswahl auf.
Mit dem Einzug der NSDAP in die Parlamente radikalisierte sich jedoch auch die Parlamentsarbeit der übrigen Parteien. Die nationalsozialistische Parlamentsarbeit war strikt rassistisch, antisemitisch und völkisch-chauvinistisch: So sollte die Ideologie der Partei bei einer möglichen Machtübernahme Staatsdoktrin werden und im Zuge der geforderten Grenzrevision der 1919/22 entstandenen deutschen Reichsgrenzen sollte auch die großdeutsche Idee reaktiviert werden, da ein nationalsozialistisches „Drittes Reich“ natürlich auch Österreich und die Sudetenländer zu umfassen hätte.

Dem Nationalsozialismus kam zudem die Weltwirtschaftskrise von 1929 zugute, die dessen Kampfverbände, insbesondere die SA einen enormen Mitgliederzuwachs brachte: Ende 1932 waren beispielsweise rund 300 000 Männer in der SA vereinigt, die damit die dreifache Personalstärke der reguläre Deutsche Reichswehr aufwies.

Hitlers Einfluss auf die nationalsozialistische Bewegung in Österreich, Gleichschaltung der österreichischen Nationalsozialisten Bearbeiten

Seit 1919/20 bestanden lose Kontakte zu österreichischen und sudetendeutschen Nationalsozialisten, die stetig ausgebaut wurden. War Adolf Hitler anfänglich nur einer unter vielen nationalsozialistischen Agitatoren, baute dieser zielstrebig seine Rolle innerhalb des deutschsprachigen Nationalsozialismus aus.
Österreichische und sudetendeutsche NS-Funktionäre hatten 1921 formaljuristisch Hitlers Rolle als Führer der NSDAP anerkannt, als dieser sich im Juli zum Parteichef wählen ließ. So unterstützte Hitler vor allem die österreichische DNSAP propagandistisch bei deren Wahlkämpfen. Zu einem Bruch zwischen der NSDAP und der österreichischen Schwesterpartei führte der missglückte Hitlerputsch von 1923, den die DNSAP unter Walter Riehl strikt ablehnte.

1925/26 distanzierte sich Hitler von der DNSAP und erklärte öffentlich, dass diese außer der Bezeichnung „national-sozialistisch“ nichts mit der NSDAP gemeinsam hätte. Dabei hatte er die österreichische Partei noch 1921 gelobt und diese als Vorbild der deutschen NSDAP bezeichnet.
Infolge des von Hitler hervorgerufenen Richtungskampfes innerhalb der DNSAP kam es 1926 zur Gründung einer NSDAP in Österreich, die sich zugleich der NSDAP-Gauleitung München unterstellte und dort als „NSDAP-Landsgruppe Österreich“ geführt wurde. Die NSDAP-Landesgruppe Österreich wurde von der damaligen Schulz-Gruppe in der DNSAP gebildet, deren Führer Karl Schulz war, der sich für den hitlerischen revolutionär-antidemokratischen Führungsstil aussprach. Die Anhänger des bisherigen österreichischen Nationalsozialismus um Walter Riehl, die sich vor allem auf basisdemokratische Strukturen stützten, verließen die Partei und schlossen sich zum Deutschsozialen Verein in Österreich zusammen.

Harzburger Front Bearbeiten

Passend im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen 1931/32 stand die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei unter ihrem Führer Adolf Hitler inmitten ihrer sogenannten Kampfzeit. So initiierte sie am 31. Oktober 1931 den propagandistischen Zusammenschluss mit den rechtsnationalen und deutschnationalen Verbänden, die sich überwiegend aus der Deutschnationalen Volkspartei und dem Stahlhelmbund zusammensetzten. Dieser Zusammenschluss wurde nach dem Ort der Zusammenkunft als Harburger Front bekannt.
Alle paramilitärischen Verbände zur Zeit der Weimarer Republik rechneten sich zur sogenannten Frontbewegung, die innerlich durch verschiedene Ideologien zerstritten war: Die sogenannte Rote Front setzte sich aus Anhängern des Marxismus, insbesondere des Kommunismus, zusammen. Die sogenannte Braune Front bestand aus der Gesamt-SA, das heißt, aus der eigentlichen Sturmabteilung, der Schutzstaffel und der Hitlerjugend, derweil die sogenannte Graue Front sich aus dem Stahlhelmbund zusammensetzte.

Tagtäglich lieferten sich vor allem die Rote und die Braune Front erbitterte Straßenschlachten, und nun konnte Letztere auf die politische Hilfe der Grauen Front rechnen. Doch in vielen Dingen standen die Rechts- und Deutschnationalen den Nationalsozialisten ablehnend gegenüber. Was sie mit diesen politisch verband, war die gemeinsame Ablehnung des Weimarer Systems und die Errichtung eines zentralistisch-diktatorischen Regierungssystems.

Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 wurden die Nationalsozialisten im Berliner Reichstag, wie schon erwähnt, stärkste Fraktion. Das erklärt sich aus der Tatsache heraus, dass die NSDAP nun auch von Menschen gewählt wurde, die früher für die Kommunisten oder Sozialdemokraten gestimmt hatten. Hitlers propagierte Volksgemeinschaft begann, ihre ersten Erfolge einzufahren.

Nationalsozialistische Machtergreifung Bearbeiten

Nachdem bei den erneuten Reichstagswahlen vom November 1932 die NSDAP bedeutende Verluste hinnehmen musste, erhob deren Führer dennoch den politischen Anspruch, Deutscher Reichskanzler zu werden. Nach mehreren erfolglosen Reichsregierungen, die über Notverordnungen regierten, wurde dieser am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt, der zunächst eine Koalitionsregierung mit Vertretern der Deutschnationalen und des Stahlhelmbundes bildete.
Die Einsetzung der Regierung Hitler wurde später als nationalsozialistische Machtergreifung gefeiert. Diese Regierung unter Kanzler Hitler setzte zunächst Neuwahlen für den März 1933 an und das Ermächtigungsgesetz gleichen Jahres setzte de facto die parlamentarische Demokratie außer Kraft. Die neue Reichsregierung löste in der Folge rund dreißig Parteien auf, verbot die KPD und zwang die restlichen Parteien zur Selbstauflösung. Das Deutsche Reich war nun auf dem Weg zum Einparteienstaat. Bereits im Februar 1933 war der Brand des Berliner Reichstages erfolgt, in dessen Folge die ersten Konzentrationslager errichtet wurden; und im Sommer gleichen Jahres begann vom Reich ausgehend die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Europa, die zwischen 1938 und 1940 weite Teile des europäischen Kontinentes beherrschen sollte.

1934–1940 Bearbeiten

Röhmputsch, Heimholung des Saarlandes Bearbeiten

Im Frühjahr 1934 erfolgte die nationalsozialistische Gleichschaltung auf nationaler und regionaler Ebene, als Hitler die Länder und deren Staatsangehörigkeiten aufhob. Anstelle der Ersteren traten die Gaue der NSDAP, anstelle der Letzteren die deutsche Staatsangehörigkeit, das heißt, die juristische Zugehörigkeit zum Zentralstaat Deutsches Reich.

Im Sommer 1934 herrschte eine Diskrepanz zwischen der SA unter der Führung des Stabschefs Ernst Röhm und der Reichsregierung unter Hitler. Ersterer forderte als sogenannte zweite Revolution (als erste Revolution wurde Machtergreifung begriffen) die Auflösung der Reichswehr zugunsten der Etablierung einer nationalsozialistischen Volksmiliz, deren Kern die SA stellen sollte. Letzterer forcierte die Reichswehr als alleiniger Waffenträger der Nation.
Auch standen sich innerhalb der Gesamt-SA die Sturmabteilung und die Schutzstaffel feindlich gegenüber, da sich Letztere nur auf Hitler verpflichtet sah.

Im Zuge seiner Aufrüstung sah sich Hitler immer mehr mit Röhm in Konflikt stehend, dessen SA fast vier Millionen Angehörige umfasste. Ende Juni beschlossen beide, die SA in einen „Sommerurlaub“ zu schicken, damit sich die angespannte Lage zwischen der Partei und ihres größten Kampfverbandes entspannen und normalisieren konnte. Zwischen dem 30. Juni und dem 1. Juli 1934 ließ Adolf Hitler die SA entmachten, als man ihm von einem angeblichen Putschversuch Röhms berichtete. Die wesentliche Führungsspitze der Organisation, einschließlich Röhms, wurde federführend unter der Leitung Heinrich Himmlers (1900–1945) und seiner SS ermordet.
Als Folge des „Röhmputsches“ wurde die Gesamt-SA verkleinert, indem man die Motor-SA und das NSAK ausgliederte und zur eigenständigen NS-Formation zusammenfasste. Die Flieger-SA und die Flieger-SS wurden mit Sportflugvereinen zum NSFK zusammengefasst, die HJ und die SS wurden eigenständige Formationen. Vor allem die SS konnte sich als Gewinner sehen, denn sie wuchs nun zur mächtigsten NS-Organisation, die ab 1936 auch über die Deutsche Polizei herrschen sollte.

Am 2. August 1934 verstarb der amtierende Reichspräsident und Hitler ernannte sich nun zum Führer und Reichskanzler, die Reichswehr wurde noch am gleichen Tag auf seine Person vereinigt. Damit wurden die höchsten Staatsämter auf eine Person, nämlich auf Hitler, vereinigt und der Nationalsozialismus Staatsdoktrin.

Am 13. Januar 1935 stimmten rund 91 v. H. der Saarländer für die Rückkehr des 1920 abgetrennten Saargebietes ins Deutsche Reich. Vor allem die saarländischen Nationalsozialisten hatten diesen stets mit ihrer politischen Liste gefordert. Am 13. März selben Jahres hatte Adolf Hitler als sogenannter Führer und Reichskanzler die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht sowie die Gesamtstärke der Deutschen Wehrmacht in Friedenszeiten verkündet, die sechsunddreißig Divisionen umfassen sollte, darunter eine Division kasernierter SS und Polizei. Damit wurde die 1934 aufgestellte SS-Verfügungstruppe völkerrechtlich als Teil der regulären deutschen Streitkräfte definiert.[1]

Wirtschaftliche Erfolge des Reiches, Rheinlandbesetzung Bearbeiten

Wirtschaftlich ging es dem Deutschen Reich 1935/36 so gut wie noch nie. Dass dieser Wohlstand jedoch nur auf die massive nationalsozialistische Staatsverschuldung beruhte, wurde den Deutschen verschwiegen. Am 7. März 1936 marschierten einige Regimenter der Deutschen Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland ein, um dort, wie es damals hieß, die „Wehrhoheit des Reiches“ wiederherzustellen. Dass dieser Einmarsch ein massiver Bruch der Versailler Friedensbestimmungen war, nahm Hitler seinerzeit in Kauf … auch eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit Frankreich und Großbritannien wurde von ihm in Kauf genommen.

Expansionspolitik, Einfluss des deutschen Nationalsozialismus auf europäische Staaten Bearbeiten

Ab 1938 begann der deutsche Nationalsozialismus seinen europäischen Expansionszug: Am 13. März 1938 erfolgte der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und zwischen dem 1. und 10. Oktober gleichen Jahres der des Sudetenlandes, dem zuvor im September die sogenannte Münchner Konferenz vorherging.
Aus dem bisherigen Deutschen Reich war nun Großdeutschland geworden, und Hitler hatte zudem in München erklärt, dass mit der Einverleibung der Sudetenländer das Reich saturiert sei. Doch mit der Annexion der sogenannten Rest-Tschechei wurde er der Lüge und seine Peron als Imperator überführt: Hatten sich zuvor seine territorialen Forderungen auf Gebiete erstreckt, die Teil des deutschen Sprach- und Siedlungsgebietes waren, so wurde mit Böhmen-Mähren erstmals ein Gebiet beansprucht, dass nicht deutschsprachig war und dessen Angliederung ein Bruch des viel zitierten Selbstbestimmungsrechtes der Völker darstellte.

Trotz alledem wurde in den USA von begeisterten Nationalsozialisten unter den Deutschamerikanern die Deutsch-Amerikanische Berufsgemeinschaft gegründet. Auch in den europäischen Nachbarländern des Reiches entstanden Organisationen, die NSDAP-ähnlich waren. So beispielsweise bereits 1933 in den Niederlanden die Nationaal-Socialistische Beweging (NSB). Die NSB war anfänglich am italienischen Faschismus orientiert, schwenkte aber rasch in Richtung Nationalsozialismus.

II. Weltkrieg Bearbeiten

Am 1. September 1939 begann der II. Weltkrieg (1939–1945), der ursprünglich nur ein deutsch-polnischer Krieg war, der sich um Danzig und den Weichselkorridor drehte.
Das nationalsozialistisch regierte Danzig erklärte noch bei Kriegsbeginn seinen Eintritt ins Reich, doch völkerrechtlich war dieser ungültig, da er als Kriegsfolge erfolgte. Bis 1940 überrannte die Deutsche Wehrmacht, infolge ihrer Blitzsiege, zahlreiche europäische Staaten, und die Wehrmacht schien zudem unbesiegbar zu sein. Der deutsche Imperialismus unter dem NS-Regime etablierte dort zahlreiche Schattenregierungen, die vom Chef der deutschen Zivilverwaltung bzw. vom Chef der deutschen Militärverwaltung kontrolliert wurden.

Auf seinem Zenit (1940) herrschte der deutsche Nationalsozialismus in Europa über 894 227 qkm, wovon 698 368 qkm auf geschlossenes deutsches Sprachgebiet fielen.[2] Zudem hatte das Reich infolge zahlreicher Umsiedlungsverträge, die es mit seinen östlichen Nachbarn abgeschlossen hatten, rund 0,9 Millionen Menschen „heim ins Reich“ geholt.

Am 22. Juni 1941 begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der deutsch-sowjetische Krieg. Dieser war, wie bereits der deutsch-polnische oder der deutsch-französische Krieg, ohne offizielle Kriegserklärung begonnen, weswegen auch er per se als völkerrechtswidrig aufzufassen ist.
Zeitlich fällt dieser deutsche Eroberungskrieg auch mit dem industriell durchgeführten Völkermord an den europäischen Juden: Die von Großdeutschen Reich eroberten Gebiete unterstanden ab 1941/42 einem Chef der deutschen Militärverwaltung, dessen politisch-ideologische Hauptaufgabe es war, diese „judenfrei“ zu machen. In den Augen des NS-Regimes unter Hitler zahlte es sich nun aus, dass die deutschen Soldaten, insbesondere die der Waffen-SS, jahrelang mit der Ideologie der NSDAP indoktriniert wurde. Dadurch wurden die zahlreichen Kriegsverbrechen und Völkermorde durch den Nationalsozialismus legitimiert, da dieser naturgemäß berechtigt sei, über andere Rassen zu herrschen und diese gegebenenfalls auszulöschen: Slawen, Juden und Zigeuner seien Volksfeinde, da sie Angehörige „minderwertiger Rassen“ seien.

1942–1945 Bearbeiten

1942 wurde der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler vom ohnehin seit 1939 funktionslosen Reichstag auf dessen letzter offizieller Sitzung zum Obersten Gerichtsherrn des Großdeutschen Reiches erklärt, womit sich das formaljuristische deutsche Parlament endgültig entmachtete. Damit konnte Hitler ohne jegliche Kontrolle Gesetze und Verordnungen verkünden, aber auch ihm nicht genehme Gerichtsurteile revidieren und persönlich Todesurteile beschließen.

Die Schlacht um Stalingrad, die sich zum langwierigen Stellungskrieg entwickelte hatte, für das Deutsche Reich verloren ging, nachdem sich die 6. Armee der sowjetischen Übermacht ergab, zeichnete sich langsam das Ende des NS-Regimes ab. Die Deutsche Wehrmacht fuhr nur noch wenige militärische Erfolge im Osten ein, vielmehr war sie beschäftigt, dort sogenannte Frontbegradigungen durchzuführen … ein Tarnwort für den militärischen Rückzug. Zudem erhob sich in ihrem Machtbereich der Widerstand.
Zudem befand sich das Reich, und mit ihm der dort herrschende Nationalsozialismus, seit Ende 1941 in einem Zweifrontenkrieg, der sich bis 1944/45 in einem Mehrfrontenkrieg änderte: Nach der deutschen Kriegserklärung an die USA (eine Folge des japanischen Überfalls auf Pearl Habor) traten diese in den Krieg ein. Italien scherte 1945 aus dem gemeinsamen Militärbündnis mit dem Deutschen Reich aus, dessen Vorbild die meisten Satellitenstaaten folgten. Die deutsche Niederlage begann sich endgültig nach dem D-Day (6. Juni 1944) abzuzeichnen.

Die nationalsozialistische Politik der verbrannten Erde traf nun auch das Deutsche Reich, als die Westalliierten begannen, deutsche Städte mit Fliegerangriffen in Schutt und Asche zu legen. Der militärische Endsieg gedachte das Regime, durch die Einführung zahlreicher „Wunderwaffen“ (Vergeltungswaffen) wie mit vollautomatischen Maschinengewehren, Düsenjägern und V2-Raketen zu erreichen. Doch kam deren Einführung zu spät, da man sich vonseiten des Reiches zu sehr auf die konventionelle Kriegsführung konzentriert hatte; auch war die Trefferquote der V2-Raketen nicht besonders hoch.

Am 27. Februar 1945 sagte sich die Ostmark des Großdeutschen Reiches von diesem los und erklärte die zwischen 1918 und 1938 existierende Republik Österreich für wiederhergestellt. Am 30. April 1945 erschoss sich Hitler in seinem Berliner Führerbunker, nachdem die Rote Armee die Reichshauptstadt Berlin de facto eingenommen hatte. Mit dessen Tod endete der politische Nationalsozialismus in Deutschland, dessen Identifikationsfigur Hitler dargestellt hatte. Das von ihm etablierte Gewaltsystem hatte letztendlich über fünfzig Millionen Toten zu verantworten und war maßgeblich für den Ausbruch des II. Weltkrieges verantwortlich.

1945–heute Bearbeiten

Nach dem De-facto-Ende des II. Weltkrieges war der politische Nationalsozialismus in Deutschland tot. Doch noch 1945 schlossen sich zahlreiche Nationalsozialisten zur Deutschen Reichspartei zusammen, die einen deutschen, nationalen Sozialismus propagierte. Nach deren Verbot sammelten sich Nationalsozialisten in diversen Rechtsparteien, die sich nun dem „linken Nationalsozialismus“ der Strasserbrüder verschrieben hatten und aus dem der heutige Neo-Nazismus hervorging.

Siehe auch Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. Felix Steiner: Armee der Geächteten, S. 57
  2. Josef Wenzler: Wirtschaftliche Erdkunde. I. Das Großdeutsche Reich, Kapitel „II. Das Großdeutsche Reich“, S. 72