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Kulturnation sg., Substantiv, Femininum. Seit etwa 1830 soziologisch-ethnografisches Konzept einer Nation, die (gleich der wesensverwandten Sprachnation) überstaatlich ist und ihre Identität auf die kulturelle Einheit bezieht. Der ihr zugeordnete Nationalismus, der Kulturnationalismus, ist nicht an einen Staat gebunden, sondern er bezieht sich auf die Zugehörigkeit zu einem Kulturkreis.

Darüber hinaus definiert der Begriff „Kulturnation“ auch eine Nation, deren Kulturgeschichte sich über einen großen Zeitraum zurückverfolgen lässt.
Johann Gottfried Herder begriff unter Kulturnation eine Gemeinschaft von Menschen, deren nationale Identität sich bereits vor dem modernen Nationalstaat entwickelt und unabhängig von diesem entwickelt hat. Nach ihm definiert sich eine Kulturnation auf gemeinsame Sprache und gemeinsamen Traditionen und Siedlungsgebiet sowie über die gemeinsame Abstammung.

Ähnlich wie Herder definierte auch Miroslav Hroch den Begriff Kulturnation, als er feststellte, dieser definiere sich allein über die gemeinsam erreichten Kulturleistungen und nicht unbedingt durch den Gebrauch einer Gemeinsprache. Gemeinsame Werteerhaltung, Institutionen, Kunst und Sachkultur stellen nach ihm das Ergebnis einer gemeinsamen Geschichte, gemeinsamen Lebensraumes und oftmals eines gemeinsamen Staatswesens dar.[1]

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Siegfried Weichlein: Nationalbewegungen und Nationalismus in Europa, Reihe „Geschichte Kompakt“, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2006, 2. Auflage, ISBN 978-3-534-25602-0
  • Miroslav Hroch: Das Europa der Nationen. Die moderne Nationsbildung im europäischen Vergleich, Reihe „Synthesen – Probleme europäischer Geschichte“, Band 2, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2005, ISBN 3-525-36801-1

Fußnoten Bearbeiten

  1. Miroslav Hroch: Das Europa der Nationen, S. 12