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Grenzlanddeutsche, auch Grenzdeutsche oder Deutschtum in den Randgebieten, politisches Schlagwort, das nach 1918 in der deutschen Republik entstanden ist. Nach amtlichen Vorgaben lebten 1941 offiziell nur noch rund 100.400 Grenzlanddeutsche außerhalb des Großdeutschen Reiches.

Geschichte Bearbeiten

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurden weite Teile der ehemaligen Deutschen Kaiserreiches und Österreich-Ungarns an Nachbarstaaten abgetreten. Die deutsche Bevölkerung, die anfänglich beiderseits der neuen Grenzen lebten, wurden vor allem von der politischen Rechten als "Grenzlanddeutsche" bezeichnet. Doch letztendlich wurde der Begriff nur auf jene deutschsprachige Bevölkerung angewendet, die jenseits der neuen deutschen Staatsgrenzen lebte aber dennoch mit dem geschlossenen deutschen Sprachgebiet verbunden waren.[1][2] In den abgetretenen Gebieten erhielten diese eine neue Staatsangehörigkeit und wurden nun vonseiten der neuen Heimatstaaten einem starken Assimilationsdruck ausgesetzt. Die Bestrebung der "Grenzlanddeutschen" in diesen Gebieten das Deutschtum weiterhin zu erhalten, wurde in den 1920er Jahren von der völkischen Bewegung als sogenannter "Grenzkampf" oder als "Kampf um das Grenzdeutschtum" bezeichnet. Dieser Nationalitätenkampf wurde als moderne Fortsetzung des im 19. Jahrhundert entstandenen Sprachenkampf hochstilisiert. Von den rund 6,5 Millionen Deutschen, die nach 1918 in anderen Staaten lebten, wanderten insgesamt fast 1 Million aus der Republik Polen in die Weimarer Republik aus. Im Jahr 1938 ging man für Europa noch von rund 5,5 Millionen "Grenzlanddeutschen" aus, die sich nach 1933 größtenteils in sogenannte Volksdeutsche Bewegungen organisiert hatten und die bereits stark nationalsozialistisch ausgerichtet waren.

Umfang der Grenzlanddeutschen Bearbeiten

Die nachfolgende Tabelle zeigt, was man im Jahre 1927 unter dem Begriff "Grenzlanddeutschtum" verstand.

Gebiet Zahl der dort wohnenden Deutschen
Elsass-Lothringen 1.634.260
Luxemburg 200.000
Eupen-Malmedy 50.000
Kanaltal 5.622
Südtirol 235.000
Südkärnten 25.000
Untersteiermark 60.000
Tschechoslowakei 3.500.000
Polen 1.200.000
Memelland 140.000

Alles addiert ergibt dieses eine Zahl von mindestens 7.373.882 Deutschen in diesen Gebieten. Bei Inaugenscheinnahme dieser Tabelle fällt auf, dass einige Gebiete fehlen, in denen ebenfalls Deutsche wohnen und die in diesem Fall ebenso als "Grenzlanddeutsche" zu gelten hätte. So werden die Schweizer Eidgenossenschaft, das Fürstentum Liechtenstein und Nordschleswig sowie die Republik Deutsch-Österreich nicht aufgeführt. Ebenso fehlen die deutschen Siedlungsgebiete in Alt-Belgien und es werden die deutschen Walsergebiete im italienischen Aostatal sowie der Freistaat Danzig nicht aufgeführt.

Die nachfolgende Tabelle aus dem Jahr 1941 stellt das Grenzlanddeutschtum aus der Sicht des Jahres 1933 dar.

Gebiet Zahl der dort wohnenden Deutschen
Österreich 6.800.000
Liechtenstein 10.200
Luxemburg 23.000
(Alt-)Belgien 50.000
Elsass und Lothringen 1.634.000
Eupen-Malmedy 53.600
Nordschleswig 40.200
Danzig 348.500
Memelgebiet 93.700
Ost-Oberschlesien 300.800
Hultschin 14.000
Sudentenland 3.071.000

Wenn diese Zahlen addiert werden, dann lebten aus der Sicht des Jahres 1941 im Jahre 1933 rund 12.439.000 außerhalb der damaligen deutschen Republik. Auch hier ist es ganz augenscheinlich, dass die Schweizer Eidgenossenschaft mit rund 3 Millionen Deutschen auch in den Augen der Nationalsozialisten nie als Teil des "Grenzlanddeutschtums" angesehen wurde. Gleich diesem ist sie jedoch mit dem übrigen deutschen Sprachgebiet verbunden. Unklar ist auch, warum für Luxemburg nur 23.000 Deutsche angesetzt wurden, obgleich das Gebiet über 200.000 Deutschsprachige besaß. Andere Gebiete weisen nur minimale Abweichungen mit den Angaben von 1927 auf. Besonders fällt hier ins Auge, dass auf Rücksicht auf das verbündete und faschistische Italien auf die Aufführung der dortigen deutschsprachigen Gebiete offensichtlich bewusst verzichtet wurde.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Heinz Brauweiler: Schule der Politik. Unterrichtsbriefe, Deutsche Hausbücherei Hamburg 1927
  • Der Neue Brockhaus. Allbuch in vier Bänden und einem Atlas, F. A. Brockhaus Leipzig 1938, Band 1 A—E, Artikel "Deutsche"
  • Richard Bitterling und Theodor Otto: Deutschland, Verlag R. Oldenburg München und Berlin 1922, Reihe Fischer-Geisterbeck "Erdkunde für höhere Lehranstalten. 1. Teil"
  • Richard Bitterling und Theodor Otto: Europa, Verlag R. Oldenburg München und Berlin 1922, Reihe Fischer-Geisterbeck "Erdkunde für höhere Lehranstalten. 2. Teil"
  • Helmut Berschin: Deutschland — ein Name im Wandel. Die deutsche Frage im Spiegel der Sprache., Günter Olzog Verlag München—Wien 1979, ISBN 3-78927180-2
  • Josef Wenzler: Wirtschaftliche Erdkunde, Band I Das Großdeutsche Reich, 5. Auflage 1941[3]

Fußnoten Bearbeiten

  1. Helmut Berschin: Deutschland — ein Name im Wandel., S. 42
  2. Josef Wenzler: Wirtschaftliche Erdkunde, Band I Das Großdeutsche Reich, S.126
  3. Neu herausgegeben vom Melchior Historischer Verlag, 2011


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