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Deutsches Reich, historischer Staat in Mitteleuropa. Die deutsche Verfassungsgeschichte und die Geschichte des "Deutschen Reiches" wurden allgemein mit der Kaiserkrönung Karls des Großen auf den 25. Dezember 800 angesetzt. Als engeres Gründungsjahr gilt jedoch das Jahr 925.

Alternativbezeichnungen Bearbeiten

Name seit 1801 neben Deutschland fälschliche Kurzbezeichnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nach dessen Auflösung (1806) bestanden seit 1813 Forderungen, das "Deutsche Reich" wieder zu begründen. De jure besteht das Deutsche Reich jedoch erst seit 1871 als Deutsches Kaiserreich.

Geschichte Bearbeiten

Vorgeschichte Bearbeiten

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Die territoriale Ausdehnung des Fränkischen Reiches bis zum Tode Karls des Großen

Im frühen Mittelalter leben verschiedene germanische Stämme auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches. Ab dem 5. Jahrhundert beginnen die Franken diese Stämme zu vereinen. (Siehe auch den Artikel Fränkisches Reich.)

8. bis 10. Jahrhundert Bearbeiten

Unter der Dynastie der Karolinger sind die germanischen Stämme der Sachsen, Baiern, Alemannen, Thüringer und Friesen im Fränkischen Reich zusammengefasst. Nun steigt das Fränkische Reich zur Universalmonarchie und zum Nachfolger des weströmischen Reiches auf. So lässt sich der Frankenkönig Karl der Große am 25. Dezember 800 in Rom durch Papst Leo dem Dritten zum Römischen Kaiser krönen. Letztendlich vereint Karl der Franke drei Titel in seiner Person: den fränkischen und langobardischen Königs- und den römischen Kaisertitel. Im 9. Jahrhundert erfolgen mehrere Reichsteilungen im Gebiete des Fränkischen Reiches, an dessen Stelle zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert nun drei Nationalstaaten entstehen: die Königsreiche Frankreich, Deutschland und Italien.

Zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert Herausbildung einer deutsch-französischen Sprachgrenze. Die Germanen und deren Streusiedlungen, die südlich und westlich davon leben, nehmen das Altfranzösische, die Romanen auf der anderen Seite übernehmen das Altniederdeutsche bzw. das Althochdeutsche an. In das 9. Jahrhundert fallen auch die Einfälle der skandinavischen Normannen statt. 911 stirbt in Deutschland die Dynastie der Karolinger aus und es wird ein eigenständiges Königtum eingeführt, indem die deutschen Stämme den Franken Konrad den Ersten zum König wählen. Nach den Konradiner folgen die Ottonen (919) und die Salier. Die Ersteren sind Franken, die nun das Stammesgebiet der Sachsen beherrschen. Die Letzteren sind ein fränkisches Geschlecht, dass das Rheinland beherrscht. Mit der Wahl Otto des Ersten wird in der allgemeinen Geschichte die Entstehung des Deutschen Reiches angesetzt. So wurde beispielsweise im Jahre 1925 in der Weimarer Republik die 1000-Jahr-Feier zur Gründung des Deutschen Reiches begangen.

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Das Deutsche Reich und seine Gliederung im 10. Jahrhundert

Es kommt im Bereich des späteren Deutschen Reiches zur Bildung von fünf Stammesherzogtümern: Lothringen (das aus einer gemischtsprachigen Bevölkerung besteht), Franken (das in die Herzogtümer Rhein- und Ostfranken gegliedert ist), Sachsen, Schwaben und Baiern. Dazu kommt noch die Landgrafschaft Thüringen, die noch im 10. Jahrhundert unter sächsische Oberhoheit gerät. Das Siedlungsgebiet der Friesen wird Lothringen zugeschlagen, genießt dort jedoch Autonomie. Die germanischen Völker des deutschen Königreichs beginnen sich nun auch als sprachliche Einheit zu fühlen, welche heute durch das Wort "Sprachnation" bezeichnet wird. Das germanische Königreich im Osten des alten Gesamtreiches wurde nun als Deutschland und seine Bevölkerung als Deutschen bezeichnet. Beide waren durch die Herzogtümer stark stammesmäßig geprägt. Diese Prägung nach Stämmen war so einschneidend, dass sich das deutsche Volk bis heute auf seine landsmannschaftlichen Eigenarten beruft. So ist die alte Gliederung nach "Stämmen" auch bis heute offensichtlich. Durch die Stammesherzogtümer erhielt das deutsche Königreich auch jene föderale Struktur, welche bis heute in Deutschland besteht. Daneben bildeten sich auch zahlreiche Stände heraus und Deutschland wurde zu einem Ständestaat.

Im 10. Jahrhundert starke Gebietserweiterung des Deutschen Reiches nach Osten, indem slawische Stammesgebiete unterworfen werden. Zwischen den Jahren 937 und 965 Bildung eines Markensystems in den Slawengebieten, in denen bereits 987 Aufstände gegen die deutsche Vorherrschaft stattfinden. So macht sich ein großer Teil der Slawen wieder frei. So finden die Slawenaufstände auch zu einer Zeit statt, in der aus dem Osten die asiatischen Ungarn in Deutschland einfallen. 955 erfolgt die Schlacht auf dem Lechfeld und der Sieg der deutschen Stämme über die Ungarn, an der auch die Böhmen auf der Seite der Deutschen teilnehmen. Am 2. Februar 962 wird durch die Krönung Ottos des Ersten zum Römischen Kaiser das Heilige Römische Reich begründet.

11. bis 15. Jahrhundert Bearbeiten

Im 11. Jahrhundert sterben die Salier aus und das Geschlecht der Staufer tritt deren Nachfolge an. Unter ihrer Herrschaft wird 1033 das Burgund dem Deutschen Reich angegliedert und es beginnt die Zeit der Ostkolonisation. In deren Folge dehnt sich der deutsche Sprachraum weit in den Osten Europas aus und es entstehen die ersten Sprachinseln. (Siehe auch den Artikel Germania slavica.)

Im 14. Jahrhundert herrschen die Luxemburger im Reich. Diese besitzen auch große Besitzungen im Osten des Reiches. Ab dem 15. Jahrhundert erfolgt unter den Habsburgern der Abstieg in die politische Bedeutungslosigkeit. Das Deutsche Reich und seine einstigen fünf Herzogtümer waren nun in über 1.000 Herrschaftsgebiete und fast 400 Reichsritterschaften zerfallen. Die alte Universalmonarchie ist zerfallen, Italien ist seit Jahrhunderten de facto unabhängig. So wurde das Reich im 15. Jahrhundert erstmals als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation bezeichnet. Im Südwesten des Reiches war bereits Ende des 13. Jahrhunderts die Schweizer Eidgenossenschaft und im Nordwesten im 15. Jahrhundert die Utrechter Union entstanden. (Siehe auch den Artikel Kleinstaaterei.)

16. bis 19. Jahrhundert Bearbeiten

Im 16. Jahrhundert erfolgt die Zeit der Reformation unter Martin Luther. Trotz aller politischen Spaltung war bis dahin die gemeinsame Religion die letzte Klammer, die das Reich zusammenhielt. 1555 erfolgte der Augsburger Religionsfriede. Es wurde festgelegt, dass der Glaube des Landesherrn auch den Glauben der jeweiligen Bevölkerung bildete.

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Das Deutsche Reich 1648

Im 17. Jahrhundert (1618—1648) fand ein 30-jähriger Religionskrieg auf dem Boden des Deutschen Reiches statt, in dem sich die Katholiken und die Protestanten blutig bekämpften und an dem alle damaligen Mächte (mit Ausnahme Russlands und des Englischen Königreiches) beteiligt waren. So nahmen auf der Seite Habsburgs, und damit auf der Seite der Katholiken, Spanier, Franzosen und Italiener teil. Auf der Seite der Protestanten standen beispielsweise die Schweden. 1648 erfolgte in Westfalen der Friedensschluss zwischen den Parteien. Das Deutsche Reich hatte rund 65 % seiner Bevölkerung verloren. Alle Fürsten waren nun selbstständig, die Niederlande und die Schweiz verließen das Reich. (Siehe auch den Artikel Westfälischer Frieden.)

Anfang des 19. Jahrhunderts (1801) wird der Titel "Deutsches Reich" erstmals offiziell in einem Vertrag genannt. Zwischen 1803 und 1806 erfolgten Kriege und weite Gebietsabtretungen an Frankreich. Dessen Kaiser Napoleon Bonaparte forderte schließlich die Übergabe der Römischen Kaiserwürde. Aus diesem Grunde übertrug der letzte Römische Kaiser in Deutschland, Franz der Zweite diese auf Österreich. (Siehe auch den Artikel Koaliationskriege.)

1806 erfolgte in Paris die Gründung eines französischen Protektorates namens Deutscher Rheinbund. Infolge dessen legte Franz der Zweite am 6. August 1806 die Römisch-Deutsche Kaiserwürde nieder. 1813/15 wurden Forderungen der Auferrichtung des Deutschen Reiches laut. An dessen Stelle trat jedoch 1815 der Deutsche Bund, der 1866/67 vom Norddeutschen Bund abgelöst wurde. (Siehe auch den Artikel Deutsche Frage.)

1871 Bildung des deutschen Nationalstaates, der den Namen "Deutsches Reich" trug und ein deutsches Kaiserreich war. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das Deutsche Reich seine Kolonien. 1914—1918 Teilnahme des Reiches am Ersten Weltkrieg, an dessen Ende die Abschaffung der Monarchie stand.

20. Jahrhundert Bearbeiten

1918 Ausrufung der Republik unter der Beibehaltung des Namens "Deutsches Reich". Dieser Staat ist heute als Weimarer Republik bekannt, welcher zwischen 1918 und 1933 bestand. 1933 Zerschlagung der Republik und Errichtung des sogenannten Dritten Reiches durch die Nationalsozialisten.

Ab März 1938 Expansion des Deutschen Reiches im Osten Europas. So wurden beispielsweise Österreich und das Sudetenland dem Reich angeschlossen. (Siehe auch den Artikel Großdeutsches Reich.)

1945 wurde das Deutsche Reich zwischen den Siegermächten geteilt und im Osten Gebietsabtretungen an Polen und die Sowjetunion durchgeführt. (Siehe auch den Artikel Deutsche Ostgebiete.) Die Republik Österreich wurde wieder eigenständiger Staat. Das restliche Gebiet wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt und der Verwaltung der Siegermächte unterstellt.

1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Damit bestanden zwei Staaten auf dem Gebiet des Deutschen Reiches. Während sich die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches betrachtete und den Alleinvertretungsanspruch für alle Deutschen erhob, betrachtete die DDR das Deutsche Reich als erloschen.

Mit der deutschen Wiedervereinigung (1990) erklärte die gesamtdeutsche Regierung die Gebietsgleichheit zwischen dem Deutschen Reich und der heutigen Bundesrepublik. Damit ist de facto die Bundesrepublik Deutschland mit dem Deutschen Reich identisch.

Weblinks Bearbeiten

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