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Deutscher Nationalstaat, 1871 geschaffenes Völkerrechtsobjekt in Form des Deutschen Kaiserreiches. Heute in der Bundesrepublik Deutschland fortlebend.

Geschichte Bearbeiten

Vorgeschichte Bearbeiten

In der deutschen Geschichte gab es lange Zeit keinen Nationalstaat. Obgleich das Staatswesen, in dem die Deutschen lebten, den Namen Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation trug, war dieses ein Nationalitätenstaat. Nach dessen Ende (1806) Beginn der deutschen Frage. Infolge dessen 1848/49 Streit, wie dieses Gesamtdeutschland auszusehen und welches Territorium es umfassen sollte. (Siehe hierzu auch Großdeutsche Idee und Kleindeutsche Idee)

Vom Norddeutschen Bund zum Deutschen Kaiserreich Bearbeiten

Nach Ende des Deutschen Bundes (1866) Beginn der Schaffung einheitlicher Strukturen in Form des Norddeutschen Bundes. 1870/71 Erweiterung des Norddeutschen Bundes zum Deutschen Kaiserreich. Der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck erklärte das Deutsche Kaiserreich für saturiert und den deutschen Nationalstaat für vollendet. Da jedoch das neue Deutsche Kaiserreich nur rund 65 % des deutschen Sprachraumes und zahlreiche ethnische Minderheiten in seinen Grenzen beinhaltete, war es sowohl ein Unter- wie auch ein Übernationalstaat. Ersteres, da vor allem die Deutschen in Deutsch-Österreich von der deutschen Einheit ausgeschlossen waren, letzteres, da vor allem in den deutschen Ostgebieten eine starke polnische Minderheit bestand.

Auch die dem Kaiserreich nachfolgenden Staatsformen (Weimarer Republik und Drittes Reich) waren de facto sowohl Über- als auch Unternationalstaaten. Im Zuge des deutschen Imperialismus begann letzteres ab 1940 verschiedene ethnische Deutsche aus den Ländern Osteuropas in das durch die Vereinigung mit der Republik Österreich entstandene Großdeutsche Reich in den gemischtsprachigen Ostgebieten anzusiedeln. (Siehe auch Heim ins Reich)

Um nun an den Ostgrenzen ein geschlossenes deutsches Sprachgebiet zu erhalten, wurden rund 1,1 Millionen Polen aus ihren alten Siedlungsgebieten in das sogenannte Generalgouvernement Polen zwangsumgesiedelt.

Der deutsche Nationalstaat nach dem Zweiten Weltkrieg Bearbeiten

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) wurde das "Großdeutsche Reich" Adolf Hitlers zerschlagen und in Besatzungszonen aufgeteilt. Österreich und die anderen dem Dritten Reich angegliederte Gebiete wurden nicht mehr zum deutschen Nationalstaat gerechnet.

Bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland (Mai 1949) und der Deutschen Demokratischen Republik (Oktober 1949) galt Deutschland in den Grenzen von 1937 als völkerrechtlicher deutscher Nationalstaat. Bis ca. 1968 war die DDR der offiziellen Ansicht, der rechtmäßige deutsche Nationalstaat zu sein, da das Deutsche Reich 1945 untergegangen und die BRD ihrerseits ein "Besatzungskonstrukt" darstelle. Die Bundesrepublik war der offiziellen Ansicht, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 fortbestehe und es nur eine deutsche Staatsangehörigkeit gebe. Der deutsche Nationalstaat bestand demnach aus seinem Alleinvertreter Bundesrepublik Deutschland, dem sowjetischen Besatzungskonstrukt DDR und den deutschen Ostgebieten, die zurzeit unter der Verwaltung Polens und der Sowjetunion standen. In dieser Auffassung war die BRD mit dem Deutschen Reich teilidentisch und nicht ein Rechtsnachfolger, wie es die DDR behauptete.

Der deutsche Nationalstaat bis zur Wiedervereinigung Bearbeiten

Während die BRD de jure auf dem Deutschland in den Grenzen von 1937 als deutschen Nationalstaat bestand, gingen die übrigen Staaten davon aus, dass es nunmehr zwei deutsche Nationalstaaten in Form der Bundesrepublik Deutschland und der DDR gab. Österreich und die ehemaligen deutschen Ostgebiete wurden nicht mehr dazu gerechnet.

In den 1970er erkannte die BRD de facto diese Rechtssituation an und schloss mit seinen Nachbarstaaten im Osten zahlreiche Verträge ab, die die bestehenden Grenzen anerkannten. In den Vertragstexten wurde jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 weiter bestehe und abschließende Grenzverträge in einem Friedensvertrag mit einem wiedervereinigten Deutschland zu schließen seien. Dieses wurde auch von bundesdeutscher Seite auch in mehreren Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes festgestellt. Ende der 1980er Jahren kam es in den Ostblockstaaten zum politischen Umbruch, in dessen Folge am 3. Oktober 1990 die Vereinigung von BRD und DDR stand. In späteren Verträgen verzichtete das vereinigte Deutschland auf alle territorialen Besitzansprüche auf die ehemaligen Ostgebiete, sodass der deutsche Nationalstaat mit den aktuellen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland übereinstimmt.

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