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Deutscher Kulturraum, auch deutscher Kulturboden, Region in Europa. Umfasst im Wesentlichen das Gebiet der deutschen Sprachnation, dass in diesem Sinne auch als deutsches Volksgebiet oder auch als deutscher Volksboden bezeichnet wird.

Geschichte Bearbeiten

Der Begriff "deutscher Kulturraum" entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde im 20. Jahrhundert vor allem von deutsch-völkischen Gruppierungen verwendet. Mit diesem Wort wurden jene Regionen Europas bezeichnet, die man als "deutsch" oder mit "deutscher Kultur durchdrungen" sah. In diesem Sinne galten auch jene Gebiete zu diesem Bereich, die einst zum Heiligen Römischen Reich gehört hatten. Als ganz selbstverständlich galt die Eingliederung des niederländischen Sprachgebietes in das deutsche Volksgebiet, da es doch ein "niederdeutsches Sprachgebiet in den Niederlanden und in Belgien darstelle".

Umfang des deutschen Kulturraumes Bearbeiten

Darüber hinaus wurden auch romanischsprachige und dänischsprachige Gebiete hinzugerechnet. So galten der französische Teil Deutsch-Lothringens und das gesamte Herzogtum Schleswig, welches im Norden überwiegend von Dänen bewohnt war, als Teil des deutschen Kulturraumes. Im Osten galten Böhmen und Mähren sowie die polnischsprachigen Gebiete Preußens diesem zugehörig. Darüber hinaus wurde auch die rätoromanische Schweiz und das heutige Slowenien dazugezählt. Die deutschen Sprachinseln im damaligen Königreich Ungarn galten in diesem Sinn als deutsches Volksgebiet und deren anderssprachiges Umland als deutscher Kulturraum. Ironischerweise wurden die deutschen Sprachinseln im damaligen Zarentum Russland, das östlich der preußischen Grenzen begann, zwar zu den deutschen Siedlungsgebieten, deren Umland jedoch nicht zum deutschen Kulturraum gezählt. Das Königreich Ungarn, die ehemalige Freigrafschaft Burgund und die wallonischen Gebiete Belgiens galten als ehemaliges deutsches Kulturgebiet bzw. in Bezug auf Ungarn als deutsch verwaltete Gebiete.

Der deutsche Kulturraum innerhalb der deutschen Frage von 1848 Bearbeiten

Die deutsche Frage von 1848/49 stellte nicht nur den Streit dar, ob das damalige Kaiserreich Österreich in einem zukünftigen Deutschen Reich angehöre oder nicht. Die Vertreter der großdeutschen Idee sahen einen Zusammenschluss des Deutschen Bundes mit der Gesamtmonarchie Österreich-Ungarns vor. Das hieß, dass mit dieser Lösung auch die fremdsprachigen Gebiete der Monarchie ein Teil des neuen Deutschen Reiches geworden wären. Es handelte sich also um eine Vereinigung des deutschen Volks- und Kulturraumes. Dem gegenüber standen die Vertreter der kleindeutschen Idee, die nur den Zusammenschluss des geschlossenen deutschen Sprachgebietes einschließlich der als "Deutsch-Österreich" bezeichneten Gebietsteile forderte. Einzige fremdsprachige Gebiete wären die preußischen Gebietsteile im Osten und der dänische Norden Schleswigs gewesen. Ironischerweise wurde aber von den Vertretern nie die Angliederung der Deutsch-Schweiz an einen zukünftigen "gesamtdeutschen Staat" gefordert.

Der deutsche Kulturraum in einem zukünftigen nationalsozialistischen Europa Bearbeiten

Ende der 1930er Jahre wurde diese Idee, die Vereinigung des deutschen Volks- mit dem deutschen Kulturraum wieder aufgegriffen. Adolf Hitler ließ 1939 die heutige tschechische Republik mit der Begründung in das Dritte Reich eingliedern, dieses Gebiet habe seit nunmehr 1000 Jahren entweder zum Deutschen Reich gehört bzw. habe unter der deutschen Verwaltung der österreichischen Reichshälfte gestanden. In den 1940er Jahren träumte Reichsführer-SS Heinrich Himmler von einem sogenannten "großgermanischen Volksreich, das in einem nationalsozialistischen Europa unter der Führung der SS entstehen sollte.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Alexander Demandt (Hrsg.): Deutschlands Grenzen in der Geschichte, Verlag C. H. Beck München 1990, ISBN 3-406-34391-0
  • Helmut Berschin: Deutschland — ein Name im Wandel. Die deutsche Frage im Spiegel der Sprache, Günter Olzog Verlag München—Wien 1979, ISBN 3-7892-7180-2


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