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Deutsche Volksgruppen
Deutsche Volksgruppen, auch deutsche Minderheiten, Sammelbegriff und Eigenbezeichnung ethnischer Deutscher, die außerhalb der deutschsprachigen Staaten leben. Sie bilden innerhalb fremder Sprachen geschlossene deutschsprachige Siedlungsgebiete oder Sprachinseln.
Unter diese Begriffsbestimmung fallen also die Sprecher der deutschen Sprache oder eines Dialektes. Sprecher des Niederländischen werden nicht zu dieser Gruppe gerechnet, obgleich sie lange Zeit dem niederdeutschen Sprachgebiet zugerechnet wurden.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
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In der deutschen Geschichte waren Sprach- und Staatsgrenzen nie deckungsgleich. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde begonnen, rund 50.000 Deutsche aus Galizien und Russland in das Deutsche Kaiserreich zu holen und diese in der Provinz Posen anzusiedeln.[1] Im Verlauf des Ersten Weltkrieges forderten die Anhänger des Alldeutschen Vereins (Deutsches Kaiserreich) auf der einen und die Anhänger der Alldeutschen Bewegung (Österreich-Ungarn) auf der anderen Seite eine groß angelegte "ethnische Flurbereinigung", in deren Folge die zahlreichen deutschen Volksgruppen ins Deutsche Kaiserreich umzusiedeln sollten. So sollten die ethnisch gemischten Gebiete vor allem im Osten des Reiches, aber auch in der Donau-Monarchie, bereinigt und damit ein geschlossener deutscher Sprachraum geschaffen werden. Doch stießen solche imperialistischen Forderungen nicht gerade auf die Gegenliebe der betreffenden Gruppen.
So lebten 1927 von den rund 100 Millionen Deutschen rund 80 Millionen einschließlich der Reichsdeutschen auf 17 Staaten verteilt:[2]
| Staat | Zahl der dort wohnenden Deutschen |
|---|---|
| Deutsches Reich, unbesetztes Gebiet | 51.000.000 |
| Deutsches Reich, besetztes Gebiet | 10.000.000 |
| Deutsch-Österreich | 6.500.000 |
| Tschechoslowakei | 3.600.000 |
| Schweiz | 3.000.000 |
| Frankreich | 1.634.000 |
| Polen | 1.364.000 |
| Rumänien | 800.000[3] |
| Ungarn | 550.000 |
| Jugoslawien | 500.000 |
| Danzig | 330.000 |
| Italien | 260.000 |
| Luxemburg | 200.000 |
| Litauen | 100.000 |
| Lettland | 75.000 |
| Belgien | 49.000 |
| Dänemark | 40.000 |
| Estland | 25.000 |
In dieser Tabelle sind die rund 1,8 Millionen Russland-Deutschen nicht berücksichtigt, von denen rund 400.000 an der mittleren Wolga eine autonome Republik besaßen. Die älteste deutsche Volksgruppe bilden die Deutschen in Rumänien, deren Vorfahren bereits im 12. Jahrhundert in die heutigen Siedlungsgebiete kamen.
Die meisten deutschen Volksgruppen im Osten Europas entstanden im Laufe zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Aber auch auf dem amerikanischen Kontinent und in Südafrika leben Nachfahren deutschsprachiger Siedler. Teilweise rechnen sich diese noch heute der deutschen Volksgruppe zu.
Zwischen 1939 und 1941 wurde von Seiten der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler begonnen, die zahlreichen deutschen Sprachinseln in das Großdeutsche Reich umzusiedeln. Dieses betraf rund 900.000 Deutsche. Auf der anderen Seite wurde von Seiten der UdSSR begonnen, die Deutschen aus den westlichen Landesteilen und dem Kaukasus nach Zentralasien umzusiedeln. Dieses betraf vor allem folgende deutsche Volksgruppen:
| Heimatland | Zielregion | Umgesiedelte Deutsche |
|---|---|---|
| Estland | Reichsgau Danzig-Westpreußen und Warthegau | 16.700 |
| Lettland | Reichsgau Danzig-Westpreußen und Warthegau | 64.000 |
| Litauen | Reichsgau Danzig-Westpreußen und Warthegau | 52.900 |
| Ostpolen[4] | Warthegau | 159.000 |
| Bessarabien | Warthegau | 93.000 |
| Nördliche Bukowina | Warthegau | 43.600 |
| Südliche Bukowina | Warthegau | 52.100 |
| Rumänien | Warthegau | 10.100 |
| Dobrudscha | Warthegau und Ostoberschlesien | 16.000 |
| Bulgarien | Ostoberschlesien | 4.500 |
| Jugoslawien | Südkärnten und Untersteiermark | 35.800 |
| Generalgouvernement | Warthegau, Ostoberschlesien und Reichsgau Danzig-Westpreußen | 33.000 |
| Südtirol | Nord- und Osttirol | 72.000 |
| Russland | Kasachstan, Kirgisien, Altaigebiet | 550.000[5] |
| Kaukasus | Sibirien | 20.000 |
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden rund 16 Millionen Deutsche aus dem europäischen Osten vertrieben. Diese Aktionen betrafen vor allem folgende Gebiete:
| Vetreibungsgebiet | Zielland | Vertriebene Deutsche | Verbliebene Deutsche |
|---|---|---|---|
| Danzig und Ostpreußen | Bundesrepublik Deutschland und DDR | 2.250.000 | 200.000 |
| Pommern und Ostbrandenburg | Bundesrepublik Deutschland und DDR | 1.900.000 | 100.000 |
| Schlesien | Bundesrepublik Deutschland und DDR | 3.200.000 | 800.000 |
| Tschechoslowakei | Bundesrepublik Deutschland, DDR und Österreich | 3.500.000 | 61.000 |
| Südosteuropa | Österreich | 650.000 | |
| Alt-Polen | Bundesrepublik Deutschland und DDR | 990.400 | |
| Ungarn | Bundesrepublik Deutschland und Österreich | 250.000 | 300.000 |
| Jugoslawien | Bundesrepublik Deutschland und Österreich | 549.140 | 8.600 |
| Rumänien | Bundesrepublik Deutschland und Österreich | 600.000 | 200.000 — 220.000 |
| Frankreich | Bundesrepublik Deutschland | 100.000 | 1.534.000 |
Insgesamt nahmen die vier Besatzungszonen in Deutschland 12,5 Millionen vertriebene Deutsche auf, von denen 9,5 Millionen auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik lebten. 3 Millionen lebten in der DDR. Österreich nahm nach 1945 rund 400.000 vertriebene Volksdeutsche auf.
In der nachfolgenden Tabelle wird angeben, in welchen 27 Ländern die deutschen Volksgruppen (Stand 1990) siedeln.[6] Außerhalb dieser Betrachtung bleibt die Situation in den deutschsprachigen Staaten.
| Staat | Anzahl der Deutschsprachigen |
|---|---|
| Argentinien | 300.000 |
| Australien | 109.446[7] |
| Belgien | 100.000 — 120.000 |
| Belize | 3.300 |
| Bolivien | 11.000 |
| Brasilien | 500.000 — 1.500.000 |
| Chile | 20.000 — 35.000 |
| Dänemark | 20.000 |
| Ecuador | 3.000[8] |
| Frankreich | 1.200.000[9] |
| Israel | 95.693[10] |
| Italien | 290.000 |
| Kanada | 438.680[11] |
| Kolumbien | 10.000 — 12.000[12] |
| Mexiko | 50.000 — 60.000 |
| Namibia | 20.000 |
| Paraguay | 150.000[13] |
| Peru | 4.500 |
| Polen | 1.100.000[14] |
| Rumänien | 200.000 — 220.000[15] |
| Sowjetunion | 1.103.552[16] |
| Südafrika | 41.057[17] |
| Tschechoslowakei | 61.917[18] |
| Ungarn | 220.000[19] |
| Uruguay | 8.000 — 9.000[20] |
| Vereinigte Staaten | 1.610.000[21] |
| Venezuela | 25.000 |
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und des Ostblockes hat sich die Situation der deutschen Volksgruppen im Osten Europas grundsätzlich verändert. Mit Ausnahme der Sprachinseln in Ungarn und Siebenbürgen sowie dem Siedlungsgebieten in Oberschlesien sind die deutschen Volksgruppen durch die Aussiedlung ihrer Angehörigen in die Bundesrepublik Deutschland (1990 — 2001) erloschen und untergegangen.
Literatur
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- Hans Brauweiler: Schule der Politik. Unterrichtsbriefe, Deutsche Hausbücherei Hamburg 1927
- Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Kleiner Atlas zur deutschen Territorialgeschichte, Köllen Druck + Verlag GmbH Bonn 1990, ISBN 3-88557-057-2
- Manfred Straka: Deutsche in aller Welt, Österreichische Landsmannschaft, Eckartschriften Heft 19, 1961
- Gerhard Brugger: Die deutsche Volksgruppe in Belgien gestern — heute — morgen, Österreichische Landsmannschaft, Eckartschriften Heft 29, 1969
- Verein für das Deutschtum im Ausland: Die Deutschen in aller Welt, Globus Spezial (ohne Jahrgang)
- Klemens Ludwig: Ethnische Minderheiten in Europa. Ein Lexikon., Beck'sche Reihe, ISBN 3-406-39215-6
Fußnoten
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- ↑ Offiziell sogenannte "Rückwanderer".
- ↑ Heinz Brauweiler: Schule der Politik, S. 41
- ↑ Davon 232.000 Siebenbürger Sachsen und 550.000 Banater Schwaben.
- ↑ Vor allem Wolhynien, Galizien und das Narewgebiet
- ↑ Davon 350.000 Wolgadeutsche und 100.000 Schwarzmeerdeutsche
- ↑ Teilweise sind die verwendeten Daten veraltet, da sie aus den 1970er und 1980er Jahren stammen.
- ↑ Stand 1986
- ↑ 1.500 deutsche Staatsangehörige und 1.500 eingebürgerte Deutschsprachige
- ↑ Stand 1982
- ↑ Stand 1975. Deutschsprachige Juden aus Deutschland und Österreich
- ↑ Stand 1986. Dazu rund 112.545 Personen mit Deutsch als Haussprache
- ↑ Stand 1988
- ↑ Stand 1985
- ↑ Stand 1983. Laut Volkszählung 2002 rund 157.000 Deutsche.
- ↑ Heute noch rund 20.000 Deutsche, da die Mehrheit der Deutschen zwischen 1990 und 2002 in die Bundesrepublik Deutschland ausgesiedelt sind
- ↑ Stand 1979
- ↑ Stand 1980
- ↑ Stand 1980
- ↑ Stand 1980
- ↑ Stand 1979
- ↑ Stand 1980