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Deutsche Nationalsozialistische
Arbeiterpartei
Gründungsdatum April 1918
(de jure)
4./5. Mai 1918
(de facto)
Sitz Aussig
Parteiform Arbeiterpartei
Bekenntnispartei
Kleinpartei
Rechtspartei
Ausrichtung antifeudal
antijudaisch
antikapitalistisch
antiklerikal
antimarxistisch
antislawisch
basisdemokratisch
gewerkschaftlich
großdeutsch
nationalsozialistisch
parlamentarisch
sozialrevolutionär
völkisch
Gliederung regional
Parteivorsitzender Hans Knirsch (1877–1933)
Stellvertreter Walter Riehl (1881–1955)
Karl Schulz
Ferdinand Burschowsky
Trägerverein NSAV für Deutschösterreich
Parteiorgan(e) Deutschösterreichische Tageszeitung (DÖTZ)
Aufgelöst seit

5. Mai 1918
(de jure)
November 1919
(de facto)

Eingegliedert von

DSNAP (Österreich)
DNSAP (CSR)
NS-Arbeiterverein (Polen)

Rechtsnachfolger von

Deutsche Arbeiterpartei (Österreich-Ungarn)

Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP), Eigenname. Bezeichnung einer politischen Partei, die zwischen Mai und November 1918 bestand und ihren Sitz in Aussig (Ústí nad Labem) hatte. Obmann war Hans Knirsch (1877–1933), Parteiorgan die Deutschösterreichische Tageszeitung.

Die deutschsprachige Geschichtswissenschaft der 1920er und 1930er Jahre bezeichnete die DNSAP generell als geistigen Wegbereiter des reichsdeutschen Nationalsozialismus hitlerischer Prägung, indes Adolf Hitler (1889–1945) ab 1926 vehement bestritt, dass die DNSAP und die von ihm geführte NSDAP ideologisch verbunden waren. Vielmehr definierte Hitler sie als Teil der marxistischen Gewerkschaftsbewegung Österreichs. Die heutige Geschichtswissenschaft schloss sich nach 1945 der früheren Auffassung an und sieht ebenfalls als frühen Vorläufer der späteren Hitlerbewegung.

Konträr zur Hitlerbewegung vertrat die DNSAP reale sozialistische und deutschnationale Forderungen und definierte sich als Teil der völkischen Gewerkschaftsbewegung („völkische Linke“).

Parteigeschichte Bearbeiten

Ideologische Ausrichtung, Ziele Bearbeiten

Die DNSAP wird heute parteiprogrammatisch der radikalen Rechten zugerechnet, die sowohl sozialrevolutionäre als auch nationalrevolutionäre Ziele anstrebte sowie versuchte, deutschvölkische Ziele zu realisieren. Gesellschaftlich gedachte die Partei, die bestehende Gesellschaftsformen revolutionieren. Ihre Volkstumspolitik sah sie in der Stärkung des sudeten- und alpendeutschen Grenzlanddeutschtums.

Trotz ihrer Zugehörigkeit zur völkischen Bewegung, insbesondere der deutschvölkischen, war die DNSAP per se nicht antisemitisch. Vielmehr gab sie sich antijudaisch, denn die Partei sah in der Bekämpfung der österreichischen Sozialdemokratie und in der Bekämpfung des Slawentums sowie in der Stärkung des Grenzlanddeutschtums ihr Primärziel. Dass, und ihr Bekenntnis zur Gewerkschaftsbewegung und zu basisdemokratischen Strukturen, wurde der Partei vor allem von der Alldeutschen Partei, das heißt, von den fanatischen Anhängern des radikalen Rassenantisemiten Georg von Schönerer (1842–1921), vorgeworfen.

1913 nahm die Deutsche Arbeiterpartei das Iglauer Programm an, das sich eng am Linzer Programm von 1882 (dem Grundsatzprogramm der deutschnationalen Bewegung in Österreich) anlehnte und das auch in der Anfangszeit der DNSAP übernommen wurde. Maßgebliche Gestaltung an diesem Programm hatten Walter Riehl (1881–1955) und Rudolf Jung (1882–1945).

Im Dezember 1918 wurde ein neues Parteiprogramm vorgestellt, das fällig wurde, nachdem sich die DNSAP einen Monat vorher in zwei „nationale Flügel“ hatte spalten müssen, da Deutschösterreich auf die Staaten Italien, Österreich und Jugoslawien sowie auf die Tschechoslowakei aufgeteilt wurde. Das neue Parteiprogramm wurde unter dem Namen „Nationaler Sozialismus“ vorgestellt und fußte auf den Arbeiten Jungs. Dieser orientierte sich stärker an den Wertevorstellungen der Deutschvölkischen und Alldeutschen, übernahm aber auch Forderungen der Deutschnationalen. Laut dieser Partei war die Partei unabhängig, national, antifeudal und antiklerikal sowie sozialrevolutionär. Primärziele waren nun die Sozialisierung der bestehenden Gesellschaft und der Anschluss der geschlossenen deutschen Siedlungsgebiete der ehemaligen Österreichischen Reichshälfte an das Deutsche Reich („Anschluss“), womit die DNSAP zur Anschlusspartei wurde.

Vorläufer/Vorgeschichte Bearbeiten

Die Vorgeschichte der DNSAP begann bereits im Januar 1902, als sich ein Teil der Alldeutschen sich unter der Federführung Karl Hermann Wolfs (1862–1941) von der Alldeutschen Partei trennte und sich als sogenannte Freialldeutsche Vereinigung neu formierte. 1903 benannte sich die Wolf-Gruppe in Deutschradikale Partei um, die vor allem in Deutschböhmen, Deutschmähren und Sudetenschlesien agierte.
Am 15. November 1903 wurde in Aussig (Ústí nad Labem) aus Teilen der Deutschradikalen und zahlreichen völkischen Agitationsverbänden und Vereine eine Deutsche Arbeiterpartei (DAP) begründet, die sich als Teil der völkischen Linken und der Gewerkschaftsbewegung sah. Doch galt die DAP als inhomogen, da ihre Mitglieder zahlreichen und zum Teil zueinander konträr stehenden Organisationen entstammten. Ihr Minimalkonsens war der „Kampf gegen die tschechischen Unternehmer und die deutsche Sozialdemokratie“.[1] Doch war der Gründungsparteitag von Richtungskämpfen geprägt. Die meisten Gründungsmitglieder waren Arbeiter aus den umliegenden deutschböhmischen und deutschmährischen Industriegebieten, aus den Alpengebieten erschienen nur wenige Vertreter aus Wien und Linz. Ihre Vorwürfe, dass deutsche Arbeiter in Böhmen-Mähren und Sudetenschlesien von tschechischen Kollegen in allem benachteiligt würden, entsprachen nicht der Wahrheit, schweißte aber die Parteimitglieder über dieses antislawische Verhalten zusammen.[1] Wirtschaftlich waren die deutschen Siedlungsgebiete der Österreichischen Reichshälfte den anderen weit voraus, die Löhne durchaus höher und die allgemeinen Lebensbedingungen besser als in den slawisch besiedelten Landesteilen.[1]

Alles in allem war die DAP ein Zusammenschluss zahlreicher kleiner völkisch ausgerichteter und regional agierenden Gewerkschaften, Gesellen- und Gehilfenvereinen, Fachverbänden und Beamtenvereinigungen; im Grunde konnte sie als politischer Arm der (deutsch)völkischen Gewerkschaftsbewegung angesehen werden. Eine Eigenschaft, die auch der ihr nachfolgende DNSAP anhaften blieb.[1] Im Mai 1911 kam es zur internen Umbenennung der DAP in „Deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei“. Zuvor hatte sich schon innerhalb der Partei eine Radikalisierung durchgesetzt und der Sprachgebrauch strotzte nun von nationalistisch-rassistischen und antisemitischen Schlagwörtern. Doch es sollte noch sieben Jahre dauern, bis sich der neue Name durchsetzen sollte.[2]

Parteibesitz Bearbeiten

Die DNSAP galt, wie ihre Vorläuferin, als wohlhabend: 1912 besaß die Partei neun Zeitungen, elf Gewerkschaftsblätter, zwölf Sekretariate, eine zentrale Arbeitsvermittlung, siebzehn Konsum- und elf Wohnungsbaugenossenschaften sowie eine parteieigene Druckerei.[2]

Gründung, erste Erfolge Bearbeiten

Gründung Bearbeiten

Im April 1918 verlangte der Gewerkschaftler Franz Gattermayer, dass sich die DAP nun endgültig in „Deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei“ umbenenne und beharrte seinerseits auf die Hinzufügung der Attribute „national“ und „sozialistisch“ zum bisherigen Parteinamen. Dieser Vorschlag wurde im August 1918 auf einem Parteikongress zu Wien angenommen, nachdem sich auch Walter Riehl sich für die Umbenennung ausgesprochenen hatte.[3]

Formal wurde die DNSAP bereits am 5. Mai 1918 begründet, als sich die DAP umbenannte und galt als deutschösterreichische Antwort auf die Gründung einer Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Böhmens, die bereits 1897 von radikalen Vertretern der tschechischen Sozialdemokratie geschaffen wurde.
Nur einen Tag zuvor, am 4. Mai 1918, vertrat der ehemalige Sozialdemokrat Riehl auf einer Tagung in Aussig offen die Ansicht, dass in der DAP verstärkt marxistische Positionen vertreten werden müssten, um sich so von den bürgerlichen Deutschnationalen und der rechtssozialistischen Sozialdemokratie abgrenzen zu können; doch eine marxistische Klassenpartei solle die DAP nicht werden. Man kam auf dieser Sitzung überein, dass die Partei, aufgrund einer befürchteten Zerschlagung der Gesamtmonarchie Österreich-Ungarn in souveräne Nationalstaaten, in zwei „nationale“ Schwesternparteien splitten müsse. Eine sollte in den deutschen Gebieten Böhmen-Mährens, die andere in den Alpenländern agieren. Nur einen Tag später wurde die Trennung vollzogen und intern die Partei in DNSAP umbenannt.

Am 18. Oktober 1918, als sich langsam das Ende des I. Weltkrieges (1914–1918) abzeichnete, beschlossen die politischen Vertreter der Deutschösterreicher, dass sich ihr Siedlungsgebiet als föderaler Bundesstaat dem Deutschen Reich anschließen sollte,[4] und wie so viele in der untergehenden Donaumonarchie gaben ihre radikalsten Vertreter dem sogenannten Finanzjudentum die Schuld an der Niederlage.

Erste Erfolge Bearbeiten

Nach ihrer Gründung hatte die DNSAP einen besonders starken Rückhalt in den Sudetenländern und in den südlichen Grenzgebieten Österreichs, namentlich Südkärnten, der Südsteiermark und in Südtirol, eben in jenen Gebieten, die sich in ihrem Deutschtum bedroht sahen. Dieser politische Erfolg war jedoch nicht auf die DNSAP allein zurückzuführen, sondern rührte daher, dass zuvor auch schon die DAP dort fest etabliert war.

Höhepunkte Bearbeiten

1929 erhielt die DNSAP in der Tschechoslowakei acht Sitze im tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus.[5]
Im übrigen deutschsprachigen Gebiet der ehemaligen Donaumonarchie galt die DNSAP lange Zeit als unbedeutende Splittergruppe der Völkischen.

Krisen Bearbeiten

1909 kam es innerhalb der DAP, der Vorläuferin der DNSAP, zu Flügelkämpfen: Die parteiinternen Sozialrevolutionäre stellten den Antrag, die Partei offiziell in Deutschsoziale Partei umzubenennen. Dieser Antrag scheiterte jedoch am Widerspruch der Mehrheit, doch hatten die Sozialrevolutionäre durchsetzen können, sich nun offiziell „Nationalsozialisten“ nennen zu dürfen.[3] Das Gros der Parteimitglieder sah sich offen als gutbürgerlich und die damalige DAP definierte sich als Bürger-, Bauern- und Arbeiterpartei, wobei der Vorstand seinerseits mit den „alten demokratischen und parlamentarischen Traditionen aller politischen Richtungen in Österreich“ kokettierte, was bedeutete, dass sich die DAP auch zur parlamentarischen Demokratie bekannte. Zudem war ihr ein radikaler Antisemitismus fremd.[6]

Die DNSAP in der Tschechoslowakei schloss sich frühzeitig der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Adolf Hitlers an, agierte jedoch offiziell unter ihren eigenen Führern weiter. 1933 wurde sie von den tschechischen Behörden aufgelöst.[5]

Auflösung der Gesamtpartei, spätere Einigungsversuche Bearbeiten

Auflösung der Gesamtpartei Bearbeiten

Am 5. Mai 1918 löste sich die DNSAP formal in zwei eigenständige Parteien gleichen Namens auf. Doch es sollte bis zum November dauern, bis die Trennung de facto vollzogen war. Auf dem Gebiet der Tschechoslowakei agierte die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei unter der politischen Führung Rudolf Jungs und Hans Knirschs, in Österreich die gleichnamige Schwesternpartei unter der Führung Walter Riehls. In den an Polen abgetretenen Gebietsteilen Österreichisch-Schlesiens agierte auf Vereinsbasis der Deutsche nationalsozialistische Arbeiterverein, der in Bielitz-Biala (Bielsko-Biała, Bîlsko-Bêlá) seinen Sitz hatte.
Die beiden DNSAPs besaßen ein gemeinschaftliches Parteiprogramm, an dem auch die Vereinssatzung des polnischen Vereins angelehnt war.

Einigungsversuche Bearbeiten

Am 7. und 8. Dezember 1918 nahmen beide DNAPs in Wien verbindlich das von Jung verfasste Wiener Programm an, das den Namen „Nationaler Sozialismus“ trug und deutlich deutschvölkisch ausgelegt war. Hatte sich die alte DAP 1914 noch für den Erhalt der Donaumonarchie eingesetzt, stand nunmehr der großdeutsche Gedanke im Vordergrund. Primärziel war nun die staatliche Verschmelzung Österreichs und des Sudetenlandes sowie Deutschsüdtirols und dem Untersteirischen Dreiecks mit dem Deutschen Reich, also im Grunde die Wiederherstellung des proklamierten „Deutschland in den Grenzen vom 12. November 1918“. Als Vertreter der reichsdeutschen Nationalsozialisten war der politische Führer der Deutschsozialistischen Partei (DSP), Alfred Brunner (1871–1936) anwesend.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 61
  2. 2,0 2,1 Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, Bd. I, S. 63
  3. 3,0 3,1 Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 64
  4. Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 66
  5. 5,0 5,1 Der Neue Brockhaus (1938), Bd. I, S. 535
  6. Michael E. Holzmann: Die österreichische SA und ihre Illusion von „Großdeutschland“, S. 62