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Brockhaus 1894 Deutsche Mundarten

Deutsche Dialekte um 1894

Deutsche Dialekte, auch deutsche Mundarten, umfassen jene kontinental-westgermanische Sprachen, die heute als Dialekt des Deutschen angesehen und empfunden werden.

Dialekte sind örtliche Ausprägungen einer Sprache. Wir verstehen darunter eine eigene Sprache mit einer eigenen Grammatik, die in einem bestimmten Gebiet gesprochen wird. Das Wort Dialekt stammt aus dem Griechischen und bedeutet Gespräch und Redeweise von Gruppen.               Dialekte bestehen aus einem eigenen Sprachsystem mit eigenen Regeln, das parallel zur Standartsprache gebraucht wird. Es gibt auch Dialekte, die in einem Umkreis von nur 30 km gesprochen werden. Im Allgemeinen sind alle deutschen Dialekte stark vom niederländischen beeinflusst wird

Geltungsbereich der deutschen Dialekte gestern und heute Bearbeiten

Die deutschen Dialekte wurden 1910 in einem geschlossenen Sprachgebiet gesprochen, der rund 728.000 km² umfasste. Darüber hinaus bestanden zahlreiche Sprachinseln im Osten Europas, in denen eigenständige Dialekte des Deutschen entstanden. Zusammen mit dem niederländischen Sprachraum hatten die deutschen Dialekte in Europa einen geschlossenen Geltungsbereich von über 783.000 km².

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) ist das deutsche Dialektgebiet stark geschrumpft und die Sprachinseln im Osten existieren bis auf Reste heute nicht mehr. Der deutsche Sprachraum umfasst heute um die 585.000 km² und das Niederländische wird diesem nicht mehr zugerechnet.

Einteilung in Sprachgebiete Bearbeiten

Das deutsche Dialektgebiet wird aufgrund sprachlicher Unterschiede in drei Sprachgebiete aufgeteilt:

  1. dem niederdeutschen,
  2. dem mitteldeutschen und
  3. dem oberdeutschen Sprachgebiet.

Das Erste zeichnet sich dadurch aus, dass es auf einem gemeingermanischen Sprachstand steht und damit Eigenschaften mit dem Englischen oder dem Schwedischen teilt. Siehe hierzu auch den Artikel Rheinischer Fächer.

Geschichte Bearbeiten

Vorzeit Bearbeiten

Die heutigen deutschen Dialekte entstammen dem Germanischen. Auf dem Gebiet der heutigen deutschsprachigen Staaten lebten zahlreiche Volksstämme, die alle ihre eigenen Sprachen, die Stammessprachen, hatten. Diese dürften sich relativ ähnlich gewesen sein. Doch man geht inzwischen davon aus, dass es auch zahlreiche Unterschiede unter ihnen gab. Die Franken begannen im Mittelalter die umliegenden Stämme zu unterwerfen und ihrem Königreich einzugliedern. Bis zum 9. Jahrhundert hatten sie die festlandgermanischen Stämme der Friesen, Sachsen, Thüringer, Alemannen und Baiern sowie die Langobarden unterworfen. Außerhalb ihres Reiches lebten nur noch die skandinavischen Völker und die Angelsachsen. Das Fränkische Reich wurde in Gaue aufgeteilt, die von einem Grafen in Namen des Königs verwaltet wurden. An den West- und Südgrenzen wies das Frankenreich jedoch auch eine starke romanische Bevölkerung auf. Germanen und Romanen siedelten dort in Gemenglage.

Bildung der deutsch-romanischen Sprachgrenze Bearbeiten

Im Jahr 843 wurde das Frankenreich unter den Erben Karls des Großen geteilt. Der romanische Westen mit seiner germanischsprachigen Minderheit fiel an das westfränkische und der germanische Osten an das ostfränkische Reich. Das überwiegend gemischtsprachige Gebiet einschließlich der friesischen Sprachgebiete fiel an das Herzogtum Lotharingen. 925 wurde dieses Gebiet endgültig zwischen beiden Ersten aufgeteilt und es bildete sich nun langsam die heutige deutsch-germanische Sprachgrenze heraus. Die germanische Bevölkerung südlich und westlich dieser Ausgleichslinie ging im Romanentum, die romanische Bevölkerung nördlich und östlich im Deutschtum auf. Auch die deutschsprachigen Langobarden wurden ab dem 11. Jahrhundert zu Romanen, indem sie einen Vorläufer des Italienischen annahmen. Die im 11. Jahrhundert erreichte Linie galt als fest und hat sich seit nunmehr 1.000 Jahren nur unwesentlich verändert.[1]

Klare Grenzen herrschten dagegen im Norden. An der Eider trafen sich das dänische und das deutsche Sprachgebiet. Südlich des Flusses wurde Deutsch, nördlich davon Altdänisch gesprochen. Im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts nahmen zahlreiche Dänen das Deutsche an und so wanderte die Sprachgrenze etwas nach Norden. Im Osten lebten seit dem 11. und 12. Jahrhundert Slawen und Deutsche in Gemenglage. Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Gebiet östlich der Linie Elbe-Saale-Böhmerwald-Adria in mehreren Etappen von Deutschen kolonisiert. Aber die deutsche Sprache konnte sich in diesem Gebiet nicht endgültig durchsetzen und so blieben zahlreiche slawische Minderheiten in ihm erhalten.

Entstehung der eigentlichen deutschen Dialekte Bearbeiten

Ab dem 10. Jahrhundert wurden in Deutschland aus den Gauen die Stammesherzogtümer gebildet, die wiederum in Grafschaften unterteilt waren. Das Fränkische hatte Vorbildfunktion für die in Deutschland gesprochenen germanischen Sprachen. So richteten sich die germanischen Sprachen nach Süden aus und übernahmen viele Neuerungen. Das deutsche Sprachgebiet war ab dem 6. Jahrhundert einer Lautverschiebung unterworfen, die von Süden nach Norden ging und sich während der nördlichen Wanderung abschwächte. Es entstanden auf diese Weise die drei innerdeutschen Sprachgebiete. Die Stammesherzogtümer gingen Verkehrsgemeinschaften untereinander ein und so glichen sich die germanischen Sprachen an den Grenzen langsam an und es entstanden breite Übergangszonen. Aus den germanischen Sprachen der Vorzeit wurden langsam Mundarten eines als Gesamtsprache betrachteten "Deutsch". In Deutschland gab es nun die Großgruppen des Fränkischen, des Sächsischen, des Alemannischen und des Bairischen sowie des Thüringischen. Die Friesen nahmen an dieser Entwicklung nicht teil und so wurde das Friesische eine eigenständige Nationalsprache. Diese zerfiel in der Folgezeit in drei Gruppen. Die Westfriesen waren dem Niederländischen, die Ostfriesen dem Niedersächsischen und die Nordfriesen dem Dänischen stark ausgesetzt.

Im Zuge der deutschen Ostsiedlung entstanden im Slawengebiet weitere deutsche Dialekte. Es waren Mischmundarten, bei denen ein Dialekt des Altsiedlungsgebietes zur Basis genommen wurde. So konnte man die neuen Kolonialdialekte bis heute einem der drei Sprachgebiete zurechnen.

Im Westen Deutschlands rangen seit der Hansezeit zwei Sprachen, das Mittelniederländische und das Mittelniederdeutsche um die Vorherrschaft. So war vor allem das nördliche Rheinland niederländisch, die östlichen Niederlande niedersächsisch und das Gebiet des Bistum Münster zweisprachig.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) verschob sich die deutsche Sprachgrenze weit nach Westen.

Sonderfall: die Dialekte am Niederrhein Bearbeiten

Lange Zeit wurde auch das niederländische Sprachgebiet dem Niederdeutschen zugerechnet und über die Dialekte des nördlichen Rheinland herrscht Uneinigkeit bezüglich der "sprachlichen Zugehörigkeit". Die einen sehen sie als niederländische Dialekte die anderen als deutsche. Am Niederrhein war jedoch bis weit ins 19. Jahrhundert das Niederländische Amts- und Schriftsprache. Gegen 1871 wurde vonseiten des Königreich Preußen begonnen, die deutsche Hochsprache in der Region durchzusetzen. Dennoch war das Gebiet jedoch noch lange Zeit zweisprachig. Erst 1937 wurde das Niederländische endgültig aus der Region verbannt und durch das Deutsche abgelöst. Aber noch heute sind die gesprochenen Dialekte des Niederrheins enger mit den niederländischen Dialekten als mit dem Niederdeutschen verwandt.

Traditionelle Übersicht Bearbeiten

Niederdeutsche Dialekte Bearbeiten

Mitteldeutsche Dialekte Bearbeiten

Ostmitteldeutsch Bearbeiten

Oberdeutsch Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. Erst nach 1945 wich die westliche Sprachgrenze stark nach Osten zurück, als im einstigen Deutsch-Lothringen das Deutsche rund 30 km nach Osten zurückgedrängt wurde. Damit gilt die einstige Sprachgrenze in diesem Gebiet als aufgehoben und fällt nun fast gänzlich mit dem Verlauf des Rheins zusammen.
  2. Zum Status des Niederfränkischen siehe auch den Artikel Niederländisches Sprachgebiet.
  3. Stark vom Westfälischen und zum kleinen Teil vom Limburgischen beeinflusst.
  4. Stark vom Ripuarischen beeinflusst.
  5. 5,0 5,1 Setzt sich Dialektal im Niederländischen fort.
  6. Koloniales Niedersächsisch
  7. Heute zusammen mit dem Südmärkischen dem Mitteldeutschen zugerechnet.
  8. Verschiedentlich auch zum Ostniederdeutschen gerechnet. Gilt allgemein jedoch als Teil des Mitteldeutschen.
  9. Verschiedentlich dem Mitteldeutschen zugerechnet. Allgemein gilt es jedoch als Teil des Oberdeutschen.
  10. Mit unter auch zum Rheinfränkischen gerechnet.

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