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Deutsche [ˈdɔɪ̯ʧə] pl., ndl. duitser, eng. german, franz. allemand, Ethnonym, Substantiv, Maskulinum. Seit dem Jahr 1000 Eigenname diverser kontinentalwestgermanischer Volksstämme, die sich über eine gemeinsame Identität als einheitliches Volk verstanden. Im Wesentlichen gehören Deutsche zu den westgermanischen Völkern und sind auf das Engste mit den Deutschschweizern, Österreichern und den Deutschluxemburgern, aber auch mit den Niederländern, Flamen und den Friesen verwandt.

Seit 1770, mit Aufkommen der deutschen Bewegung, war der Begriff Deutsche ein Sammelname, mit dem alle Deutschsprachigen summiert wurden, die sich über Sprache und Kultur zur deutschen Nation bekannten. Bis zum 3. Oktober 1990 galten Deutsche zudem als sogenanntes geteiltes Volk, da es offiziell auf zwei Staaten verteilt lebte. Beiwort ist deutsch.

Seit der Reichsgründung 1871 diente der Volksname Deutsche zur Summierung aller deutschen Reichs- und Staatsangehörigen, deren Gemeinsamkeit die juristische Zugehörigkeit zum Deutschen Reich (in dessen jeweiligen Grenzen) und seinen Bundesstaaten, und ab 1918/19 in den deutschen Ländern, darstellte. Zwischen 1949 und 1990 wurde unter dem Begriff Deutsche nur noch die Wohnbevölkerung der deutschen Teilstaaten und Großberlins verstanden.

Deutscher [ˈdɔɪ̯t͡ʃɐ] stellt die Singularform dar, die heute allgemein zur Bezeichnung des deutschen Staatsangehörigen dient. Als solcher wird juristisch jeder in Deutschland behandelt, dem dort ein Staatsangehörigkeitsausweis, ein Reisepass oder ein Bundespersonalausweis ausgestellt wurde. Zudem wird diesem zugerechnet, der einen durch das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland garantierten Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit hatte (Statusdeutsche), wenn sie vor dem 8. Mai 1945 auf dem Staatsgebiet Deutschlands in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hatten. Damit umfasst der Begriff Deutsche inzwischen auch eine Millionenzahl ursprünglich nicht Deutschstämmiger, die amtlich als Deutsche mit Migrationshintergrund bezeichnet werden. Die deutsche Staatsangehörigkeit wird traditionell über ius sanguinis, das heißt, über die Abstammung erworben. Darüber hinaus auch per Antrag auf Einbürgerung von den jeweiligen Ausländerbehörden entschieden, wer deutscher Staatsbürger wird. (→ Nationalisierung). Bei in Deutschland geborenen Kindern von Ausländern erhalten diese bis zum vollendeten dreiundzwanzigsten Lebensjahr die deutsche Staatsangehörigkeit über das ius soli, über das Territorial- oder Geburtsortprinzip. Bis dahin müssen sich die Betroffenen entscheiden, welche Staatsangehörigkeit sie endgültig annehmen wollen. (→ Optionsmodell).

Etymologie, Anwendung Bearbeiten

Deutsche stellt in seinem Ursprung nach ein substantiviertes Adjektiv dar, dass apolitisch auf die Sprecher des Deutschen bezogen wurde. Ab dem 18./19. Jahrhundert wurde der Begriff Deutsche zunehmend politisiert und ideologisiert, was in der Begriffsschöpfung deutsche Rasse seinen völkischen Höhepunkt fand.

Wie bereits eingangs erwähnt, und nachfolgend ausgeführt, umfasste das Ethnonym „Deutsche“ alle kontinentalwestgermanischen Völker, das heißt, alle Westgermanen auf dem europäischen Kontinent, die anfänglich im Ostfrankenreich und später im deutschen Königreich politisch organisiert waren. Ihr gemeinsames Kennzeichen war der muttersprachliche Gebrauch einer der dort verbreiteten germanischen Stammessprachen und, ab etwa dem Jahr 1000 beginnend, ein „deutsches“ Zusammengehörigkeitsgefühl.[1] Darüber hinaus ist im Laufe der weiteren Geschichte zu beobachten, dass der Sammelbegriff Deutsche stets einem Bedeutungswandel unterworfen war. So umfasste er ursprünglich nicht nur alle Deutschsprachigen, sondern auch alle niederländisch- und friesischsprachigen Bevölkerungsgruppen des mittelalterlichen römisch-deutschen Reiches. Im weitesten Sinne lassen sich ihm sogar die Langobarden zurechnen, die bis etwa 1000 eine germanische, und im Wesentlichen eine auf der Lautstufe des Althochdeutschen stehende, Sprache gebrauchten, die auf das Engste mit dem Altbairischen verwandt war und damit lautsprachlich auf der Stufe eines (alt)hochdeutschen Dialektes stand.

1000–1871 Bearbeiten

Im Groben lässt sich feststellen, dass Deutsche aus jenen gebildet werden, die heute durch das Band der deutschen Staatsangehörigkeit, unabhängig ihrer ethnischen Abstammung, und/oder durch die Zugehörigkeit zur deutschen Nationalkultur (gemeinsame Sprache, Kultur, Traditionen und Wertvorstellungen) miteinander verbunden sind. Hinzu tritt das gemeinsame Bekenntnis zur deutschen Geschichte, insbesondere zur Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten (1933–1945).

Bis zur Gründung des Deutschen Reiches war Deutsche die Sammelbezeichnung aller Deutschsprachigen, also jedes Menschen deutscher Muttersprache. Denn als politisch-staatsrechtliche Bezeichnung existierte der Begriff Deutsche nicht, sodass jeder Mensch, die sich bewusst einem der zahlreichen deutschen Stämme zurechnete, der also ein „deutsches“ Volksbewusstsein zeigte, ein „Deutscher“ war. Später trat noch das Bekenntnis der gemeinsamen Abstammung, Sprache und Kultur sowie das Bewusstsein hinzu, einen gemeinsamen Lebensraum und eine gemeinsame Geschichte zu teilen.

1880–heute Bearbeiten

Nach der Reichsgründung, vor allem aber nach 1880, engte sich die Volksbezeichnung Deutsche immer mehr auf die Inhaber der deutschen Reichsangehörigkeit ein und löste den juristischen Fachbegriff Reichsdeutsche immer mehr ab, da etwa fünfundsechzig Prozent aller Deutschsprachigen innerhalb des geschlossenen Sprach- und Siedlungsgebietes im Deutschen Reich lebten. Die außerhalb der deutschen Staatsgrenzen lebenden Menschen deutscher Muttersprache waren zwar nach wie vor Deutsche im Sinne der Abstammung (Deutschstämmige), doch politisch und staatsrechtlich waren sie es nicht. Um diese nun von den Reichsdeutschen, die für sich das Ethnonym Deutsche in Anspruch nahmen, abgrenzen zu können, wurden nun zahlreiche (und umständliche) Hilfsbezeichnungen wie Deutschösterreicher, Deutschluxemburger oder Deutschschweizer bzw. Deutsch-Österreicher, Deutsch-Luxemburger und Deutsch-Schweizer („Bindestrich-Deutsche“) eingeführt. Ferner kamen auch die Sammelbegriffe Grenzlanddeutsche, Auslandsdeutsche und Volksdeutsche auf, die nach und nach um Deutschstämmige und Deutschsprachige ergänzt wurden.

Heute werden unter dem Begriff Deutsche hauptsächlich die Inhaber der deutschen Staatsangehörigkeit sowie kleinere Volksgruppen außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachgebietes verstanden, sofern sich Letztere in ihren Heimatländern aktiv für den Erhalt der deutschen Nationalkultur und zum Erhalt des Deutschen einsetzen. Dabei ist vor allem seit den 1980er Jahren die Tendenz zu beobachten, dass die deutschen Minderheiten in den Oder-Neiße-Gebieten sowie in den ehemaligen Ostblockstaaten überwiegend als Deutschstämmige bezeichnet werden. Dabei sind vor allem Erstere gemäß Artikel 116.1 GG als Deutsche zu betrachten und dem deutschen Staatsangehörigen gleichzustellen.

Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat. —   Artikel 116.1 GG

Unterscheidungsmerkmale Deutsche, Auslandsdeutsche, Deutschsprachige und Deutschstämmige Bearbeiten

  1. Deutsche umfasst als Sammelbegriff alle Deutschsprachigen, die bis zum 8. Mai 1945 (De-facto-Ende des II. Weltkrieges) in den Staatsgrenzen des ehemaligen Deutschen Kaiserreiches und in Österreich-Ungarn lebten. Als Stichtag dieser Begriffsbestimmung definiert das deutsche Bundesvertriebenengesetz den 31. August 1914. Zu diesen werden auch alle Inhaber der deutschen Staatsangehörigkeit gerechnet, zu denen auch alle auslands- und volksdeutschen Minderheiten treten, die sich selbst als Inhaber einer deutschen Volkszugehörigkeit betrachten und die sich in ihren Heimatländern als deutsch betrachten oder die dort als deutsche Minderheit anerkannt sind.
  2. Auslandsdeutsche umfassen alle Deutschsprachigen, die als Sprachminderheit und Bürger anderer Staaten außerhalb der deutschsprachigen Staaten leben und die in der Regel auch über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen.
  3. Deutschsprachige umfassen alle Ethnien und Volksgruppen deutscher Muttersprache, die nach der Gründung des Deutschen Reiches (1870/71) innerhalb des deutschen Sprach- und Siedlungsgebietes lebten. Dort bildeten sie die Hauptbevölkerung der deutschsprachigen Staaten Europas. Darüber hinaus werden unter diesem Sammelbegriff auch Teile anderer Ethnien verstanden, die von Deutschen oder Deutschsprachigen abstammen, sich selbst nicht mehr als Deutsche, sondern vielmehr als Russen (Deutschrussen) oder US-Amerikaner (Deutschamerikaner) usw. sehen, aber als Haussprache noch Deutsch (Hochsprache oder Dialekt) verwenden.
  4. Deutschstämmige umfassen alle Menschen deutscher Abstammung, die außerhalb des deutschen Sprach- und Siedlungsgebietes leben, insofern sie sich nicht selbst dem deutschen Kulturkreis und/oder der deutschen Volkszugehörigkeit zurechnen. Die Eigenschaft der Deutschstämmigkeit ist nicht an die deutsche Muttersprache, d. h. an die deutsche Hoch- und Nationalsprache oder an einem ihrer zahlreichen Dialekten gebunden.

Definition des VDA Bearbeiten

Der 1881 im deutschvölkischen Rahmen als Allgemeiner Deutscher Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland gegründete Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA), sieht sich heute als Interessenverband der rund vierzehn Millionen im Ausland lebenden Deutschen und ist laut seiner Satzung bemüht, sich für die Pflege und den Erhalt der deutschen Nationalkultur einzusetzen. Der VDA definiert den Begriff „Deutsche“ wie folgt:

  1. Deutsche: Alle Personen mit bundesdeutschen Pässen/Ausweispapieren.
  2. Auslandsdeutsche: Alle Deutschsprachige, die als Sprachminderheit ständig in anderen Staaten außerhalb der deutschsprachigen Staaten leben und dort über die Staatsbürgerschaft verfügen.
  3. Deutschstämmige: Alle Personen deutscher Herkunft, die vielfach das Deutsche nicht mehr zur Muttersprache haben.

DDR-Deutsche, Statusdeutsche Bearbeiten

  1. DDR-Deutsche: Im Zuge ihrer DDR-Abgrenzungspolitik wurde vonseiten der bundesdeutschen Behörden verfügt, dass im Amts- und öffentlichen Sprachgebrauch ausschließlich die Begriffe „Deutsche“ und „deutsch“ zu verwenden seien, um den Wiedervereinigungswillen der Bundesregierung aufrecht zu erhalten. Die amtliche Verwendung von bundesdeutsch war nicht explizit ausgeschlossen worden, zumal es in den Richtlinien hieß, dass die (angeblich) von der DDR geprägten und propagierten Begriffe Bundesdeutsche (analog zu DDR-Deutsche) und Bundesbürger nicht anzuwenden seien.
  2. Statusdeutsche: Einen formaljuristischen Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit haben verschiedene deutsche Minderheiten, die hauptsächlich aus Ost- und Südosteuropa stammen. Dort müssen sie sich jedoch subjektiv und objektiv zu ihrer Volksangehörigkeit bekannt haben, um in Deutschland ihren abstammungsmäßigen Anspruch begründen und/oder belegen zu können. Zwischen 1977 und 1991 erhielten so 519 000 Aussiedler die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.

Rechtsstellung Bearbeiten

19. Jahrhundert Bearbeiten

Neben einem Ethnonym stellt der Begriff „Deutsche“ heute auch eine Rechtsstellung dar, die aus der deutschen Nationalstaatsbildung heraus begründet ist. Diese war das Ergebnis dreier Einigungskriege. Nach der Reichsgründung wurde die apolitische Volksbezeichnung auf den Reichsdeutschen übertragen und damit ein wesentliches Element deutscher Rechtsgeschichte, da dieser Rechtsstatus auch im Einführungsgesetz des Bürgerlichen Gesetzbuches verankert wurde:

Wird auf das Recht des Staates verwiesen, dem eine Person angehört, und gehört sie mehreren Staaten an, so ist das Recht desjenigen dieser Staaten anzuwenden, mit dem die Person am engsten verbunden ist, insbesondere durch ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder durch den Verlauf ihres Lebens. Ist die Person auch Deutscher, so geht diese Rechtsstellung vor. —   Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche, Artikel 5.1 (Personalstatut), 18. August 1896.

Erste zaghafte Versuche, den Begriff Deutsche als Rechtsstatus zu etablieren, begannen bei der Ausarbeitung der Paulskirchenverfassung 1849/49, als von der Frankfurter Nationalversammlung versucht wurde, die bisherige sprachlich-kulturelle Volksbezeichnung staats- und verfassungsrechtlich zu kodifizieren: Das Parlament erklärte, dass jeder zum deutschen Volk gehöre, also Deutscher sei, der auf dem Territorium des bisherigen Deutschen Bundes und zukünftigen Reiches geboren worden sei, ganz unabhängig von seiner Abstammung, Sprache oder Religion. Das Parlament befürwortete also das sogenannte Territorialprinzip.

20. Jahrhundert Bearbeiten

Die Idee des Territorialprinzips wurde nach der Auflösung des Bundes (1866/67) auch vom Norddeutschen Bund aufgegriffen, und im Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 wurde der Begriff dann auch verfassungsrechtlich für das 1870/71 gegründete Deutsche Reich definiert:

„§ 1. Deutscher ist, wer die Staatsangehörigkeit in einem Bundesstaat (§§ 3 bis 32) oder die unmittelbare Reichsangehörigkeit (§§ 3 bis 35) besitzt.
§ 2.[1] Elsaß-Lothringen gilt im Sinne dieses Gesetzes als Bundesstaat.
§ 2.[2] Die Schutzgebiete gelten im Sinne dieses Gesetzes als Inland.“

Zur Anfangszeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, genauer am 5. Februar 1934, erfolgte eine amtliche Einschränkung, wer Deutscher war und wer nicht: Aufgrund einer von Adolf Hitler (1889–1945) herausgegebenen Anweisung war nur noch Deutscher, wer über die (unmittelbare) Reichsangehörigkeit verfügte. Die Zugehörigkeit zu einem der deutschen Länder war gesetzmäßig entfallen, da diese zum 30. Januar 1934 de facto aufgelöst worden waren.

§ 1. Deutscher ist, […] wer die […] unmittelbare Reichsangehörigkeit […] besitzt. —   Neufassung des § 1 des RuStAG von 1934.

Darüber hinaus konnte ab 1935 nur noch Deutscher sein, der gemäß Reichsbürgergesetz deutschblütig, das heißt, arisch war. Juden wurden nun ihrer Abstammung nach in Voll-, Halb-, Viertel- und Achteljuden klassifiziert. Erstere standen komplett außerhalb der Volksgemeinschaft, Letztere galten mit zahlreichen Einschränkungen als Teil derselben. Diese Einteilung war ein Ergebnis der Verknüpfung von Staatsrecht und der völkischen Rassenfrage.

Nach dem II. Weltkrieg (1939–1945) gingen beide deutsche Teilstaaten zunächst von einer einheitlichen deutschen Staatsangehörigkeit aus. Doch schnell begann die damalige DDR, im Zuge ihrer Abgrenzungspolitik gegenüber der Bundesrepublik, sich von dieser abzuwenden und etablierte 1967 die Staatsangehörigkeit der DDR. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland definiert bis heute den Begriff „Deutscher“ auf den deutschen Staatsangehörigen sowie auf alle Volksdeutschen, die bis zum 8. Mai 1945 Aufnahme im Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 gefunden hatten:

Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat. —   Art. 116 (1) GG.

2013 wurde das weiterhin geltende Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 reformiert, umbenannt und den aktuellen politischen Gegebenheiten angepasst, indem nun in den §§ 1 und 3 StAG definiert wurde, dass „Deutscher im Sinne dieses Gesetzes sei, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und als deutscher Staatsangehöriger insbesondere behandelt wird, dem ein Staatsangehörigkeitsausweis, Reisepass oder Personalausweis ausgestellt wurde.“

Größe, Siedlungsgebiete, Sprache Bearbeiten

Größe Bearbeiten

Datei:Deutsche Siedlungsgebiete.png

Schätzungsweise umfassen die Deutschen heute zwischen 90–100 Millionen Menschen. Das Gros von ihnen, etwa 62 Millionen, lebt im heutigen Deutschland, etwa 7,52 Millionen in Österreich und 3,9 Millionen in der Schweiz. Darüber hinaus kommen 1,8 Millionen Deutsche in Elsass-Lothringen, 390 000 in Luxemburg, etwa 100 000 in den Niederlanden, 75 000 in Ostbelgien, 324 000 in Südtirol und etwa 12 000 Deutsche in Liechtenstein. In Dänemark umfasst die deutsche Minderheit zwischen 10 000–20 000 Menschen. In den Oder-Neiße-Gebieten leben aktuell 148 000 und im ehemaligen Sudetenland etwa 39 100 Deutsche.

Siedlungsgebiete Bearbeiten

Die Deutschen als Kulturvolk besiedeln ganz oder zum überwiegenden Teil die Staatsgebiete Deutschlands, Österreichs, Luxemburgs und Liechtensteins, sodass diese zu Recht als deutschsprachige Staaten bezeichnet werden können. Die deutschen Siedlungsgebiete entsprechend (teilweise mit Abstrichen und Einschränkungen) den deutschen Sprachgebieten.

Die Schweiz gilt dagegen nur als überwiegend deutschsprachiger Staat und auch Luxemburg sieht sich selbst nicht mehr als autochthoner deutschsprachiger Staat, da dessen Kultursprache (neben Letzeburgisch) Französisch ist.

Es ist für Deutsche kennzeichnend, dass sie sich überwiegend über die gemeinsame Kultur und Sprache definieren. Das Deutsche ist zwar dialektal stark gegliedert, verfügt aber über eine gemeinsame Hoch- und Standardsprache.

Ethnogenese, Nebenformen, politisch-staatsrechtliche Zugehörigkeit Bearbeiten

Deutsche als Ethnonym ist seit Anbeginn eng mit dem Adjektiv deutsch verbunden, das zunächst nur auf die Sprache übertragen wurde. Dann wurde es auf deren Sprecher ausgedehnt, die dadurch zu Deutschen wurden. Im 18./19. Jahrhundert kam es zur Ausdehnung des Begriffes deutsch auf die Kultur und Volkstum, sodass nun deutsch, Deutsche, deutsches Volk und deutsche Nation mehrheitlich als identisch angesehen wurden. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren sie zudem apolitisch, wurden aber ab den 1880er Jahren immer mehr ideologisiert und politisiert, als die Völkischen begannen, sie mit der Rassenfrage zu verknüpfen.

Ethnogenese Bearbeiten

Ihrer Ethnogenese nach sind Deutsche das Ergebnis eines sprachlich-kulturellen Zusammenschlusses mehrerer kontinentalwestgermanischer Volksstämme, die im Laufe eines halben Jahrhunderts zum deutschen Volk zusammenwuchsen,[2] deren einigende Klammer innerhalb des römisch-deutschen Reiches das Königreich Germanien war.

Innerhalb dieses aus dem Ostfrankenreich hervorgegangenen Königreiches lebten die Alemannen, Baiern, Franken, Friesen, Thüringer und Sachsen, von denen sich heute fünf als ethnisch deutsch definieren lassen, da die Friesen als solches von der weiteren Nationsbildung der Deutschen ausgeschlossen blieben. Bereits um 1000 hatte sich unter diesen Germanen ein Volksbewusstsein entwickelt, das sich durchweg als deutsch definierte. Sie hatten erkannt, dass sie untereinander sprachlich-kulturell verwandt waren und empfanden sich nun als deutsche Stämme. Mit Ausnahme des Friesenstammes, der nicht an der weiteren deutschen Sprachentwicklung teilnahm, wurden fünf der sechs Stämme (die heute als „deutsche Altstämme“ bezeichnet werden) zu Deutschen, obgleich den Friesen lange Zeit über die Rolle eines „deutschen Nebenstammes“ zuerkannt wurde. Erstmals traten um 1000 auch die Bezeichnungen „deutsches Reich“ und „deutsche Lande“ für das von diesen Stämmen bewohnte Gebiet auf. Später schlossen sich Teile der Ost- und Nordfriesen sich der deutschen Nation an, indem sie sich nur noch als Sprach- und nicht als ethnische Minderheit empfanden. Die Ostfriesen beispielsweise gingen in der Hansezeit in den Niederdeutschen auf, als sie das Altostfriesische zugunsten des Niederdeutschen aufgaben.

Nebenformen Bearbeiten

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit umfasste der Sammelbegriff Deutsche im ethnografischen Sinn alle Menschen, die sich ethnisch und sprachlich-kulturell zum Deutschtum (begründet in Abstammung, Sprache und Kultur) bekannten. „Deutsche“ wurde zudem zur Eigenbezeichnung dreier westgermanischer Völker, die aus den heutigen Deutsch- und Niederländischsprachigen gebildet wurden.

Bis zur Auflösung des römisch-deutschen Reiches (1806) bezeichneten sich auch die Friesen, die sich damals der Sprachverwandtschaft mit den übrigen Stämmen des Reiches voll bewusst waren als deutsch. Deutsch sein definierte sich fast neun Jahrhunderte lang allein über die gemeinsame Muttersprache, ihrer Dialekte und der gemeinsamen, germanischgeprägten Kultur im Gegensatz zu den Reichsromanen oder den slawischen Völkern, die innerhalb der damaligen Reichsgrenzen lebten. Auch die in Norditalien lebenden Langobarden galten bis zu deren Romanisierung als Deutsche, da sie ein oberdeutsches, dem altbairischen eng verwandtes, Idiom sprachen, das heute verschiedentlich dem Althochdeutschen zugerechnet wird.

Politisch-staatsrechtliche Zugehörigkeit Bearbeiten

In ihrer rund 1200-jährigen Geschichte waren die Deutschen überwiegend im römisch-deutschen Reich, dem Deutschen Bund und im Deutschen Reich politisch organisiert. Vor allem das heutige Deutschland gilt als deutscher Hauptstaat, das heißt, als Nationalstaat der Deutschen.

Innerhalb des römisch-deutschen Reiches existierte das germanische Königreich, das Heimat der damaligen Deutschen war und das aus vier Stammesherzogtümern und einer Landgrafschaft bestand. In diesen lebten fünf der sechs deutschen Altstämme und vier von diesen Staatsgebilden besaßen eine überwiegend homogene Wohnbevölkerung. Lediglich Friesen und Franken waren „überregional“ organisiert: Erstere lebten im Nordwesten des Reiches und besaßen im fränkisch-romanischen geprägten Mittelreich Lothars I. (795–855) eine autonome Region. 959 wurden die Friesen organisatorisch dem Herzogtum Niederlothringen zugeordnet. Die Letzteren indes siedelten nicht nur in dem nach ihnen benannten Herzogtum Franken, sondern auch im Lothringen. Innerhalb des germanischen Königreiches bildeten sich im Laufe der nächsten fünf Jahrhunderte Verkehrsgemeinschaften aus. Die betreffende Grenzbevölkerung an den jeweiligen Sprach- und Dialektgrenzen glich sich sprachlich durch vermehrten Sprachkontakt immer mehr an, sodass weiträumige Dialektkontinua entstanden, das heißt, sprachliche Übergangsbereiche. Begünstigt wurde diese Entwicklung, dass die Franken als sogenanntes „Reichsvolk“ galten, deren altfränkische Sprache für die anderen germanischen Stämme des Reiches Vorbildfunktion hatte.[3]

Einteilung der Deutschen nach dialektalen Kriterien Bearbeiten

Die Deutschen lassen sich dialektal in drei Hauptgruppen einteilen, die durch die Durchführung der Zweiten Lautverschiebung begründet sind:

  1. Oberdeutsche: Sie zeichnen sich durch die vollständige Durchführung der Zweiten Lautverschiebung aus und lassen sich germanistisch in „Nordoberdeutsche“ (Main- und Südrheinfranken), „Westoberdeutsche“ (Schwaben und Alemannen) und „Ostoberdeutsche“ (Baiern) unterscheiden. Verschiedentlich werden ihnen auch die Langobarden („Südoberdeutsche“) zugerechnet.
  2. Mitteldeutsche: Sie hatten sich zwischen 1000 und 1500 ausgebildet und hatten die Lautverschiebung nur im unterschiedlichen Maße durchgeführt. Diese war von Süden ausgegangen und folgte wellenförmig dem Verlauf des Rheins. Etwa auf Höhe der Benrather Linie war die Lautverschiebung geendet, sodass die Mitteldeutschen sprachlich zwischen den Ober- und den Niederdeutschen standen. Aus dem Ostmitteldeutschen heraus wurde im 16. Jahrhundert die deutsche Nationalsprache entwickelt.
  3. Niederdeutsche: Die Niederdeutschen waren sprachlich nicht von der Zweiten Lautverschiebung betroffen, obgleich im Bereich der bis zum 15. Jahrhundert ausgebildeten Uerdinger Linie zahlreiche südliche (ripuarische) Formen übernommen wurden. Im Allem stand das niederdeutsche Gebiet noch auf dem gemeingermanischen Sprachstand und wies damit Übereinstimmungen mit dem Englischen und den nordgermanischen Sprachen auf. Zu den Niederdeutschen rechneten sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit auch die die Flamen und Niederländer sowie die Friesen.

Volksangehörigkeit Bearbeiten

Vom Mittelalter, frühe Neuzeit Bearbeiten

Wie bereits unter dem Abschnitt „Nebenformen“ kurz angerissen, war „Deutsche“ auch die Eigenbezeichnung für Flamen, Niederländer und (eingeschränkt) auch für die Friesen. Letztere wurden zu großen Teilen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert von den großen Nachbarvölkern, den Deutschen, den Niederländer und den Dänen, assimiliert, sodass sich die Friesen heute in drei unterschiedliche Subgruppen (West-, Ost- und Nordfriesen) einteilen lassen: Die Ostfriesen beispielsweise gingen in der Blütezeit der Hanse in den Niederdeutschen auf und nahmen nun eine friesisch geprägte Form des Westniederdeutschen an; nur im unzugänglichen und isolierten oldenburger Saterland konnte sich das Altostfriesische (Saterfriesisch) halten und wird (stark verniederdeutscht) noch von rund zweitausend Menschen gesprochen.[4]

Die Eigenbezeichnungen „Deutsche“, „Duitsche/Duytsche“, „Dietsche“ usw. stellten bis zum Aufkommen des Sprachnationalismus (18. Jahrhundert) bzw. des ideologisch und politisch motivierten ethnischen Nationalismus innerhalb der betroffenen Gruppen keinen nationalen Gegensatz dar, da die Eigenbezeichnungen stets apolitisch waren. Mit der Auflösung der mittelalterlichen Stammesherzogtümern zugunsten moderner Territorialstaaten (ab dem 12. Jahrhundert an) definierte sich die betroffene Bevölkerung mit diesen. Aus den einstigen Stammmesverbänden der Sachsen, Thüringer, Friesen, Franken, Alemannen und Baiern gingen Brandenburger und Holsteiner, aber auch Mecklenburg-Strelitzer, Pommern, Sachsen-Gothaer-Eisenacher und Erfurter, Mainfranken, Bayreuther, Hessen, Jülicher, Gocher, Bergische, Flamen und Brabanter sowie Holländer, Schwaben, Elsässer und Deutschschweizer sowie Altbaiern und Österreicher (Nieder- und Oberösterreicher), Tiroler, Salzburger oder Kärntern hervor. Nur noch in zweiter Linie waren sie Deutsche, wenn sie sich überhaupt noch als Deutsche empfanden. Vor allem im Süd- und Nordwesten (spätere Schweiz und die Niederlande) hatte sich die germanisch-deutsche Bevölkerung stetig vom damaligen Deutschtum entfernt und hatte begonnen, ein eigenständiges Nationalbewusstsein zu entwickeln. So nahm es auch kein Wunder, dass diese beiden Regionen nach Beendigung des 30-jährigen Krieges vom Reich unabhängig wurden.

Neuzeit Bearbeiten

Noch im ausgehenden 18. und frühen 20. Jahrhundert war der Begriff Deutsche vor allem mit Sprache und Kultur verbunden. Deutsche waren alle, die sich auf deutsche Stämme zurückführen liessen und die sich auf die deutsche Nationalkultur stützten. Nach der Emanzipation der Juden, die schon seit fast sieben Jahrhunderten im deutschsprachigen Raum nachzuweisen waren, konnten sich auch diese als Deutsche bekennen. Mit Aufkommen der völkischen, insbesondere der deutschvölkischen Bewegung änderte sich dieses: Vor allem die Deutschvölkischen definierten das Deutschtum allein über die Blutlinie; Deutscher konnte in ihren Augen nur derjenige sein, der deutschblütig oder artverwandt war.

Bis zum März 1939 galt die deutsche Volkszugehörigkeit als gelebte Organisationsform der Deutsche, die nicht reglementiert war. Das änderte sich unter dem Nationalsozialismus: Der Begriff „deutscher Volkszugehöriger“ wurde nun auf die zahlreichen deutschen Minderheiten und Deutschstämmigen des Auslandes ausgeweitet. Vor der amtlichen Definition galt auch dort als Deutscher, wer deutschen Abstammung war, ganz gleich, ob sich der betroffene als deutsch definierte oder nicht. Hier griff das reine Abstammungsprinzip. Nun wurde vonseiten der Nationalsozialisten eine Reihe von Voraussetzungen gestellt, die allesamt erfüllt sein mussten, um als deutscher Volkszugehöriger zu gelten. Zu diesem Zweck führte die NS-Verwaltung sogenannte Volkslisten ein, in denen die sogenannte Bindung zu Deutschtum der „Anwärter“ auf die deutsche Staatsangehörigkeit schriftlich katalogisiert wurde.

Nationsbildung Bearbeiten

Deutsche Sprach- und Kulturnation Bearbeiten

Mitte des 18. Jahrhunderts war das damalige Deutschland vom Humanismus geprägt, in dessen Folge sich im späten römisch-deutschen Reich eine Bildungselite ausprägte. Die von ihr getragene deutsche Bewegung sah die Deutschen als überstaatliche Kulturnation, indes die abolutistisch geprägte Adelsgesellschaft davon ausging, dass sie die Nation des Reiches darstellte. Die deutsche Bewegung war bestrebt, die Deutschen, die sie als geteilt ansah, in einem einheitlichen Nationalstaat westlicher (französischer) Prägung zu organisieren, wobei sie strikt vom Nationalstaatsprinzip ausging und jeder Nation innerhalb des römisch-deutschen Reiches das gleiche Recht auf Bildung eines Nationalstaates zubilligte. 1770 waren die Deutschen innerhalb dieses Reiches die alleinigen Träger des universellen Reichsgedankens und mit der erzwungenen Auflösung des Reiches durch Frankreich (1806) wurde die nationale Frage der Deutschen erst einmal ad acta gelegt. Zwischen 1806 und 1815 kam es innerhalb der Deutschsprachigen zur Ausbildung einer deutschen Sprach- und Kulturnation, die noch als überstaatlich galt.

Die deutsche Frage des 19. Jahrhunderts Bearbeiten

Von 1815 bis 1866/67 waren die Deutschen im Deutschen Bund vereinigt, der für sich in Anspruch nahm, Rechtsnachfolger des römisch-deutschen Reiches zu sein. 1832 entstand dort mit dem Hambacher Fest die deutsche Nationalbewegung, die sich aus Vertretern der Bildungselite, den Universitäten und den Burschenschaften zusammensetzte und politisch als „links“, das heißt, als revolutionär, galt, da sie sich für die Abschaffung der Monarchien und zur Schaffung eines zentralistisch-unitarischen Einheitsstaates einsetzte, in dem nicht die Adels-, sondern die Volksnation regieren sollte. Ihrem Wesen nach war die Nationalbewegung jedoch liberal, sozial und nationaldemokratisch. Ferner trat sie offen für die gerechte Lösung der Polenfrage ein, da sie, dem damaligen Sprachnationalismus folgend, für die Gründung eines polnischen Staates unterstützte.
Die deutsche Nationalbewegung definierte „deutsch sein“ nicht mehr allein über die gemeinsame Sprache, sondern darüber hinaus auch auf das gemeinsame Nationalbewusstsein jeden einzelnen Deutschen. Das heißt, auf dessen Willen, einer deutschen Nation anzugehören, die sich vor allem auf Kulturleistungen („Nationalkultur“) wie Literatur, Musik und Geisteswissenschaft stützte. In dieser Hinsicht galt auch die jüdische Minderheit in Deutschland als deutsch, sofern sie sich auf diese Traditionen stützte. Abstammung und Religion waren für die Nationalbewegung nicht ausschlaggebend für die Zugehörigkeit zum deutschen Volk. Die so definierte Kulturnation stand dem Nationalstaat vor und sollte die Voraussetzung zu dessen Gründung dienen, da die deutsche Staatsnation und deren Staat dem Nationalstaatsprinzip folgen sollte.

Im März 1848 kam es europaweit zu revolutionären Aufständen, die sich teilweise bis 1849 hinzogen und die in Frankreich ihren Anfang nahmen. So auch auf dem Territorium des Deutschen Bundes, wo es zur Deutschen Revolution von 1848/49 kam. Ziel der Revolutionäre war es, im damaligen Deutschland die Monarchien zu beseitigen und einen zentralistisch-unitarischen Nationalstaat zu kreieren, der – gleich dem benachbarten Frankreich – eine demokratische Republik sein sollte. Infolge der Revolution kam es in Deutschland zur Bildung einer deutschen Nationalversammlung, die die Lösung der nationalen Frage der Deutschen lösen wollte und letztendlich an der österreichischen Frage scheiterte, da das Haus Habsburg nicht gewillt war, auf seine nichtdeutschen Territorien zu verzichten. Innerhalb der damaligen nationalen Frage bildeten sich vier Parteien heraus, die im Grunde drei Lösungsansätze verfolgten:

  1. Die Großösterreicher forcierten den Einbezug der österreichischen Gesamtmonarchie in das zu gründende deutsche Reich, das unter der politischen Führung des Hauses Habsburg stehen sollte,
  2. die Großdeutschen (und mit ihnen die Deutschnationalen) verfolgten die Einbeziehung der geschlossenen deutschen Siedlungsgebiete in den habsburgisch geführten deutschen Nationalstaat, wobei die Großdeutschen gewillt waren, auch nichtdeutsche Siedlungsgebiete wie Böhmen-Mähren oder Triest mit aufzunehmen,
  3. die Kleindeutschen, die eine deutsche Einheit unter Ausschluss der Habsburgermonarchie anstrebten, obgleich auch sie anfänglich für die großdeutsche Lösung offen waren. Abweichend davon sollte das Haus Hohenzollern dieses neue deutsche Reich führen.

1852 wurde der Deutsche Bund, und damit der politische Status quo, jedoch wiederhergestellt. Anhänger und Sympathisanten der Demokraten und der Liberalen, aber auch der Sozialisten, wurden nun politisch verfolgt. Der Nationaliberalismus beispielsweise orientierte sich nun an Preußen und wurde dort so zu einem nicht unwichtigen Machtfaktor. Vor allem das von den Hohenzollern regierte Preußen sah sich bereit, sich zum Motor der deutschen Einheit zu erklären und diese im kleindeutschen Rahmen zu vollenden.

Deutscher Reichsnationalismus Bearbeiten

Nach der militärischen Zerschlagung des Deutschen Bundes, die 1866/67 infolge des preußisch-österreichischen Krieges („Deutscher Bruderkrieg“) und des Sieges der preußisch geführten Militärallianz (Norddeutscher Bund) erfolgte, wurde die deutsche Nationalstaatsbildung vorangetrieben, wobei nun Süddeutschland und das mit diesem verbündete Österreich außen vor blieben.

Der letzte der drei Einigungskriege, der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71, brachte die politische Wende: Im Winter 1870 traten alle deutschen Staaten südlich der Mainlinie dem Norddeutschen Bund bei, wobei Österreich ausgeschlossen wurde. Baden, Württemberg und Bayern wurden zudem zahlreiche Sonderrechte zugestanden, sodass am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal zu Versailles das Deutsche Reich in Form eines Kaiserreiches ausgerufen werden konnte. In diesem föderalen Bundesstaat lebten nun rund fünfundsechzig Prozent aller Deutschen. Dessen Bundespräsident trug den Titel Deutscher Kaiser und das Reich war vor allem monarchistisch geprägt.

Der 1870/71 etablierte deutsche Nationalstaat wies jedoch erhebliche Mängel auf. So zum einen, dass in ihm nicht alle Deutschen politisch angehörten, zum anderen, dass innerhalb seiner politischen Grenzen auch ethnische („völkische“) und nationale Minderheiten lebten, die staatsrechtlich zwar „Deutsche“, ethnografisch jedoch weiterhin als „nicht deutsch“ einzuordnen waren. Zu den ersteren gehörten Deutschluxemburger, Deutschschweizer und Deutschösterreicher, zu den letzteren Dänen, Sorben, Kaschuben und Masuren. Damit war das Deutsche Reich sowohl ein Über- als auch ein Unternationalstaat.
Infolge der politischen Einschränkung oder der Gleichsetzung Deutscher und deutscher Reichsangehöriger („deutscher Staatsbürger“) wurden die Deutschen außerhalb des Reiches nun Deutsche in Luxemburg, Deutsche in der Schweiz und Deutsche in Österreich. Später kam es zur obigen Benennung der hier beschriebenen Volksgruppen, in dem das jeweilige Heimatland als Präfix vorangestellt wurde.

Ethnografisches Konzept der völkischen Bewegung Bearbeiten

Hauptartikel: Völkische Bewegung

Unter Wilhelm II. von Preußen (1859–1941) gärte im Deutschen Reich, aber auch im benachbarten Österreich-Ungarn, die nationale Frage weiter. Ab den 1880er Jahren waren extrem chauvinistische Radikalnationalisten in einer politisch-sozialen Bewegung organisiert, die sich „alldeutsch“ nannte. In vielen Punkten stimmten diese mit den Deutschnationalen und den Großdeutschen überein. Doch indes diese nur die Österreichfrage mit oder ohne Böhmen-Mähren und Triest lösen wollten, strebten die Alldeutschen unter Georg von Schönerer (1842–1921) nach einem allumfassenden Alldeutschland, dass bis 1950 nicht nur die Verschmelzung der deutschen Siedlungsgebiete Deutschösterreichs mit dem Reich anstrebten, sondern auch die „Heimholung geraubter Gebiete“, womit die Deutschschweiz, Luxemburg, Liechtenstein und der Niederlande sowie Flandern gemeint waren. Darüber hinaus vertraten die Alldeutsche vehement den Rassenantisemitismus, in dessen Sinne Juden keine Deutschen sein konnten, da es ihnen an der „Deutschblütigkeit“ fehlte. Dieses Konzept wurde unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft pervertiert und endete letztendlich im Völkermord an den europäischen Juden.

Selbstverständis der Deutschsprachigen gegenüber den Deutschen Bearbeiten

Bis zu Ende des II. Weltkrieges finierten sich in Europa nur noch die Reichsdeutschen und die Deutschösterreicher als Deutsche im politisch-ideologischen Sinn, nachdem 1879 mit dem Zweibund die großösterreichische Idee als militärisches Zweckbündnis („Schutz-und-Trutz-Bündnis“) de facto verwirklicht worden war. Allerdings stand dieses Bündnis unter preußischer Hegemonie und damit im Zeichen des Deutschen Reiches. Um die Jahrhundertwende (1899/1900) kam, von Deutschösterreich ausgehend, die deutschvölkische Bewegung auf, die ein aggressiver Vertreter des völkischen Nationalismus war.
Aus diesem Grunde definierten sich die Deutschschweizer ab den 1880er Jahren als ethnisch schweizerische Volksgruppe deutscher Muttersprache, bildeten zusammen mit den anderen Volksgruppen dort eine ausgesprochene schweizerische Identität aus und entfremdeten sich immer mehr von den Reichsdeutschen. Um 1900 sahen sich die Deutschschweizer in erster Linie als Schweizer deutscher Muttersprache und empfanden sich nur noch als „deutschsprachig“. Einen ähnlichen Weg beschritten ab 1933–1940 auch die Deutschluxemburger, die ab 1940–1942 einem starken Germanisierungsdruck vonseiten des nationalsozialistischen Deutschen Reiches unterworfen waren. Seit 1945 sehen sich diese generell nicht mehr als Deutsche, sondern rein als Luxemburger und definieren sich über die traditionelle luxemburgische Identität, die äußerst frankofon ist.

Am 27. April 1945, in den letzten Kriegstagen, erklärten österreichische Politiker Österreich im Sinne der 1920 verabschiedeten Verfassung für wiederhergestellt und dass dieses gegenüber dem Großdeutschen Reich ein souveräner Staat sei. Damit distanzierten sich die Österreicher von dem „im Namen des Deutschen Volkses“ verübten Verbrechen und Kriegsverbrechen der „großdeutschen Wehrmacht“. Hatte die Mehrheit der Österreicher im März 1938 noch positiv den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich begrüßt, war diese schnell in der nüchternen Realität angelangt, da alle relevanten Führungspositionen in der Ostmark des Deutschen Reiches durchweg mit Reichsdeutschen besetzt wurden. 1955 schloss Österreich mit den Vier Mächten einen Staatsvertrag ab, der es zum souveränen Staat machte und es mit einem Anschlussverbot belegte. Noch im gleichen Jahr erkannte die deutsche Bundesregierung die 1945 wiedereingeführte österreichische Staatsangehörigkeit an und entließ die Österreicher aus der deutschen, die diese 1938 per Gesetz erhalten hatten.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. Joachim Schild: Kurze Geschichte der deutschen Sprache, S. 50
  2. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 11
  3. Joachim Schildt: Kurze Geschichte der deutschen Sprache, S. 35
  4. Willi Stegner (Hrsg.): TaschenAtlas Völker und Sprachen, Stichwort „Friesen“, S. 48