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Deutsch-Belgier, auch Deutschbelgier oder deutschsprachige Belgier, historischer Begriff für die deutschsprachige Bevölkerung des Königreich Belgien. Sie machen heute 1 bis 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Begriff entstand nach der Gründung des belgischen Königreiches 1830 bzw. nach der anerkannten Unabhängigkeit Belgiens 1839.

Geschichte Bearbeiten

1839 wurde ein großer Teil der damaligen deutschsprachigen Bevölkerung an das Königreich der Niederlande abgetreten. Nur in zwei kleinen Randgebieten verblieben in Belgien kleinere deutschsprachige Bevölkerungsgruppen. Das nördliche Gebiet war das Montzener Gebiet mit damals 12.000 Deutschen. Es grenzte im Norden an die niederländische Provinz Limburg bzw. heute an das belgische Voergebiet. Im Westen wurde es durch die Kreise Eupen und Malmedy sowie durch einen Teil des Kreises Monschau begrenzt. Das südliche Siedlungsgebiet wurde durch das Areler Gebiet gebildet, in dem damals rund 35.000 Deutsche lebten. Ferner lebten in sechs angrenzenden wallonischen Ortschaften des einstigen preußischen Kreises Malmedy deutsche Minderheiten.

1920 wurden Belgien die Kreise Eupen, Malmedy und ein Teil des Kreises Monschau anerkannt. In diesen lebten rund 50.000 Deutsche und damit stieg die Zahl der in Belgien lebenden Deutschsprachigen auf 97.000 Deutsche an. Ingesamt schätzt man heute die Gesamtzahl aller Deutschsprachigen in Belgien zwischen 100.000 und 120.000 Menschen. In den 1930er Jahren existierte mit der Heimattreuen Front in Deutsch-Belgien eine sogenannte volksdeutsche Bewegung, die teilweise nationalsozialistisch ausgerichtet war. 1940 wurden die deutschsprachigen Gebiete dem Großdeutschen Reich völkerrechtswidrig angegliedert. Die Rückgliederung der 1920 abgetretenen Gebiete vermochte noch eine gewisse Legalität zu vermitteln, waren diese doch durch eine äußerst umstrittene Volksbefragung an Belgien gelangt. Doch die Unterstellung der deutschsprachigen Teile Alt-Belgiens einer deutschen Zivilverwaltung widersprach dem Willen der dortigen Bevölkerung.

In den 1950er Jahren existierte in Deutsch-Belgien eine Arbeitsgemeinschaft Ostbelgien und 1963 wurde den Deutschsprachigen gesetzlich ein Sprachgebiet zugestanden. Dieses umfasst den Kanton Eupen und den Kanton St. Vith. Zu diesem kam der deutsche Teil im Osten des Kantons Malemdy.

Die Deutsch-Belgier sprechen deutsche Dialekte und benutzen neben der deutschen Sprache auch Französisch, da ihre Deutschsprachige Gemeinschaft der Region Wallonien zugeschlagen wurde. Im Nordosten des Eupener Landes mit den Gemeinden Raeren, Hauset und Eynatten spricht man Ripuarisch, dass sich vom Sprachausdruck her stark am Aachener Platt orientiert. In den übrigen Gebieten des Kantons Eupen wird wie im benachbarten Montzener Gebiet Niederfränkisch gesprochen, dass im Voergebiet in den niederländischen Dialekt Limburgisch übergeht.

Im Süden des Sprachgebietes sowie im Arealer Gebiet wird Luxemburgisch gesprochen und es gehört daher dem Mitteldeutschen an.

Die Deutsch-Belgier besitzen heute einen eigenen Radiosender und eine regionale Tageszeitung. Politische Vertretung ist heute die Partei der deutschsprachigen Belgier, die aus der ehemaligen Arbeitsgemeinschaft Ostbelgien entstand.

Während die deutsche Minderheit in Ostbelgien weitestgehend Autonomiestatus besitzen, gilt diese nicht für die Deutschen in der Provinz Luxemburg. Diese Volksgruppe wird als luxemburgisch betrachtet und sind einer starken Assimilation vonseiten der Frankofonen ausgesetzt.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Gerhard Brugger: Die deutsche Volksgruppe in Belgien. Gestern — heute — morgen, Österreichische Landsmannschaft, Eckartschriften Heft 29, 1969

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