FANDOM


Österreicher [ˈøːstəʀaɪ̯çɐ] pl., auch Deutschösterreicher (obsolet) oder Ostmärker (obsolet), Substantiv, Femininum, soziologisch, politisch. Volksbezeichnung und Sammelname für Angehörige der österreichischen Landsmannschaften innerhalb der deutschen Sprach- und Kulturnation. Beiwort ist österreichisch.

Heute auf ein mehrheitlich deutschsprachiges Volk Mitteleuropas bezogen, das wie die heutigen Deutschen westgermanischer Herkunft und mit diesen sprachlich-kulturell eng verwandt ist. Als Österreicher zählen heute auch Personen mit Migrationshintergrund, das heißt, Menschen, die als Gastarbeiter und/oder als Asylanten nach Österreich kamen und sich dort einbürgern ließen.

Bis zur Gründung des Deutschen Reiches (1870/71) zählten sie sich zu Deutschen („deutsche Volksgruppe in Österreich“) und waren zwischen 1938 und 1945 auch deutsche Staatsangehörige.[1] Die 1945 wieder eingeführte österreichische Staatsangehörigkeit wurde ein Jahrzehnt später von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt und die Österreicher von dieser aus der deutschen Staatsangehörigkeit entlassen.

Von ihren nördlichen Nachbarn, den Deutschen, zeichnen sich Österreicher durch eine ausgesprochene Entfremdung vom österreichischen Deutschtum aus, als nach dem II. Weltkrieg die im Namen des Deutschen Volkes begangenen Verbrechen des NS-Regimes bekannt wurden. Heute sehen sich Österreicher als „erste Opfer des Hitlerfaschismus“ und definieren sich über eine ausgesprochene österreichische Identität, die auf einem starken Verfassungspatriotismus beruht.

Allerdings ist die Frage, ob es analog zur Deutschen Nation eine Österreichische Nation gäbe, völkerrechtlich umstritten. In Österreich wird diese von der UdSSR während des II. Weltkrieges verbreitete These spätestens seit 1955 (Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages) offiziell vertreten und gilt dort allgemein als Staatsdoktrin.
Die Bevölkerungsmehrheit Österreichs bezeichnen sich heute als Deutschsprachige und 2001 gaben 88,6 v. H. von diesen in Umfragen an, österreichisches Deutsch zur Muttersprache zu haben.[2]. Eine Minderheit von etwa sieben Prozent gab an, dass Österreicher bis dato Teil der Deutschen Sprach- und Kulturnation seien,[2] Österreicher seien kulturdeutsch.

Durch Verwendung der offiziellen Sprache Deutsch wird Österreich zu einem der deutschsprachigen Länder. Dialektal gehören die meisten der dort gesprochenen Volkssprachen, sofern sie dem deutschen Sprachgebiet angehören, überwiegend dem bairisch-österreichischen Sprachzweig an, allein der Vorarlberg und das angrenzende tirolerische Grenzgebiet gehört heute zum Schwäbisch-Alemannischen.

Etymologie Bearbeiten

Der Begriff Österreicher steht in enger Verbindung mit der ahd. Bezeichnung Ostarrîhhi/Ostarrîchi „östliches Reich“ bzw. „Ostreich“ zusammen. Ursprünglich nur auf die heutigen österreichischen Länder Nieder- und Oberösterreich einschließlich des Landes Wiens bezogen, wurde es in der Folgezeit und in Folge der habsburgischen Expansion auf alle Untertanen der deutschen Linie des Hauses Habsburg übertragen.
Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich (1867) wurde Österreicher Sammelbezeichnung aller Bewohner der nunmehrigen Österreichischen Reichshälfte, ganz gleich der ethnischen Abstammung, Sprache oder Religion. Um sich von den fremdsprachigen Österreichern abzugrenzen, wurde es im sogenannten Deutschösterreich üblich, dass sich die deutschsprachige Volksgruppe als Deutschböhmen, Deutschmährer, Deutschsteirer oder als Deutschtiroler bezeichneten. Um die Jahrhundertwende schloss man diese zu den Deutschösterreichern zusammen, die sich wiederum in sogenannte Alpen- und Sudetendeutsche gliederten. (Die deutschsprachige Bevölkerung der Ungarischen Reichshälfte summierte man offiziell weiterhin unter der Bezeichnung Deutsche.)

Nach dem Abschluss des Vertrages von Saint-Germain-en-Laye wurde der Name letztendlich auf alle Staatsangehörigen Österreichs übertragen, indem Österreich vertraglich gezwungen wurde, alle österreichischen Bezeichnungen mit dem Präfix {deutsch-} abzuschaffen.

Ethnogenese Bearbeiten

Die Ethnogenese der heutigen Österreicher entspricht im Wesentlichen denen der Deutschen, Deutschluxemburger, Slowenen und Kroaten, sofern man nach der Muttersprache geht. Das heißt, dass sich die Deutschsprachigen westgermanischen und die Slawischsprachigen von den slawischen Völkern ableiten lassen.
Die deutsche Vergangenheit der Österreicher beginnt vornehmlich im 7. Jahrhundert, als sich der Stämme der Alemannen und der Baiern auf das Territorium des heutigen Österreich niederließen; zu diesen kamen noch vereinzelnd fränkische Siedler.

Man muss jedoch zwischen den Deutschen des 7. Jahrhunderts und den Deutschen späterer Zeiträume differenzieren: Zu keinem Zeitpunkt waren „die Deutschen“ des 7. Jahrhunderts mit den Deutschen des 11., 16. oder des 21. Jahrhunderts identisch. Hier ist der historische Kontext des Begriffes „Deutsche“ zu beachten: Bis zur Gründung des Deutschen Reiches (1870/71) war die Bezeichnung Deutsche(r) apolitisch und sprachlich-kulturell zu verstehen. Mit der Gründung des deutschen Nationalstaates verlagerte sich der politische Aspekt auf die Staatsangehörigen des Deutschen Reiches und umfasste dort nicht nur Deutschsprachige, sondern auch Polnisch- oder Dänischsprachige, die dort als Deutsche polnischer oder als Deutsche dänische Muttersprache bezeichnet wurden. In Österreich wurde dagegen bis etwa 1945/55 an der ursprünglichen Bedeutung festgehalten, die unter Deutsche die Angehörigen der deutschen Sprach- und Kulturnation verstanden, die an keiner staatlichen Grenze gebunden war.

Die deutschsprachigen Österreicher führen sich im Wesentlichen, wie bereits oben erwähnt, auf zwei der sechs deutschen Stämme zurück, nämlich auf die Alemannen und Baiern.
Aufgrund ihrer Siedlungsgeschichte gelten sie als ausgesprochenes Mischvolk, eine Eigenschaft, die die Österreicher auch mit anderen Angehörigen deutscher Neustämme teilen.[3] Doch im Gegensatz zu diesen bildeten sie keinen eigenständigen Neustamm in Österreich aus, sondern sie blieben mit den übrigen Stammesgenossen organisch verbunden. Das bedeutet, dass Vorarlberger weiterhin Alemannen, Tiroler, Salzburger, Deutschsteirer und -kärntner, Burgenländer und Ober- und Niederösterreicher sowie Wiener bairischer Abstammung sind. Wobei Wiener als ethnischer Sonderfall gelten, finden sich doch in ihnen zahlreiche Tschechen und andere Ethnien wieder.

Bis ins 11. Jahrhundert waren alle österreichischen Landesteile deutsch besiedelt worden, obgleich die deutschen Siedler vor allem im Süden und Südosten in ethnischer und sprachlicher Gemengelage mit den Romanen (Ladiner) und Slawen (Slowenen) lebten. Bereits um 996 erschien der Name Österreich in römisch-deutschen Urkunden, die eindeutig den südöstlichen Bereich des damaligen römisch-deutschen Reiches definierten. Seine Wurzeln hatte Österreich in der karolingischen Awarenmark, dass heißt, im Grenzgebiet zum damaligen Pannonien.

Chronik Bearbeiten

800–1275 Bearbeiten

Österreicher waren im damaligen Franken- bzw. Ostfrankenreich sowie im römisch-deutschen Reich Menschen, die in der Markgrafschaft Österreich gelebt hatten und die zum Schutz asiatischer Reiterhorden, wie die der Awaren oder die der Ungarn, errichtet wurde.
Die Markgrafschaft selbst war bis 1156 verfassungsrechtlich Teil des bairischen Stammesherzogtums und befand sich entlang der Donau und beiderseits der Enns. Österreich selbst erwarb in der Folgezeit zahlreiche Gebiete, sodass es im 12. Jahrhundert zum eigenständigen Reichslehen im Rang eines Herzogtums erhoben wurde. Studenten aus dieser Region schlossen sich in den fernen Universitäten des Reiches zu sogenannten Landsmannschaften (nationis) zusammen, die sich über Dialekt und Abstammung definierten.

1275–1918 Bearbeiten

Seit dem 14. Jahrhundert galt Österreicher als Oberbezeichnung aller Bewohner, die zwischen 1275 und 1373 an das Haus Habsburg gefallen waren. Das Gros von ihnen waren Deutschsprachige, die bis zum Zusammenbruch der Monarchie (Oktober/November 1918) zahlreiche fremdsprachige Volksgruppen assimiliert bzw. germanisiert hatten.
Bis 1805 wurde in Österreich zwischen Inner- und Vorderösterreicher unterschieden: Erstere umfassten alle Bewohner der im 14. bis 16. Jahrhundert durch die österreichische Heiratspolitik an Österreich gefallenen Gebiete wie Kärnten, die Steiermark, Krain oder Görz. Letztere umfassten alle Bewohner Österreichs, die in Süddeutschland, Vorarlberg, Burgau in Bairisch-Schwaben und im Sundgau sowie im Breisgau lebten. Zu diesen traten noch die Bewohner, die in Teilen des Argaus sowie in zahlreichen Landstrichen der Zentralschweiz lebten. Diese waren überwiegend schwäbisch-alemannischer Herkunft.

Nach der Auflösung des römisch-deutschen Reiches (1806) stellte sich die Österreichische Frage, die Teil der damaligen nationalen Frage der Deutschen war. Bereits zwei Jahre vorher wurde unter Verfassungsbruch die römisch-deutsche Kaiserwürde auf Österreich übertragen, womit dieses zum Kaisertum aufstieg. Die Monarchisten unter den Österreichern forderten, dass das deutsche Reich ein Kaiserreich bliebe, derweil die Demokraten die Auffassung vertraten, dass der zukünftige deutsche Nationalstaat, dem auch Österreich angehören sollte, eine zentralistisch-unitarische parlamentarische Demokratie bilden müsse.

Österreicher und gleichzeitig Deutscher zu sein, war für die Deutschsprachigen in der Habsburgermonarchie kein Widerspruch als solcher. Denn bis zur Gründung des Deutschen Reiches wurde die Volksbezeichnung Deutsche apolitisch und allein sprachlich-kulturell verwendet, wie bereits ausgeführt wurde.
Nach der Gründung des Deutschen Reiches änderte sich dieses jedoch, als plötzlich die Deutschsprachigen Österreichs von der weiten Evolutionsgeschichte der Deutschen de facto ausgeschlossen wurden: Sie galten nach 1871 nur noch als Grenzlanddeutsche, eine kleine privilegierte Minderheit in der Habsburgermonarchie, die nur noch etwa 12,6 v. H. der dortigen Gesamtbevölkerung ausmachte.

Bereits nach der Auflösung des Deutschen Bundes und nach der Durchführung des österreichisch-ungarischen Ausgleichs (1867), die der deutschen Nationalstaatsbildung vorausgingen, schlossen sich deutschbewusste Österreicher erstmals in ihrer Geschichte zu nationalen Vereinen und Parteien zusammen, aus denen schließlich eine deutschnationale Bewegung in Österreich hervorging. Ihre Mitglieder bezeichneten sich stolz als deutsche Österreicher bzw. als Deutschösterreicher, um zu betonen, dass sich aufgrund ihrer Abstammung und aufgrund ihres Bekenntnisses zur deutschen Nationalkultur weiterhin als deutsch ansahen.
Zeitgleich entstanden auch bei den slawischsprachigen Österreichern wie der Tschechen oder den Slowenen Nationalbewegungen, die anfänglich die Gleichberechtigung ihrer Sprachen neben dem österreichischen Deutsch und letztendlich ihre staatliche Unabhängigkeit forderten.

Die deutschsprachigen Österreicher forcierten anfänglich den bundesstaatlichen Anschluss Deutschösterreichs, das heißt, ihrer Siedlungsgebiete, an das Deutsche Reich, da sie das österreichische Deutschtum bedroht sahen. Bis 1880 aber hatte sich allgemein durchgesetzt, dass sich Deutschösterreich nur wirtschaftlich-politisch an das Reich anlehnen sollte, da sich die Deutschnationalen unter ihnen inzwischen mit der österreichisch-ungarischen Monarchie arrangiert hatten.
1882 wurde mit Annahme des Linzer Programmes offiziell die Deutschnationale Bewegung in Österreich begründet, die von einflussreichen Juden mitgetragen wurde, und die sich als Fortführung der großdeutschen Bewegung von 1848/49 sah. Diese Bewegung vertrat eine österreichische Form des deutschen Nationalismus, der entgegen heutiger Darstellungen nicht massiv antisemitisch, sondern nur latent antijudäisch war. Der Deutschnationalismus der Deutschösterreicher war national, liberal und sozial ausgelegt.

Wie allgemein damals üblich vertraten alle Österreicher einen ethnischen Nationalismus, der sich vor allem am Sprachnationalismus orientierte. Jede Ethnie definierte sich dort an einer bestimmten Sprache und wies dementsprechend auch eine bestimmte Identität auf.
Der deutschösterreichische Kampf gegen das Judentum richtete sich nicht explizit an alle Juden, sondern nur an die religiös-orthodoxen Ostjuden, die Ende des 19. Jahrhunderts begannen, massiv in die Österreichische Reichshälfte einzuwandern und die selbst von den ihnen verwandten Westjuden als „nationale Bedrohung“ empfunden wurden. Die Westjuden galten im Gegensatz zu den Ostjuden weitest gehend als assimiliert und als nicht besonders religiös.

Der jüdische Einfluss auf die deutschnationale Bewegung rief die Alldeutschen auf den Plan, die sich um den einstigen Radikaldemokraten Georg von Schönerer (1842–1921) gesammelt hatten und die in deutschvölkischer Manier den Rassenantisemitismus vertraten. Die Schönerianer setzten durch, dass 1885 ein sogenannter Judenparagraf in das Linzer Programm aufgenommen wurde, der allen Juden untersagte, Mitglied in deutschnationalen Vereinen und Organisationen zu werden oder zu sein. Das hatte zur Folge, dass jüdische Mitglieder ausgeschlossen wurden und die deutschnationale Bewegung de facto aks aufgelöst galt.

1914–1918 nahm Österreich-Ungarn als Teil der Mittelmächte am I. Weltkrieg teil, der mit der Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers in Sarajewo seinen Anfang nahm.
Reichsdeutsche und Deutschösterreicher empfanden im Laufe des Krieges die deutsche Volksgemeinschaft als Schicksalsgemeinschaft (Schutz-und-Trutz-Bündnis), die später als sogenannte Nibelungentreue in die Geschichte einging.

1918–1938 Bearbeiten

Am 30. Oktober 1918 wählten die deutschen Abgeordneten des bisherigen Parlamentes einen österreichischen Staatsrat, der eine Nationalversammlung vorbereiten sollte. Einen Tag später, am 31. Oktober, erklärte auch das Königreich Ungarn seinen Austritt aus der Habsburgermonarchie, in dessen Folge sich auch die anderen Nationalitäten für selbstständig erklärten.
Die deutschen Abgeordneten des Österreichischen Reichstages erklärten sich zur Provisorischen Nationalversammlung des deutschösterreichischen Staates, der am 12. November 1918 seine staatliche Souveränität und den Beitritt ins Deutsche Reich erklärte.

Kaiser Karl I. von Österreich (1887–1922) hatte zuvor am 11. November seinen Thronverzicht erklärt und alle Stände von ihrem Treueeid ihm gegenüber entbunden. Als Karl IV. von Ungarn entband er die ungarischen Stände von ihrem Treueeid. Zuvor hatte er am 26. Oktober 1918 das Militärbündnis mit dem Deutschen Reich für beendet erklärt.

Am 12. November 1918 wurde der Staat Deutschösterreich völkerrechtlich deklariert und es wurde gleichzeitig der bundesstaatliche Beitritt dieses Staates zur „deutschen Republik“, also zum Deutschen Reich (Weimarer Republik) erklärt. De jure umfasste dieser proklamierte Staat neben dem heutigen Österreich auch Deutschböhmen, Deutschmähren, Österreichisch-Schlesien und den Schönhengstgau (späteres Sudetenland) sowie Deutschsüdtirol und einige kleinere deutsche Sprachinseln im zentralen Böhmen-Mähren. Die politischen Vertreter der deutschsprachigen Bevölkerung nahmen für sich in Anspruch, damit in Einklang mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker zu stehen. De facto erstreckte sich der deutschösterreichische Machtbereich nur auf das heutige Österreich ohne das Burgenland, das damals noch zu Westungarn gehörte.
Der auf diesem Wege zusammengekommene großdeutsche Nationalstaat in de Grenzen vom 12. November 1918, der als parlamentarische Demokratie konzipiert war und letztendlich den hitlerischen Nationalsozialismus verhindert hätte, wurde durch die Friedensverträge von Versailles und Saint-Germain-en-Laye zunichtegemacht. Vor allem Frankreich bestand darauf, die in Großdeutschland zusammengeschlossenen achtzig Millionen Deutsche dann zu den Kriegsgewinnern gezählt hätten. Es wurde von diesem durchgesetzt, dass Österreich nun mit einem Anschlussverbot belegt wurde.

Im September 1918 musste der selbst gewählte Staatsname von „Deutschösterreich“ in „Österreich“ geändert werden und Österreicher wurde nun auf die dortigen Staatsangehörigen angewandt. Die Deutschsprachigen unter diesen begannen nun, „Deutschösterreicher“ als politischen Kampfbegriff zu benutzen, da sie Österreich, den sie als „zweiten deutschen Staat“ bezeichneten, als nicht lebensfähig ansahen.
1932 scheiterte eine Zollunion zwischen beiden Staaten aufgrund französischen Druckes und Österreich als solches wurde Anfang 1934 zu einem faschistoiden Ständestaat unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1882–1934) umgewandelt. Dollfuß versuchte nun, eine betont deutschnational-christlich-soziale österreichische Identität herauszubilden, die Österreich zum „besseren Deutschland“ gemacht hätte. So war es unter anderem Ziel der Austrofaschisten, das österreichische Deutschtum zu stärken und seine Besonderheiten zu bewahren. Am 30. Januar 1933 wurde mit dem Nationalsozialisten Adolf Hitler (1889–1945) ein gebürtiger Österreicher deutscher Kanzler, der nach und nach eine Gewaltherrschaft etablierte.

Nach der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers infolge des nationalsozialistischen Juliputsches von 1934 wurde die NSDAP in Österreich von Dollfuß’ Nachfolger Kurt Schuschnigg (1898–1977) verboten. Dieser wurde im Frühjahr 1938 von Hitler, der sich seit Herbst 1934 „Führer und Reichskanzler“ nannte, genötigt, die verbotene NSDAP in Österreich, die sich auch als „Hitlerbewegung“ bezeichnete, wieder zuzulassen.
Schuschnigg stimmt letztendlich notgedrungen den hitlerischen Wünschen zu. Aber wider Erwarten setzte er im Frühjahr 1938 eine Volksabstimmung in Österreich an, in der die Österreicher entscheiden konnten, ob sie nun als deutsche Staatsangehörige unter dem NS-Regime oder aber als Österreicher in Österreich leben wollten; Letzteres sollte nun zum besseren deutschen Staat werden.

1938–1945 Bearbeiten

Auf Hitlers außenpolitischen Druck hin trat Schuschnigg am 11. März 1938 als österreichischer Bundeskanzler zurück und übertrug seine Aufgaben interimsweise an den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart (1892–1946), der einen Tag später die deutsche Reichsregierung offiziell um Hilfe bat. Darauf hin erfolgte am 13. März der Einmarsch der Wehrmacht in Österreich, der von vielen Österreichern begrüßt wurde.
Noch am Tag des Einmarsches verkündete der nationalsozialistische Bundeskanzler den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, womit ein großdeutscher Volksstaat in Reichweite schien.
Am 10. April 1938 sollte eine Volksabstimmung in beiden Staaten den Anschluss legitimieren und es wurde zeitgleich ein großdeutscher Reichstag in Berlin gewählt. Nach amtlicher Auszählung stimmten im Reich und in der nunmehrigen Ostmark über neunzig Prozent für die Vereinigung beider Staaten. Mit dem Namen „Österreich“ wurde auch die dazugehörige Volksbezeichnung getilgt und durch „Ostmärker“ ersetzt.

Doch rasch folgte für die meisten Österreicher die Ernüchterung: Alle wichtigen Positionen in der nunmehrigen Ostmark (Verwaltung, Polizei und Militär) wurden nicht mit ihren Landsleuten, sondern mit Reichsdeutschen besetzt, die die Österreicher zumeist überheblich und stiefmütterlich behandelten. Die „Ostmärker“ fühlten sich rasch als Bürger zweiter Klasse, obgleich ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen worden war.
Umso leichter fiel es ihnen, am 27. April 1945, noch vor Kriegsende und Bekanntwerden der zahlreichen politischen Verbrechen des Regimes bzw. der Kriegsverbrechen von Wehrmacht und Waffen-SS, ihre staatliche Souveränität zu erklären und Österreich erneut als Völkerrechtssubjekt zu deklarieren.

1945–1955 Bearbeiten

Ende April 1945 wurde, wie im vorigen Abschnitt erwähnt, Österreich im Sinne der Verfassung von 1920 wiederhergestellt. Doch es besteht Uneinigkeit darüber, ob es als deutsche oder demokratische Republik wiederhergestellt worden sei. Erster Theorie schloss sich der deutsche Staats- und Völkerrechtler Dieter Blumenwitz (1939–2005) an, der in seinem Buch Denk ich an Deutschland. Antworten auf die deutsche Frage schreibt, dass „[…] die deutsche Republik Österreich wiederhergestellt“ sei.[4] Andere, wie der österreichische Rechtswissenschaftler Herbert Schambeck (geb. 1934) gehen von der letzteren Theorie aus.[5]

1955–heute Bearbeiten

Es scheint, dass in den ersten zehn Jahren des Bestehens der II. Republik die Österreicher schwankten, ob sie nun „Deutsche“, „deutsche Österreicher“ oder „nur Österreicher“ seien. Spätestens nach Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages zwischen Österreich und den Vier Mächten hat es sich in Österreich allgemein durchgesetzt, dass es sich bei Österreicher um ein von den Deutschen unterschiedenes westgermanisches Volk mit überwiegend deutscher Sprache handelt.[2] So sehen sich heute 95 von 100 Österreichern als eigenständige Ethnie, nur noch etwa 5 von 100 Österreichern vertreten weiterhin die traditionelle deutschnationale Auffassung, dass Österreicher Kulturdeutsche mit österreichischer Staatsangehörigkeit seien.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. Dokumentenarchiv.de: Verordnung über die deutsche Staatsangehörigkeit im Lande Österreich, abgerufen am 16. Juni 2018
  2. 2,0 2,1 2,2 www.derstandart.at: Österreicher fühlen sich heute als Nation, abgerufen am 7. Dez. 2014.
  3. Lothar Dralle: Die Deutschen in Ostmittel- und Osteuropa, S. 90ff
  4. Dieter Blumenwitz: Denk ich an Deutschland, Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, A86 Textband, Kapitel „B. Der deutsche Staat nach 1945“, S. 57
  5. Herbert Schambeck: Das Österreichische Bundes-Verfassungsgesetz und seine Entwicklung, Kapitel „Zur Entstehung“, S. 31